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Abydos

Abydos ist der Name einer Stadt in Oberägypten, die zur Zeit der Pharaonen Wallfahrtsort und Hauptkultort des altägyptischen Totengottes Osiris war. In der Umgebung von Abydos waren in der Frühzeit der pharaonischen Kultur die Könige und lokalen Herrscher bestattet worden.

Rund 100 Kilometer Luftlinie nördlich von Luxor und etwa 15 Kilometer südlich des Ortes Baljana liegt Abydos mit seinen Kultzentren, Tempeln und Gräbern aus der Zeit der Pharaonen. Abydos war im Altertum der Hauptkultort des Totengottes Osiris. In der Nähe lag die alte Stadt Thinis, die in der ägyptischen Frühzeit (ersten und zweite Dynastie) königliche Residenz war.

Osiris und Isis sind heutzutage vielleicht die bekanntesten Gottheiten aus dem alten Ägypten. Dies liegt daran, dass deren Kulte bis weit in die klassische Antike der Griechen und Römer zelebriert wurden. Somit fanden sie Einzug ins kulturelle Gedächtnis Europas. Osiris hatte schon immer eine besondere Stellung als Totengott. In einem Land, in dem der Totenkult eine herausragende Bedeutung innehatte, stärkte dies auch seine Bedeutung im Pantheon. Anfangs war er ein regionaler Totengott der Gegend von Abydos. Im Norden Ägyptens, dem alten Pyramidengebiet, hatte Sokar zunächst die vorrangige Bedeutung des Totengottes. Doch spätestens seit dem Mittleren Reich war Osiris zur zentralen Figur des ägyptischen Totenkultes geworden. In Abydos waren seit jeher jährliche Feste zu Ehren des Osiris abgehalten worden. Bei den Prozessionen anlässlich der Feste wurde eine Kultfigur des Gottes unter Begleitung zahlreicher Zeremonien und Riten vom Tempel des Osiris zu einem Kultgrab dieses Gottes getragen. Wo dieses Grab lag, weiß man nicht genau.

Der Festverlauf war folgendermaßen: Die Statue wurde des Osiris aus dessen Heiligtum in Abydos herausgetragen und dann in Form eines Festumzuges und begleitet von Musik und Mysterienspielen mit einer Barkensänfte vorbei an zahlreichen Stelen und Kultstätten durch das heilige Gelände von Abydos getragen. Schließlich gelangte der Festzug zum alten Gräberfeld und hielt an einem heiligen Ort namens „Poker“. Dort lag das Grab des Osiris. Die Bedeutung des Osiris-Festes und dessen Verknüpfung mit dem Totenkult wird unterstrichen durch die Tatsache, dass bei allen Bestattungszeremonien für die Verstorbenen eine symbolische rituelle Wallfahrt nach Abydos unternommen wurde.

Der Osiris-Tempel von Sethos I. in Abydos

Ein außergewöhnlich interessanter Tempel aus der Zeit der Rasseiden ist der große Kalksteintempel von Abydos, der von König Sethos I. (19. Dynastie, 13. Jahrhundert v. Chr.) begonnen und von Ramses II. vollendet wurde. Die terrassierte Anlage präsentiert sich dem Besucher mit klaren Pfeilerfronten. Verehrt wurden in diesem Tempel einerseits die abydenische Göttertriade des Totengottes, nämlich Osiris, seine Gemahlin Isis und deren Sohn Horus, sowie die drei wichtigen Reichsgötter des Neuen Reiches: Amun-Re, Re-Harachte und Ptah, deren Zentren in Theben, Heliopolis und Memphis waren.

Einst war der 56 mal 157 Meter messende Kalksteintempel von einer rund 220 mal 270 Metern langen Lehmziegelmauer umgeben gewesen. Nordöstlich des Tempels befinden sich noch einige Überreste der alten Wirtschaftsgebäude, die zum Tempelkomplex gehörten. Die Achse des Tempels ist ost-westlich ausgerichtet und zeigt auf den Nil. Allerdings ist Achse nicht exakt an den Himmelsrichtungen orientiert, sondern entspricht mehr der Richtung von Nordost nach Südwest, was daran liegt, dass der Nil für den Westen stand und die Geographie des Ortes stärker berücksichtigt wurde als die Himmelsrichtungen.

Die Besucher werden zunächst von den Überresten eines Pylons empfangen, der einst als Eingang zum Tempelkomplex fungierte. An der südöstlichen Rückwand des Pylons kann man noch Bilddarstellungen erkennen, die Pharao Ramses II. bei seinen Feldzügen zeigen. Hinter dem Pylon folgt der große Vorhof. Von hier aus führt eine breite Rampentreppe zum Eingangsportal des eigentlichen Tempels mit dessen Pfeilerkolonnaden. Dann gelangt man in den zweiten Vorhof. Von diesem geht es über eine weitere Rampentreppe zur zweiten Kolonnade, die noch überdacht ist. An der Rückwand dieser Kolonnade befinden sich zahlreiche sehenswürdige Reliefs, die Ramses II. und Sethos I bei verschiedenen Kulthandlungen zeigen.

Auf die Kolonnade folgt ein Säulensaal mit 24 Papyrusbündelsäulen in zwei Querreihen. Anders als bei den meisten Tempeln, gibt es in dieser Säulenhalle kein erhöhtes Mittelschiff. Das bedeutet, dass alle Säulen gleich hoch sind. Die Reliefs an den Wänden zeigen überwiegend Ramses II. bei Kulthandlungen vor Osiris und Isis sowie vor Sethos I., der als vergöttlichter Vorfahr angebetet wird. Direkt auf dem Säulensaal folgt ein zweiter Säulensaal. Hier tragen 36 Säulen das Dach. Die Dekorationen und Texte stammen noch von Sethos I. Damit ist dieser Säulensaal älter als der vordere.

Schließlich folgen die Kapellen des Sanktuariums. Von links nach rechts sind sie folgenden Personen und Gottheiten geweiht: Sethos I. (als vergöttlichter Osiris), Ptah, Re-Harachte, Amun (in der Mitte), Osiris, Isis und Horus. In den Kapellen waren einst die Götterbarken der Gottheiten aufbewahrt worden. Die Wandbilder und Texte in den jeweiligen Kapellen beziehen sich nicht nur auf die Ritualhandlung Pharaos vor der jeweiligen Gottheit, sondern beziehen sich auf die verwandten Götter der jeweiligen Gottheit. So werden in der Kapelle des Amun auch dessen Frau Mut und dessen Sohn Chons erwähnt.

Auch wenn die Kapelle des Osiris nicht mittig befindlich ist, sondern diese Position dem Reichsgott Amun überlässt, so zeigt die Osiris-Kapelle durch einen Hintereingang, dass dies die Hauptgottheit des Tempels ist. Dieser Durchgang führt zu einem versteckten Heiligtum im Tempel, einer Mysterien-Kultstätte mit einer zum Tempel quer gelagerten Achse. Diese Kultstätte besteht aus einem Hauptraum mit 10 Säulen und einem weiteren Raum mit vier Säulen. Von beiden Räume zweigen jeweils drei kleine Kult-Kapellen ab. Die Darstellungen in den Räumen zeigen vornehmlich Szenen aus den Osiris-Mysterien.

An der südöstlichen Ecke des Kalkstein-Tempels schließt sich ein Gebäudeflügel an. Zwei Türen führen in diesen Bereich. Die rechte führt ein weiteres Sanktuarium mit zwei Kultkapellen, die den Gottheiten Nefertem und Ptah-Sokar geweiht sind. In der Ptah-Sokar-Kapelle ist eine berühmte Szene aus dem Osiris-Mythos dargestellt. Dargestellt ist der Totengott in der Gestalt einer Mumie auf einer Totenbahre. An den Enden der Bahre stehen Horus und Isis. In der Mitte sieht man Isis in der Gestalt eines Falken, wie sie sich auf dem Phallus des Osiris niederlässt. Diese Szene handelt vom Motiv der posthumen Zeugung des Horus.

Die andere Tür zum Flügelbau führt in einen schmalen aber wichtigen Korridor. Dieser Korridor ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil an seinen Wänden die Liste aller Könige des alten Ägypten in chronologischer Reihenfolge angebracht ist.

Hinter dem eigentlichen Kalksteintempel des Osiris befindet sich ein weiteres Heiligtum des Gottes. Es handelt sich um das Osireion, einem speziellen unterirdischen Kultbau für die Osiris-Mysterien. Dieser Kultbau diente bei den Ritualen als mystisches Schein-Grab des Osiris. Die Grundstruktur des Baues besteht aus einem Pool, der von Pfeilern umgeben ist. Einst lag der Sarg des Osiris auf einer Insel im Pool. Überirdisch war das Heiligtum von einem kleinen Hügel bedeckt.

Der Kenotaph-Tempel von Ramses II. in Abydos

Etwa 300 Meter Fußmarsch nordwestlich des großen Osiris-Tempels befinden sich die Ruinen des Kenotaph-Tempels von Ramses II. aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Der Tempel ist eine Art Totentempel des Königs. Während der eigentliche Totentempel von Ramses II. in West-Theben errichtet war, hat man hier einen weiteren Tempel für das Scheingrab (Kenotaph) beziehungsweise Osiris-Grab des Königs errichtet, eine Art virtueller zweiter Totenkult, bei dem der Königskult mit dem Osiris-Kult verknüpft wurde.

Wie der große Osiris-Tempel war auch er einst von einer großen Lehmziegelmauer umgeben. Vom eigentlichen Tempel sind größtenteils nur noch die Grundmauern erhalten. Doch an den zahlreichen Blöcken der Basis und der Grundmauern lassen sich noch viele Details von Reliefs und Inschriften erkennen. An manchen Stellen stehen die Mauern und Blöcke noch rund zwei Meter hoch an. Interessant sind die Bilder und Reliefs an den Außenwänden des Tempels, die Ramses II. bei seinen Feldzügen zeigen und auf die berühmte Schlacht von Kadesch Bezug nehmen.

Während die Bilder auf der Außenseite also abwehrende militärische Themen darstellen, geht es im Innern des Tempels um die Verknüpfung von königlichem Totenkult mit dem Osiris-Kult. Der Besucher betritt den Tempel durch einen Pylon von Nordosten. Hinter diesem Eingangspylon befindet sich ein großer Vorhof, der von Pfeilerkolonnaden umgeben ist. Die Reliefs an den Wänden der Kolonnaden berichten von den großen Opferprozessionen bei den Kultfesten von Abydos.

Anschließend führen drei Treppenrampen, eine breite in der Mitte des Hofes und zwei schmale an den Seiten, auf die Plattform des Portikus. Vom Portikus zweigen sieben Ausgänge ab. Zwei führen aus dem Tempel heraus. Sie waren schlicht als Nebeneingänge gedacht. Fünf führen zu weiteren Kulträumen. Die zwei rechten und zwei linken der Rückwand des Portikus führen zu schmalen Kultkapellen, die der Verehrung der vergöttlichen Ramses II. und dessen königlichen Vorfahren dienten. Der Durchgang in der Mitte führt schließlich zum Pfeiler- oder Säulensaal, dem Hypostyl mit acht Pfeilern. Durch einen weiteren Durchgang geht es in einen zweiten Pfeilersaal. Von diesem zweigen neun schmale Kultkammern ab, drei zu rechten und linken Seite und drei an der Rückwand. Auf der linken Seite war die erste Kammer ein Magazin für Stoffe, die zweite Kammer eine Schatzkammer, die dritte ein Durchgang zu einem weiteren Raum mit zwei Säulen, der als Kultraum für die heilige Götterneunheut gedacht war. Auf der rechten Seite war die erste Kammer der Verehrung des Gottes Thot geweiht, die zweite dem Gott Min-Re, und die war dritte wieder ein Durchgang zu einer weiteren Kammer, die wiederum der Verehrung der Götterneunheut diente. Die drei Kapellenkammern an der Rückwand stehen für die Triade Osiris (in der Mitte), Isis (rechte Kapelle) und Horus (linke Kapelle). In der Kapelle des Osiris steht eine stark beschädigte Statuengruppe. Sie zeigt die vergöttlichten Pharaonen Ramses II. und Sethos I. zusammen mit den Gottheiten Osiris, Isis und Horus. Die Kammer des Osiris liegt direkt auf der Achse aller Hauptdurchgänge bis hin zum Haupteingang am großen Pylon. Damit ist sie das heiligste Kultziel der im Tempel durchgeführten Rituale.

Kultanlage des Königs Sesostris III. in Abydos

Wesentlich älter als die Tempel von Sethos I. und Ramses II. ist die Kultanlage von Sesostris III. Er war ein bedeutender Herrscher der 12. Dynastie (Mittleres Reich, 19. Jahrhundert v. Chr.). Unter seiner Regentschaft erreichte das Pharaonentum einen Höhepunkt. Der Staat war zentralisiert, die Kultur blühte. Als Grabmal ließ er sich eine gewaltige Lehmziegelpyramide in Dahschur errichten. In Abydos hatte er eine Scheingrabkultstätte (Kenotaph) errichten lassen, um seinen eigenen Totenklut mit dem Götterkult des Osiris Chontamenti zu verknüpfen. Die architektonische Grundstruktur des Kultkomplexes entspricht dem eines Pyramidenkomplexes. Es hab einst einen Taltempel, einen Aufweg und einen Haupttempel mit Kulträumen und Wirtschaftsmagazinen für die Opfergaben. Errichtet war die Anlage größtenteils aus Lehmziegeln.

Kultanlagen des Pharao Ahmose in Abydos

Auch der erste König der 18. Dynastie und Begründer des Neuen Reiches, König Ahmose (16. Jahrhundert v. Chr.) hat in Abydos Kultanlagen und ein Scheingrab errichten lassen. Sie befinden sich im Südosten der Anlagen von Sesostris III. Die Anlagen stellten ebenfalls eine Verknüpfung des Königskultes mit dem Osiris-Kult dar.

Die alte Nekropole von Abydos

Etwa eineinhalb Kilometer südwestliche des großen Osiris-Tempels von Sethos I. befindet sich die archäologische Ausgrabungsstätte von Umm el-Qa’ab mit den Gräbern der frühesten Könige der ägyptischen Geschichte, und zwar aus der frühdynastischen Zeit (1. bis 2. Dynastie, Anfang 3. Jahrtausend v. Chr.). Einige sind sogar noch älter und stammen aus der vordynastischen Zeit des späten 4. Jahrtausends v. Chr.

Lange Zeit wurde angenommen, dass sich bei den abydenischen Gräbern aus der 1. Dynastie um rituelle Scheingräber (Kenotaphe) handelt, die wie die Anlagen aus späterer Zeit mit dem Kult des Osiris Chontamenti im Zusammenhang stehen. Denn ebenfalls aus dieser Zeit hat man viele Gräber in der unterägyptischen Nekropole von Sakkara gefunden. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass die Gräber in Abydos tatsächliche Königsgräber der pharaonischen Frühzeit waren, während die uralten Mastaba-Gräber aus Sakkara jener Zeit ihren hohen Beamten der Region zugedacht waren. Diese neuerlichen Annahmen ergeben Sinn, weil in der Nähe von Abydos die älteste königliche Residenzstadt Thinis lag und die Nekropole der Könige zumeist nahe der königlichen Palastanlagen errichtet wurde.

Die Gräber sind fast alle stark beschädigt. Bei keinem ist das Dach erhalten. Dem Besucher zeigen sie sich als zwei bis vier Meter unterhalb des Bodenniveaus angelegt Kastensysteme mit zahlreichen Kammern, die um eine zentrale Kammer herumgelagert sind. Man nimmt an, dass über jedem dieser Gräber einst ein kleiner Hügel aufgetürmt war. Einige größere Gräber sind von kleinen Anlagen umgeben. Die kleinen Gräber gehörten den Gefolgsleuten des Herrschers.

Nördlich der frühzeitlichen königlichen Nekropole befindet sich ein noch älteres Gräberfeld aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Die prähistorischen Begräbnisstätten waren vermutlich lokalen Größen der Region zugedacht.

Rund eineinhalb Kilometer nördlich der frühdynastischen Gräber wurden eigenartige Kultbezirke ausgegraben. Man nimmt an, dass sie einen kultischen Bezug zu den Königsgräbern haben, denn es konnten einige namentlich frühen Königen zugeordnet werden. Es ist möglich, dass sie im Totenkult eine ähnliche Funktion hatten, wie im Alten Reich die Totentempel und Taltempel der Pyramidenanlagen.

Die alte Stadt von Abydos

Rund einen Kilometer nördlich des großen Osiris-Tempels von Abydos befindet sich eine weitere Ausgrabungsstätte. Es handelt sich um den Siedlungshügel Tell el-Sultan (Kom el-Sultan, Sultanshügel). Hier wurden die architektonischen Überreste der alten Stadt und eines alten Osiris-Tempels ausgegraben. Die ersten Siedlungsspuren dieses Ortes sind so alt wie die ältesten Gräber in Abydos, das heißt mehr als 5000 Jahre. Von da an war der Ort mindestens dreitausend Jahre bewohnt, bis zur griechisch-römischen Antike.

Abydos

Eine der herausragenden und ältesten religiösen Wallfahrtsorte und Kultzentren im alten Ägypten war die oberägyptische Stadt Abydos .

Der auf der Westseite des Nils gelegene oberägyptische Ort war lange Zeit das Zentrum des Osiris-Kultes Er war für den altägyptischen Totenkult von besonderer Bedeutung. Hier soll, der altägyptischen Mythologie entsprechend, der Totengott Osiris, der in mythischer Vorzeit Herrscher auf Erden gewesen sein soll, begraben sein. Archäologische Ausgrabungen konnten zwar wenig von der antiken Stadt zutage fördern. Doch ist der sehenswürdige Osiris-Tempel aus der Regierungszeit Sethos’ I. (19. Dynastie) mit seinen zum Teil noch farbigen Reliefbildern gut erhalten. Weitere erwähnenswerte Bauten aus der Zeit des Neuen Reiches sind die Tempel von Ramses II. , Thutmosis III. und die Kultpyramidenanlage des Ahmose. Aus dem Mittleren Reich sind die Kultanlagen von Sesostris III. (12. Dynastie) bedeutend. Ebenfalls von archäologisch und historisch großer Bedeutung sind die Grabanlagen aus der Vor- und Frühdynastischen Zeit (4. Jahrtausend und Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr.) an der Ausgrabungsstätte Umm el-Qa’ab (bzw. Umm el-Gaab, arabisch „Mutter der Scherben“). Sie wird so genannt, weil dort die Bruchstücke unzähliger Keramikgefäße gefunden wurden, die teils als Grabbeigaben dort deponiert wurden und andernteils von Pilgern gestiftet worden waren. Dank jüngerer Ausgrabungen in Abydos, insbesondere durch das Deutsche Archäologische Institut (DAI-Abteilung Kairo), hat sich das Wissen um die früheste Zeit des Pharaonenreiches und über die Entstehung des alten Ägypten als Staat und Hochkultur erheblich erweitert.

Lage und Anfahrt: Die Ruinen dieses altägyptischen Ortes liegen etwa 100 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Luxor und etwa 15 Kilometer südlich von Baljana. Da man, um dorthin zu gelangen, die Straße am Nil entlang fährt, muss man dem Qena-Bogen folgen. So ergibt sich mit dem Auto eine Strecke von etwa 160 Kilometern und zweieinhalb Stunden Fahrzeit. Wer von Luxor aus einen Tagesausflug nach Abydos unternehmen möchte, sollte deshalb schon früh morgens aufbrechen. Ideal ist eine Verknüpfung mit der Besichtigung des Hathor-Tempel s von Dendera, der auf dem Weg liegt. Abydos liegt in der Provinz bzw. im Verwaltungsbezirk von Sohag . Von Sohag selbst sind es rund 60 Kilometer und eine Stunde Fahrzeit.

Reisende mit wenig Zeit sollten ihre Besichtigung auf den Sethos-Tempel beschränken. Wer alle archäologischen Ausgrabungen in Abydos sehen will, sollte mindestens einen ganzen Tag einplanen, denn die Sehenswürdigkeiten sind umfangreich und weit verstreut.

Wegen der politischen Verhältnisse im südlichen Mittelägypten und der Angst vor islamistisch motivierten Anschlägen auf Touristen, war lange Zeit die Zahl der Besichtigungen gering. Oft wurden nur Konvois von Touristenbussen mit polizeilicher Begleitung zugelassen. Manchmal gab es militärischen Begleitschutz. Individualreisende wurden oft wegen zu hoher Gefahr an den Polizeisperren aufgehalten und zur Umkehr (nach Luxor oder Dendera) gezwungen. Da sich durch die Revolution von 2011 die politischen Verhältnisse verändert haben, ist damit zu rechnen, dass die Sehenswürdigkeiten von Abydos wieder einem größeren touristischen Publikumsverkehr zugänglich gemacht werden. Auch wenn sich der Großteil der Reisenden auf den Tempel von Sethos I. konzentrieren wird, um dann ggf. nach Dendera weiter zu fahren, sollen hier auch die anderen Ausgrabungsstätten vorgestellt werden, deren Besuch wegen der historischen Bedeutung lohnt.

<strong>Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Abydos:</strong>

<strong>Der Tempel von Sethos I. in Abydos</strong>

<strong>Der Tempel von Ramses II. in Abydos</strong>

<strong>Die vor- und frühdynastischen Gräber in Um el-Qa’ab, die Talbezirke der frühdynastischen Gräber und die Reste der antiken Stadt in Kom es-Sultan mit dem Chontamenti-Tempel</strong>

<strong>Die Kultanlagen von Sesotris III. und von Ahmose in Abydos</strong>

<strong>Osiris-Kult in Abydos</strong>

Osiris war ein Totengott mit überregionaler Bedeutung. Dabei löste er erst im Laufe des Alten Reiches andere Totengötter, wie zum Beispiel Sokar, in ihrer Bedeutung ab. Seit dem Mittleren Reich und bis in die griechisch-römische Epoche war er die zentrale Figur des Totenkultes. Aus dem Mittleren Reich gibt es viele Stelen mit Hieroglypheninschriften, die auf seinen Kult Bezug nehmen. Man sieht diese Stelen in fast allen Museen mit ägyptischer Kunst. Oft waren diese Stelen ursprünglich in Abydos aufgestellt. Dort fanden alljährlich Feste zu Ehren des Totengottes statt. Bei diesen Festen handelte es sich um Prozessionsfeste. Eine Statute oder ein Totem des Gottes wurde unter feierlichem Pomp von seinem Heiligtum, dem Osiris-Tempel, zu seinem (Kult-)Grab getragen. Man weiß nicht genau, wo dieses Grab lokalisiert werden kann. Vermutlich lag es im Bereich der Schutthügel südwestlich des Tempels.

Zunächst wurde der Gott (d.h. seine Statue) aus seinem Heiligtum, dem „Gotteshaus des Osiris Chontamenti“ (Chontamenti heißt hier übertragen: „Derjenige, der den westlichen (d.h. Toten) vorsteht“) geholt. Dann setzte sich der Festzug, die „große Prozession“, in Gang. Dabei wurde der Gott vermutlich in einer Barkensänfte getragen, wie es auch bei anderen Göttern zu späteren Zeiten üblich war. Damit spielte man auf die Begebenheiten Ägyptens an: Der Nil als Hauptverskehrader Ägyptens war auch die „Hauptstraße“ der Götterbarken. Dort, wo der Prozessionszug losging, am „Podest des großen Gottes“ standen unzählige Stelen. Diese Stelen wurden von bedeutenden Amts- und Würdenträgern und von wohlhabenden Ägyptern gestiftet. Auf diesen Stelen ist ihr Name und ihr sozialer Hintergrund (Familie, Status, Ämter und Würden) aufgezeichnet und der Wunsch genannt, an der Prozession teilhaben zu dürfen. Und in der Tat: Durch das Stiften der Stelen waren die Stifter bei allen Kultfeiern des Osiris vertreten und somit „anwesend“. Der Festzug zog durch das Gräberfeld, über „heilige Erde“, zu einem Ort namens Poker, dort, wo das (Kult-)Grab des Osiris war. Der ganze Festzug war begleitet von unzähligen Ritualen und Mysterienspielen.

Die Bedeutung der Osiris-Mysterien war für den Totenkult allgemein so wichtig, dass bei allen Bestattungszeremonien in Ägypten die Toten eine symbolische bzw. rituelle Wallfahrt nach Abydos unternahmen.

Anmerkung: Es gibt noch einen anderen Ort gleichen Namens, und zwar in Unterägypten. Das unterägyptische Abydos (Abusir el-Meleq, zwischen Nil und Fayum) war auch ein Kultort des Osiris. Ebenso gab es hier eine Nekropole.Auswahl weiterführender Literatur:

  • Arnold, Dieter, Lexikon der ägyptischen Baukunst, München und Zürich 1994.
  • Arnold, Dieter, Die Tempel Ägyptens, München und Zürich 1992.
  • Calverly, A.M. und M.F. Broome, The Temple of King Sethos at Abydos (4 Bände, herausgegeben von Alan Gardiner), Chicago 1933-159.
  • Dreyer, Günter, „Friedhof B: Vom König zum Gott – Die Anfänge monumentaler Architektur”, „Könisgräber ab Djer: Wege zur Auferstehung”, „Frühe Schriftzeugnisse”, in: Günter Dreyer und Daniel Polz (Hrsg.), Begegnung mit der Vergangenheit – 100 Jahre in Ägypten (Deutsches Archäologisches Institut Kairo 1907-2007), Mainz 2007, S. 193-217.
  • Hartung, Ulrich, „Der prädynastische Friedhof U: Nilpferdjäger und erste Bürokraten“, in: Günter Dreyer und Daniel Polz (Hrsg.), Begegnung mit der Vergangenheit – 100 Jahre in Ägypten (Deutsches Archäologisches Institut Kairo 1907-2007), Mainz 2007, S. 187-192.
  • Kemp, Barry J., “Abydos”, in: Lexikon der Ägyptologie, Band 1, Wiesbaden 1973, Sp. 28-41.
  • Lehner, Mark, The Complete Pyramids, London 1997.
  • Petrie, William Flinders, Abydos I-II, London 1902-1903.
  • Willkinson, Richard H., The Complete Temples of Ancient Egypt, London 2000.