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Pyramiden von Giseh (Gizeh, Giza)

Sie sind das Wahrzeichen Ägyptens und die berühmtesten Bauten des Altertums: die drei großen Pyramiden von Giseh, westlich von Kairo. Vor viereinhalbtausend Jahren ließen sich die Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos (4. Dynastie, Altes Reich) auf einem Felsplateau über dem Niltal gigantische Grabmonumente und Totenkultanlagen errichten.

Video zu den Pyramiden von Giseh in Kairo


Die Pyramiden von Giseh in Ägypten - © STERN TOURS

Die Pyramiden von Giseh (deutsch und französisch auch „Gizeh“, englisch und international „Giza“ geschrieben) dokumentieren den Höhepunkt des altägyptischen Pyramidenzeitalters. Kaum eine archäologische Stätte hat die Wissenschaft mehr beschäftigt und mehr Raum für Spekulationen gegeben als diese gewaltigen monumentalen Bauten der frühen Bronzezeit. Als noch weite Teile der Menschheit auf steinzeitlichem Niveau verharrten, in vielen Gegenden als Jäger und Sammler durch die Savannen und Steppen zogen oder in einfachen landwirtschaftlichen Siedlungen lebten, entstanden an einigen wenige Orten die frühen Hochkulturen, wie in Mesopotamien und Ägypten. Die Pyramiden Ägyptens fallen aus ihrer Zeit, sind hinsichtlich der Monumentalität und baulichen Präzision Ausnahmen, die ihresgleichen suchen. Für rund viertausend Jahre war die große Cheopspyramide das höchste Bauwerk der Welt.

Für die meisten Ägyptentouristen gehören die Pyramiden von Giseh mit der geheimnisvollen Sphinx zum Höhepunkt ihrer Reise an den Nil. Auch wenn der Besucherandrang und das aufdringliche Werben der Souvenirverkäufer und Kameltreiber die Atmosphäre des rätselhaften Ortes stören, hinterlässt die schiere Größe der Grabbauten einen unvergesslichen Eindruck. Allein die Lage ist atemberaubend. Vom Felsplateau des Pyramidenbezirks aus lässt sich das weite Niltal mitsamt der Millionenstadt Kairo überblicken.

Anfahrt von Kairo

Das Pyramidenplateau befindet sich ganz im Westen von Kairo und Giseh. Obwohl Giseh mit rund 3 Millionen Einwohnern als selbständige Stadt gilt, ist sie praktisch ein Vorort der Metropolregion Kairo und Teil des durchgehend städtischen Besiedlungsraumes. Die Pyramiden von Giseh lassen sich von jedem Punkt in Kairo mit dem Taxi erreichen. Vom Stadtzentrum Kairos sind es je nach Strecke 14 bis 20 km, für die man bei guter Verkehrslage mit rund einer halben Stunde Fahrzeit rechnen muss. Allerdings kommt es gerade auf der Al-Ahram-Straße, der Hauptverkehrsstraße zwischen Stadtzentrum und Pyramidengebiet, zu häufigen Staus.

Verteilung der Anlagen auf dem Pyramidenplateau

Im Zentrum stehen die drei Pyramiden des Cheops, Chephren und Mykerinos. Alle drei Pyramiden sind nach Norden ausgerichtet. Die Pyramide des Chephren steht südwestlich versetzt zur Cheopspyramide, die Mykerinospyramide wiederum südwestlich versetz zur Chephrenpyramide. An der Ostseite jeder großen Pyramide befinden sich die Überreste eines Totenopfertempels für den königlichen Totenkult. Zu diesen Totenkulttempeln führt jeweils ein Aufweg, der vom Taltempel unterhalb des Plateaus ausgeht. Von den drei Taltempeln ist nur jener des Chephren zu besichtigen. Von den beiden anderen ist kaum etwas erhalten. Am Chephren-Taltempel befinden sich auch die berühmte Sphinx und der Sphinxtempel.

An der Osteseite der Cheopspyramide stehen drei kleine Königinnenpyramiden. Ebenso an der Südseite der Mykerinospyramide. Östlich und westlich der Cheopspyramide breiten sich große Gräberfelder aus. Hier wurden die königlichen Beamten in sogenannten Mastaba-Gräbern bestattet. Dabei handelt es sich um kastenartige Grabkapellen mit oberirdischen Kultkammern und unterirdischen Grabkammern.

Da sich der Haupteingang mit dem Ticketverkauf im Norden des Plateaus befindet, beginnt man in der Regel mit der Besichtigung der großen Cheopspyramide. Welche Pyramiden und Mastaba-Gräber für Besucher geöffnet sind, hängt von aktuellen Entscheidungen der ägyptischen Altertümerverwaltung ab und ist erst vor Ort erfragbar. Meistens sind die drei großen Pyramiden und ein paar Mastabas geöffnet.

Die Pyramide des Cheops – auch Große Pyramide genannt

Sie ist das einzig erhaltene der sieben antiken Weltwunder und eines der berühmtesten und rätselhaftesten Bauwerke der Menschheit: die Cheopspyramide. Ursprünglich war sie 146 m hoch. Doch nachdem das Bauwerk im Mittelalter als Steinbruch genutzt wurde, um die Moscheen und Paläste Kairos zu bauten, sind die Spitze und die Kalksteinummantelung abgetragen. Heute ist die Pyramide 139 m hoch. Die Grundfläche betrug inklusive der alten Verkleidung 230 x 230 m. Die heutige Seitenlänge beträgt wegen des fehlenden Kalksteinmantels etwa 225 m.

Die Cheopspyramide ist in vielerlei Hinsicht ein herausragendes Bauwerk. Sie ist nicht nur die größte und höchste Pyramide des alten Ägypten. Auch hinsichtlich ihrer Exaktheit in der Ausrichtung und Anordnung der Formen überragt sie alle anderen Pyramiden.

Das Gangsystem ist komplexer als bei den anderen Pyramiden der 4. Dynastie. Der Eingang befindet sich auf der Nordseite. Der eigentliche Eingang ist verschlossen. Die Besucher betreten die Pyramide durch einen Grabräuberschacht, der jedoch nach wenigen Metern auf einen absteigenden Gang der Pyramide trifft. Folgt man diesem absteigenden Gang bis zum unteren Ende, gelangt man in eine unvollendete unterirdische Kammer unterhalb des Bodenniveaus der Pyramide. Ein anderer Gang zweigt ungefähr von der Höhe des Grabräuberschachtes vom absteigenden Gang nach oben in die Pyramidenmitte ab. Schließlich teilt sich der Gang erneut. Ein horizontaler Gang führt zu einer kleinen Grabkammer, die traditionell als Königinnenkammer bezeichnet wird. Ob hier jemals eine Königin bestattet wurde, ist allerdings fraglich. Der andere Gang führt aufsteigend in eine einzigartige, 8,5 m hohe und mehr als 2 m breite Galerie weiter nach oben in Richtung des geometrischen Pyramidenzentrums. Nach einer kleinen Zwischenkammer gelangt man am Ende in die 10,5 mal 5,25 m große und 5,85 m hohe Königskammer. Hier steht noch die Wanne des alten Granitsarkophages. Die komplexe Deckenkonstruktion der Königskammer besteht aus fünf Ebenen mit Granitsteinen, Zwischenräumen als Entlastungskammern und einer oberen Giebeldachkonstruktion, um das gigantische Gewicht der Pyramidenmasse oberhalb der Königskammer zu halten. An der nördlichen und südlichen Wand führt jeweils ein kleiner „Luftschacht“ ab, wobei es sich vermutlich um kleine Kultschächte handelt, durch welche die königliche Seele mit dem Himmel korrespondierte, denn der um 45 Grad geneigte südliche Schacht zeigte vor viereinhalbtausend Jahren direkt auf das den Ägyptern heilige Sternbild des Orion, dem Sternbild des Osiris. Der nördliche Schacht deutete auf den Polarstern. Ein südlich ausgerichteter Schacht, der von der Königinnenkammer ausgeht, zeigte damals direkt auf den Stern Sirius, dem Stern der Isis.

An der südlichen Flanke des mächtigen Bauwerks wurden zwei Bootsgruben entdeckt. In ihnen wurden Bausätze der alten königlichen Barken gefunden, mit denen der Pharao in den Himmel reisen sollte. Ein Bausatz wurde geborgen und zusammengesetzt. Die so gefertigte Barke ist in einem Bootsmuseum an der Pyramidensüdseite zu besichtigten. Es handelt sich um das älteste komplett erhaltene hölzerne Schiff der Welt.

An der Ostflanke der Pyramide befinden sich die Überreste des Opfertempels bzw. Totenkulttempels und drei kleiner Nebenpyramiden. Die nördliche der drei war für die Königsmutter Hetepheres bestimmt. In dieser Pyramide wurde ein goldener Grabschatz gefunden, der noch heute im Museum von Kairo besichtigt werden kann. Hinter den Nebenpyramiden reihen sich die Mastaba-Gräber der königlichen Beamten. Einige davon können besichtigt werden, wie beispielsweise die Gräber des Idu und Kar am Nordrand des Friedhofes, zwischen dem Gräberfeld und dem Pyramidenaufweg.

Die Pyramide des Chephren

Die Chephrenpyramide sieht scheinbar höher aus als die Cheopspyramide, weil sie auf einem höheren Punkt des Plateaus errichtet wurde. Ursprünglich war sie 144 m hoch, heute 136 m. An ihrer Spitze sind noch große Reste der alten Kalksteinverkleidung erhalten, die einst die Seiten der Pyramiden bedeckten und ihr ein glattes Aussehen gaben. Die Grundfläche beträgt etwa 215 x 215 m.

Die Pyramide hat zwei Eingänge. Beide befinden sich an der Nordseite, ein unterer auf dem Bodenniveau vor der Pyramide, der andere mehrere Meter höher gelegen an der Nordwand. Der untere Gang ist zunächst absteigend und verläuft dann horizontal. Auf halber Strecke zweigt eine etwa 10 x 3 m große Nebenkammer ab. Dann steigt der Gang wieder an und vereinigt sich mit dem oberen Korridor zu einem horizontalen Gang, der direkt in die königliche Grabkammer unterhalb der Pyramide führt. Die rund 14 x 5 m große Kammer hat eine Giebeldecke, die aus schweren Granitblöcken besteht. Im Gegensatz zur Cheopspyramide gibt es hier keine Entlastungskammern. Auch die kleinen Luftschächte fehlen.

Zwar ist die Chephrenpyramide im Innern weniger spektakulär als die Cheopspyramide. Dafür sind die Kultanlagen vor der Pyramide umso beeindruckender. Da ist zunächst der große Totenkulttempel an der Ostflanke der Pyramide. Er besteht (von Ost nach West) aus mehreren Teilen: Eingangsportikus, einer Breitraumhalle, dann Längsraumhalle, einem offenen Hof mit Pfeilerumgang, dann einer Reihe von fünf schmalen Kultkammern, dahinter Magazine und die Opferkultkammer mit Scheintür direkt an der Pyramideflanke. An der Ostseite des Tempels mündet der Pyramidenaufweg, der vom Taltempel heraufführt. Bei der Chephrenpyramide ist der Taltempel noch relativ gut erhalten. Er steht neben der Sphinx und dem Sphinxtempel.

Die Sphinx und ihr Kulttempel

Die rätselhafte Sphinx mit ihrem Löwenköper und Menschenkopf schaut vom Pyramidenplateau nach Osten über das Niltal in Richtung Sonnenaufgang. Sie stammt aus derselben Zeit wie die Pyramiden. Ob sie allerdings unter Cheops oder Chephren erbaut wurde ist unklar. Mit ihrem menschlichen Gesicht und königlichen Kopftuch stellt sie den vergöttlichten Pharao dar. Die Sphinx misst vom Hinterteil bis zur Vorderpfote rund 74 m und ist am Kopf etwa 20 m hoch. Direkt vor der Sphinx befindet sich der Shinxtempel. Dieser rund 52 x 45 m große Tempel diente dem Kult der Sphinx. Sie wurde als Harmachis, als „Horus vom Horizont“ verehrt, einer besonderen Erscheinungsform des Gottes Horus, mit dem auch der Pharao identifiziert wurde.

Die Pyramide des Mykerinos

Sie ist mit einer ursprünglichen Höhe von 66 m die kleinste der drei Königspyramiden. Die mittlere Basislänge beträgt etwa 103,5 m. Obwohl sie an der Nordseite stark beschädigt ist, sind am Fundament noch Reihen der alten Granitsteinverkleidung erhalten, die einst jeweils den unteren Teil der vier Pyramidenseiten bedeckte, während der obere Teil mit Kaltsteinplatten verkleidet war. Im Altertum leuchtete die Pyramide im Sonnenlicht unten rot und oben weiß.

Der Eingang befindet sich wie bei den anderen Pyramiden auf der Nordseite, wenige Meter oberhalb des Bodenniveaus. Zunächst begibt man sich in den absteigenden Korridor, der direkt in eine Gangkammer führt. Dann folgt ein horizontaler Gang. Dieser mündet in einen quer liegenden Vorraum. Von dort zweigt ein Durchgang in eine tiefer gelegene Nebenkammer mit Nischengliederung ab. Ein anderer Durchgang führt abwärts in die eigentliche Grabkammer des Königs. Die königliche Grabkammer misst 6,6 x 2,6 m. Sie hat eine Giebeldecke, die abgerundet wurde, so dass der Eindruck eines Tonnengewölbes entsteht.

Zu Anlage der Mykerinospyramide gehört noch der Totenkulttempel bzw. königliche Opfertempel am Fuße der Pyramidenostseite. Er ist kleiner und schlechter erhalten als jener des Chephren. Anhand der Grundmauern kann man die ursprüngliche Architektur erahnen: Vom talaufwärts kommenden Aufweg gelangt man von Osten zunächst in ein langes schmales Vestibül. Dann folgt ein breiter, rechteckiger Hof. Hinter dem Hof gelangt man in einen Portikus mit Pfeilern und einen schmalen Totenopfersaal. Ein abgewinkelter Gang, der rechts vom Portikus abzweigt, führt zu den Magazinen und zu den Räumen des Königskultes, die sich direkt an die Pyramide anlehnen.

Neues Museum in Giza

Nördlich des Pyramidenplateaus entsteht ein neues Museum. Das im Bau befindliche „Grand Egyptian Museum“ soll das überfüllte Ägyptische Museum in Kairo entlasten. Hier sollen wichtige Highlights der Kunst und Kultur des alten Ägypten ausgestellt werden. Wegen der ägyptischen Revolution von 2011 und der Gegenrevolution von 2013 ist es hinsichtlich der Zeitplanung zu Verschiebungen gekommen. Vermutlich wird es 2015 oder 2016 eröffnet werden.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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