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Steinbrüche Assuan, unv. Obelisk


Unvollendeter Obelisk
Seit dem Alten Reich wurden sakrale Monumentalbauten aus Stein errichtet. Tempel, Pyramiden, Totenkultanlagen unterschieden sich nicht nur durch ihre Monumentalität von den profanen Lehmziegel-Häusern, sondern auch durch ihr schier unvergängliches Material, das den Bauten Ewigkeit garantieren sollte. Die Kultlandschaft Ägyptens war eine Welt aus Stein. Meistens wurde Kalkstein gebrochen und als Baumaterial verwendet. Doch besonders wichtige Architekturelemente, wie Dachbalken, Säulenarchitrave, Obelisken oder manchmal ganze Kultkappellen wurden gern aus rötlichem Granit erstellt. Auch für Statuen der Götter, Pharaonen und hohen Amts- und Würdenträger griff man manchmal auf Granit zurück.

Der hochwertigste Granit Ägyptens wurde in Assuangebrochen. Tatsächlich ist die Gegend um den Ersten Katarakt herum voll von großen und kleinen Granitfelsen. So wurde der anstehende Granit zum Exportschlager der Region. Zum Anlass verschiedenster Großbauprojekte wurden Schiffsexpeditionen in die Gegend von Assuan geschickt, um das hochwertige Material abzutransportieren und zu den Bausstellen des Landes zu bringen. In den Granitsteinbrüchen rund um Assuan waren ständig Arbeiterkolonnen aktiv und brachen je nach Bedarf die entsprechenden Steinbrocken und Quader aus den umstehenden Felsformationen. Manche der hier herausgeschälten Steinquader waren so groß, dass noch heute über die technischen und logistischen Leistungen der Bearbeitung und des Transports gestaunt wird.

Berühmt ist der unvollendete Obelisk, der nicht vollständig vom Felsen gelöst werden konnte, weil er einen Bruch aufwies. Mit einer Länge von 42 m und einem Gewicht von weit mehr als 1000 Tonnen wäre er der größte monolithe Obelisk geworden. Doch anscheinend war hier eine Größenordnung erreicht, bei der auch die alten Ägypter an die Grenzen ihrer technischen Fähigkeiten kamen. Es ist nicht klar, auf wessen Anordnung der übergroße Obelisk gefertigt werden sollte. Vermutlich stammt er aus der 18. Dynastie und war für den Tempel des Amun-Re in Karnak vorgesehen.

Um den unvollendeten Obelisken herum hat man eine Art Freilichtmuseum geschaffen, in dem die Besucher etwas über die altägyptischen Steinbrüche und Arbeitstechniken erfahren können.
<strong>Auswahl weiterführender Literatur:</strong>

Klemm, Rosemarie und Dietrich Klemm, Steine und Steinbrüche im Alten Ägypten, Berlin/Heidelberg/New York 1992.

Assuan – Steinbrüche und unvollendeter Obelisk

Die Obelisken des alten Ägypten beeindrucken noch heute. In vielen europäischen Hauptstädten hat man altägyptische Obelisken aufgestellt, so etwa auf dem Place de la Concorde in Paris. Wie die Obelisken hergestellt wurden und dass sie aus einem Stück gefertigt wurden, lässt sich in einem alten Steinbruch bei Assuan bewundern. Dort hat man nämlich einen unfertigen Obelisken gefunden, der, wenn er aufgerichtet worden wäre, der größte überhaupt gewesen wäre.

Die meisten Häuser im alten Ägypten wurden aus Lehmziegeln errichtet. Die großen Tempel und Kultbauten aus Kalkstein und Sandstein. Für besondere Bauten, Denkmäler, Statuen, Bauwerk-Verkleidungen und Obelisken verwendete man Granit. Der beste Granit Ägyptens wird seit Jahrtausenden – und noch heute – in Assuan gebrochen. Er hat einen leicht rötlich schimmernden Farbton und ist von besonderer Qualität.

Schon in der Pyramidenzeit hat man für spezielle Bauprojekte den Granit aus Assuan bevorzugt. So etwa beim Abschluss der Grabkammer in der großen Pyramide von Giza. Die Decke der Grabkammer und die Decken der fünf Entlastungskammern darüber waren aus Assuan-Granit gefertigt.

Eine besondere Herausforderung war die Herstellung der Obelisken. Diese nadelartigen Baudenkmäler schmückten die Toren vieler Tempel. Die Schwierigkeit lag darin, dass die Obelisken aus einem Stück gefertigt werden mussten. Von Generation zu Generation versuchten sich die Baumeister und Steinmetzen an immer größeren Projekten.

Im alten Steinbruch von Assuan hat man nun bestes Anschauungsmaterial: Der dortige unfertige Obelisk wäre der größte Obelisk des alten Ägypten geworden. 42 Meter wäre er lang geworden und hätte ein Gewicht von 1000 bis 1200 Tonnen gehabt. Doch anscheinend hatten sich die Baumeister und Steinmetzen übernommen. So brach er. Das Projekt musste eingestellt werden. Man hatte die Grenze des Erreichbaren kennengelernt und ausgeschöpft.

Wer der Auftraggeber des Obelisken war, ist unbekannt. Doch man vermutet, dass er während der 18. Dynastie, vermutlich von der Pharaonen Hatschepsut (15. Jahrhundert v. Chr.) in Auftrag gegeben worden war. Die Pharaonin hatte eine Vorliebe für Obelisken und versuchte, mehr und höhere bauen zu lassen, als alle ihre Vorgänger. Ihre Inschriften erzählen mit Stolz von ihren Bauprojekten und Obelisken.

Eine große logistische Herausforderung war der Transport der Obelisken und Monumentalblöcke. Denn die Objekte wurden zumeist im Steinbruch selber weitestgehend in die gewünscht Form gebracht. Dann musste allerdings der gewaltige Block, der Obelisk oder die Monumentalstatue zum gewünschten Ort gebracht werden, beispielsweise nach Luxor oder Giza, ohne unterwegs zu zerbrechen. Allein der Transport auf den Nilschiffen über Hunderte von Kilometern war schon eine Meisterleistung. Ebenso der Transport zu Lande und die Aufrichtung der Obelisken.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg