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Geschichte Jordaniens – von den Anfängen bis zur Moderne

Jordanien besteht als souveräner Staat erst seit 1946. Davor hat es niemals ein Staatsgebilde gegeben, das in irgendeiner Weise geographisch dem heutigen Staat Jordanien in seiner Fläche entsprochen hat oder Jordanien genannt wurde. Die Geschichte Jordaniens ist verflochten mit der Geschichte Palästinas und Syriens, zum Teil auch mit der Geschichte des Zweistromlandes und Ägyptens. Daher lässt sie sich nur im Kontext der gesamten Region verstehen. Mit dieser „Region“ ist vor allem die Levante angesprochen, zu der neben Jordanien auch Syrien, Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete und der Libanon gehören.

Dieser Blick auf das Land im regionalen und überregionalen Kontext verdeutlicht, wie sehr Jordanien im Lauf der Geschichte eine Übergangs- und Durchgangsregion war, ebenso eine Art Hinterland für die levantinische Küste sowie das Tor zu den Beduinenregionen der Wüsten auf der arabischen Halbinsel. Geographisch und klimatisch am Rande der Wüstenzone gelegen, hat sich Jordaniens Landschaftsbild im Laufe der Jahrtausende mehrfach gewandelt. Je nachdem, ob sich die Wüste weiter ausbreitete oder zurückzog, nahm die Zahl der sesshaften Siedler zu oder ab – und im Verhältnis dazu die Verbreitung des Nomadismus in der Region. Daher hatten fast alle Gemeinwesen auf der Fläche des heutigen Jordanien sowohl eine bäuerliche und städtische, als auch ein nomadisch-beduinische Tradition.

Urzeit und Frühzeit

Jordanien gehört zu jenem Bereich der Levante, der in der Altsteinzeit von Jägern und Sammlern durchstreift wurde, die im Laufe vieler Jahrtausende aus Afrika nach Vorderasien wanderten. Die in der Region gefundenen Steinwerkzeuge und Faustkeile sind teilweise mehrere hunderttausend Jahre alt. Im Süden Jordaniens gibt es mehrere Fundstellen, an denen solche Steinwerkzeuge entdeckt wurden. Abgesehen von diesen Einzelfunden haben die paläolithischen Wanderer nichts hinterlassen, das uns ein genaueres Bild von ihrem Leben und ihrer Kultur erlaubt.

In der Mittelsteinzeit, ab etwa 8000 v. Chr., fingen die Jäger und Sammler der levantinischen Region an, Tiere zu domestizieren, Schafe und Ziegen zu halten. Neue Werkzeuge weisen darauf hin, dass man auch mit ersten landwirtschaftlichen Experimenten anfing. Dies war der Beginn der sogenannten Neolithischen Revolution, dem Übergang von der Nahrungssuche zur Nahrungsmittelproduktion. Eine bedeutende Siedlung aus dieser frühen Phase war Jericho auf der anderen Seite des Jordan.

Ein bedeutender Fundort aus der Frühgeschichte Jordaniens ist Ain Ghazal am Stadtrand von Amman . Von der Mitte des 8. Jahrtausends v. Chr. bis um 5000 v. Chr. siedelten hier Menschen. Die Bewohner betrieben frühe Formen des Ackerbaus. Ain Ghazal war ein Zufallsfund, der im Zuge von Straßenbauarbeiten gemacht wurde. Doch wie sich später herausstellte, handelt es sich um eine der aussagekräftigsten Fundorte aus der Epoche der Steinzeit. Es wurden nicht nur frühe Formen der Hausarchitektur freigelegt, sondern auch Objekte des Kultes und der Religion gefunden. Dazu gehören eigentümliche lebensgroße menschliche Skulpturen und Statuen. Die Siedlungsphasen des Fundortes dokumentieren den Übergang von der vorkeramischen Phase bis hin zur Keramikproduktion der Jungsteinzeit. Damit beweist Ain Ghazal, wie sehr Jordanien in die Gesamtentwicklungen der Levante und des fruchtbaren Halbmondes eingebunden war, die die Grundlage für die späteren ersten Zivilisationen legten.

Ein anderer bedeutender Fundort der jordanischen Frühgeschichte ist Al Beidha, das wegen der örtlichen Nähe zum UNESCO-Kulturerbe Petra gezählt wird. In Al Beidha wurden neben antiken Funden auch eine mittelsteinzeitliche Siedlung aus dem 11. Jahrtausend v. Chr. und eine jungsteinzeitliche Siedlung aus dem 8. und 7. Jahrtausend v. Chr. ausgegraben. Auch diese beiden Fundstellen geben Aufschluss über den Prozess der Sesshaftwerdung des Menschen sowie über frühe Bauweisen und Gesellschaftsformen im Vorderen Orient.

Ein weiterer Ort, der in diesem Zusammenhang erwähnt werden soll, ist Jawa in der östlichen jordanischen Wüste. Hierbei handelt es sich um die Hinterlassenschaften einer Art Steinzeitstadt aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Dies war die Epoche der sogenannte Kupfersteinzeit, Chalkolithikum genannt. Die Bewohner lebten von der Wüstenjagd, vom Handel, aber vor allem von der Oasenlandwirtschaft. Mit einem Damm stauten sie in der Regenzeit das Wasser des örtlichen Wadis auf, um auch in der sommerlichen Trockenzeit mit dem aufgestauten Wasser die Felder bewässern zu können. Gegen 3000 v. Chr. war die Stadt aufgegeben worden.

Bronzezeit und biblisch-alttestamentliche Zeit

In der Bronzezeit, ab dem 3. Jahrtausend v. Chr., stand Transjordanien im Schatten der frühen Zivilisationen Palästinas und Mesopotamiens. Während in Kanaan zahlreiche Städte errichtet wurden, blieb die Region jenseits des Jordan weitgehend von Nomaden bewohnt. Dies spiegelt sich nicht nur im archäologischen Befund wider, sondern auch in den Textquellen der Bronzezeit. So erwähnen die altägyptischen Texte des sogenannten Mittleren Reiches (einer Epoche der Pharaonenzeit in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr.) deutlich mehr Orte westlich des Jordan als östlich davon. Die altägyptischen rituellen Ächtungstexte erwähnen in Transjordanien unter anderen Orte wie Ashtorath westlich des Sees Genezareth, Pehel am Jordan, Beth-Haram nordöstlich des Toten Meeres und weiter im Osten die Siedlungen Kenath und Bezer. Doch dies sind nur wenige Siedlungen im Vergleich zu den zahlreichen palästinischen Orten westlich des Jordan, die in diesen Texten erwähnt werden.

In der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. stand die Region des heutigen Jordanien unter dem Einfluss der sogenannten Hyksos, einer semitischen Bevölkerung und Kultur, die vom Norden Ägyptens über Palästina bis nach Syrien verbreitet war.

Nach dem Zusammenbruch der Hyksos-Kultur waren erneut die Pharaonen die Hegemonialherren des Nahen Ostens. Ägyptische Könige wie Thutmosis III. (um 1500 v. Chr.) eroberten große Teile Palästinas. In ihren Tempeln ließen sie Listen mit den Namen der eroberten Städte an den Wänden als Inschriften anbringen. Auch hier werden nur wenige Städte östlich des Jordan genannt (z.B. Ashteroth, Raphon, Tob, Kenath, Bezer, Pehel).

Nach der alttestamentlichen Überlieferung kamen die Vorfahren der Hebräer auf ihrem Weg durch die Wüste in die Region des heutigen Jordanien, bis sie schließlich an den Berg Nebo kamen, welcher ihnen den ersten Fernblick auf das gelobte Land geboten haben soll. Tatsächlich war das historische Jordanien immer wieder das Land, in dem die Beduinen und Nomaden der arabischen Wüsten sich niederließen und schließlich weiter nach Westen zogen. Die Übergangslandschaft am Rande der Wüstengebiete war wie gemacht für den langsamen Wechsel vom pastoralen Nomadismus zum sesshaften bäuerlichen Leben.

In der Spätbronzezeit und Eisenzeit, dem eigentliche Beginn der alttestamentlichen Zeit des Heiligen Landes, gab es auf dem Gebiet des heutigen Jordanien bedeutende Stammesgebiete semitischer Volksgruppen, die den Regionen ihre Namen gaben. Diese waren Edom, Moab und Ammon (von dem der Name der Hauptstadt Amman stammt, die damals Rabbath Ammon genannt wurde). Über die Geschichte dieser Stämme und Völker weiß man hauptsächlich aus biblischen Quellen, welche von den Konflikten und Beziehungen dieser Völker mit den Hebräern bzw. den Staaten Israel und Juda berichten.

Manche Ereignisse konnten durch historische nicht-biblische Quellen belegt werden. So wurde bei dem jordanischen Ort Dhiban, östlich des Toten Meeres, eine Stele entdeckt, die mit einer langen moabitischen Inschrift versehen ist. Der Stein steht heute im Pariser Louvre. Die Stele berichtet vom Befreiungskampf der Moabiter gegen das Königreich Israel. König Mescha, nach dem die Stele als Mescha-Stele benannt ist, erzählt, dass sich der moabitische Gott Kemasch von seinem Volke abgewandt hatte und es unter dem israelischen Joch des Königs Omri leiden ließ. Doch dann habe sich der Gott wieder seinem Volke zugewandt. Die Moabiter konnten die Israeliten vertreiben. König Mescha zog gegen den von Israel besetzten Ort Nebo, eroberte ihn, nahm siebentausend Gefangene und verschleppte aus dem dortigen Heiligtum das Kultgerät des Jahwe und weihte es dem Kemasch.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden die Gebiete Jordaniens und Palästinas von den Assyrern erobert. Die Assyrer beherrschten zu jener Zeit große Teile des Vorderen Orients, von Mesopotamien und Ostanatolien über Syrien und Palästina bis nach Ägypten. Im 6. Jahrhundert v. Chr. dominierten die Babylonier den Nahen Osten. Als sie 587 v. Chr. Jerusalem eroberten, nahmen sie auch den größten Teil Jordaniens ein. Doch die babylonische Herrschaft über Palästina und Transjordanien dauerte weniger als ein Jahrhundert. Schließlich wurde die komplette palästinisch-transjordanisch-syrische Region Teil des persischen Weltreiches, das bis zur Eroberung durch Alexander dem Großen bestand hatte.

Epoche des Hellenismus

Die hellenistische Zeit auf dem Gebiet des heutigen Jordanien und in der Levante begann mit der Eroberung der Region durch den griechisch-makedonischen Herrscher Alexander dem Großen im Jahre 332 v. Chr. Mit ihm kam die griechische Kultur ins Land. Die altorientalische und griechische Kultur verschmolzen und schufen auf diese Weise eine kulturelle und wirtschaftliche Blütezeit. Das Ende der Epoche des Hellenismus kam mit der Eroberung der Region durch die Römer in den 60er Jahren v. Chr., insbesondere im Jahre 63 v. Chr., als Pompejus mit seinen Legionen nach Palästina zog. Mit den Römern wurde zwar die Verschmelzung der antiken okzidentalen mit der altorientalischen Kultur verstärkt. Doch die politischen Impulse gingen verstärkt von Rom aus, nicht mehr vom Vorderen Orient.

Kontakte zu Griechenland gab es natürlich schon vorher. Bereits in der Bronzezeit trieben die levantinischen Küstenstädte Handel mit den Minoern und Mykenern der Ägäis. Auch später mit dem klassischen Griechenland der Perserkriege hatte man Kontakt. Immerhin stellten die Phönizier große Teile der persischen Flotte. Jordanien war sozusagen das Hinterland der levantinischen Handelsstädte.

Als Alexander der Große mit seiner Eroberung des Perserreiches, welches damals vom Indus im Osten bis zu Libyschen Wüste im Weste reichte, zur Besetzung der Levante anrückte, hatte er bereits große Siege über die persische Armee errungen. Besondere die Schlachten am Granikos im Jahre 334 v. Chr. und bei Issos im Jahre 333 v. Chr. hatten dem persischen Heer schwere Verluste zugefügt. Insofern konnte Alexander mit relativer Leichtigkeit weiter die levantinische Küste entlangmarschieren. Die größten Probleme bereiteten ihm die phönizischen Handelsstädte, die sich tapfer wehrten, insbesondere Tyros, das sieben Monate lang belagert werden musste, bevor es eingenommen wurde. Anschließen zog das Heer Alexanders des Großen weiter durch Palästina nach Ägypten.

Das Gebiet des heutigen Jordanien ließ er links liegen. Es war im Schatten der Küstenregion kaltgestellt und stellt keine Bedrohung dar. Jedenfalls hatte Alexander niemals den Jordan überschritten und jenseits des Wadi Araba, des Toten Meeres, des Jordans oder des Sees Genezareth militärisch die Region unter seine Herrschaft gebracht. Stattdessen zog er nach der Eroberung Ägyptens wieder durch Palästina zurück nach Syrien, um von dort aus in Richtung Osten nach Mesopotamien, dem alten Zweistromland, vorzustoßen, wo gegen die Perser seine nächste Schlacht anstand: die Schlacht von Gaugamela im Jahre 331 v. Chr. Dann zog er nach Babylon und anschließend ins persische Herzland, das heißt in die Gebirge und Hochebenen des Iran.

Das levantinische Hinterland östlich des Jordan war somit einerseits von den Persern befreit worden, ohne direkt mit Alexanders Truppen in Berührung gekommen zu sein. Anderseits war ein Machvakuum entstanden, denn die Region schien die Griechen und Makedonier nicht groß zu interessieren. In dieses Machtvakuum stießen die örtlichen Beduinenvölker vor, die nun in ihrer Gestaltung der örtlichen Verhältnisse mehr Freiraum hatten.

Nach dem Tode Alexanders des Großen im Jahre 323 v. Chr. in Babylon zerfiel sein Reich. Die Generäle Alexanders des Großen stritten um die Aufteilung der Nachfolge. Man spricht von den Diadochenkriegen. Anatolien, Syrien und Palästina fiel zunächst dem Reich des Antigonos zu, dass jedoch im 3. Diadochen-Krieg (315 bis 301 v. Chr.) aufgerieben wurde. Während dieser Zeit rückte man gegen die im Süden Jordaniens lebenden Nabatäer vor. Gleich zu Beginn der Diadochenkriege gab es einen Feldzug des Antigonos gegen die Nabatäer im Jahre 312 v. Chr. Dieser Feldzug scheiterte. Die Griechen und Makedonen hatten das Beduinenvolk der Nabatäer unterschätzt und hatten große Verluste unter ihren Truppen zu beklagen. Auch ein zweiter Feldzug, den sein Sohn Demetrios anführte, brachte nicht die erwünschte Unterwerfung der Nabatäer. Also beließ man es bei einem Abkommen mit den Nabatäern, bei dem man offiziell Tributgaben empfing und es ansonsten bei der Unabhängigkeit der dortigen Stämme beließ. In den folgenden zwei Jahrhunderten waren die Nabatäer nur Zuschauer am Rande der Kämpfe zwischen den hellenistischen Großmächten.

Schließlich waren aus den Nachfolgekämpfen im Vorderen Orient zwei mächtige hellenistische Staaten hervorgegangen. Das eine Reich war das Ptolemäer-Reich, das Ägypten, Libyen und Palästina umfasste und dessen Herrschaftsdynastie auf den makedonischen General Ptolemäus (Ptolemaios) zurückging. Das andere Reich war das Seleukiden-Reich, das Syrien, Mesopotamien und Teile Persiens umfasste und dessen Herrscherdynastie auf den makedonischen General Seleukos zurückging. Die wichtigste Stadt des Ptolemäer-Reiches war das von Alexander gegründete Alexandria an der ägyptischen Mittelmeerküste. Die Stadt wurde zum größten Hafen des Mittelmeerraums. Die bedeutendsten Zentren des Seleukidenreiches waren das nach Antiochos benannte Antiochia (heute Antakya) an der Mittelmeerküste und das nach Seleukos genannte Seleukia in der Nähe von Babylon im Zweistromland.

Palästina und dessen jordanisches Hinterland wurden zum Streitfall beider Reiche. Anfangs ergriffen die Ptolemäer von Ägypten aus die Initiative. Schon seit 320 v. Chr. hatte man nach Palästina gegriffen und die Truppen entlang der palästinischen Küste bis nach Phönizien (heutiger Libanon) marschieren lassen. Die Kämpfe um diese Region entflammten immer wieder aufs Neue. Was die Region des heutigen Jordanien anging, so waren vor allem die Städte östlich des Jordan betroffen. Die Nabatäer im Süden blieben von diesen Auseinandersetzungen weiterhin verschont.

Der sogenannte „Dritte Syrische Krieg“, der von 246 bis 240 v. Chr. dauerte, war verheerend. Ptolemäus III. griff das Seleukidenreich sowohl zu Wasser mit einer großen Flotte als auch zu Land mit einem mächtigen Heer an. Die griechisch-ägyptischen Truppen kamen im Norden bis nach Antiochia. Wenige Jahre später gingen die Seleukiden unter Antiochos III. in die Offensive. Nach mehreren Kriegen, zuletzt in den Jahren 201 bis 198 v. Chr., konnten die Seleukiden Palästina erobern und ihrem Herrschaftsbereich angliedern. Damit waren Palästina und sein transjordanischen Hinterland für die meiste Zeit des zweiten Jahrhunderts vor Christus in seleukidischer Hand.

Kulturell, politisch und wirtschaftlich entwickelte sich Jordanien in dieser hellenistischen Epoche im Norden und Süden unterschiedlich. Im Norden entstand mit der zunächst ptolemäisch, dann meist seleukidisch kontrollierten Dekapolis („Zehn-Städte-Bund“) ein Netzwerk von wichtigen hellenistisch-arabischen Handelsstädten, die beim Binnenhandel zwischen Mesopotamien und Persien mit der levantinischen Küstenstädten als Handelsumschlagplatz fungierten. Zu diesen Städten gehörten von Süden nach Norden: Philadelphia (das alte Ammon und heutige Amman), Gerasa (das heutige Jerash), Skythopolis (das heutige Beth Shean), Dion (bis heute nicht lokal identifiziert), Capitolias (heute Beith Ras), Gadara (heute Umm Qeis), Abila (das heutige Queilbeh) und Hippos (Qalaat el-Husn am See Genezareth) sowie Kanatha (Qanawat) im Süden von Damaskus.

Im Süden konnten sich dagegen ungestört die Nabatäer ausbreiten und eine eigene Mischung aus Beduinenkultur, Karawanenhandel und Oasenfeldbau entwickeln. Es war der Beginn der Blütezeit des Reiches der Nabatäer.

Das Reich der Nabatäer

Die ursprünglich beduinischen Stämme der arabischen Nabatäer kamen in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. in die Region des heutige Jordanien. Woher sie kamen, ist unklar. Es wird vermutet, dass sie aus dem Nordosten Arabiens kamen, als dort im 6. Jahrhundert v. Chr. verschiedene Stämme von den Babyloniern verdrängt worden waren. Mit der Zeit rückten die Nabatäer immer tiefer in das Gebiet der Edomiter vor. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. kontrollierten sie das gesamte Gebiet südlich der Dekapolis und östlich des Toten Meeres bis hinunter zum Roten Meer. Anfangs hatten sie oft räuberisch die Oasen und Städte am Rande der Wüste geplagt. Doch mit der Zeit wurden sie in den Handel immer stärker verstrickt, bis sie selbst den Handel kontrollierten und für Stabilität in der Region sorgten. Dies geschah zunächst durch Einigung der nabatäischen Stämme und Clans in Form eines einheitlichen Königreiches.

Die königliche Dynastie wurde von König Aretas I. begründet, der in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. regierte. Dann folgte Aretas II. dessen Regierungsbeginn nicht genau belegt ist, aber wahrscheinlich bis 96 v. Chr. regierte. Die folgenden nabatäischen Könige waren Obodas I. (96 bis 87 v. Chr.), Rabel (87 v. Chr.) Aretas III. Philhellen (87 bis 62 v. Chr.), Obodas II. (62 bis 60 v. Chr.), Malichus I. (60 bis 30 v. Chr.), Obodas III. (30 bis 9 v. Chr.) Aretas IV. Philopatris (9 v. Chr. bis 40 n. Chr., Zeitgenosse Jesu), Malichus II. (40 bis 70 n. Chr.) und Rabel II. Soter (70 bis 106 n. Chr.).

Die größte Ausdehnung erreichte das Reich der Nabatäer um die Zeitenwende. Damals waren das gesamte Gebiet des heutigen Jordanien, die Region um Damaskus, der südliche Teil der Sinaihalbinsel und der Nordwesten Saudi-Arabiens unter der Herrschaft des Nabatäer-Königs. Die Römer, die inzwischen Syrien und Palästina (63 v. Chr.) erobert hatten, ließen die Nabatäer gewähren. Aretas III. war von den Römern noch als souveräner Herrscher offiziell anerkannt worden. Doch die politischen Verhältnisse änderten sich schnell. Schließlich endete die Dynastie der Nabatäer-Könige mit der Eroberung Nabatäas durch die Römer.

Jordanien unter den Römern

Während Palästina und Syrien bereits im ersten Jahrhundert v. Chr. Teil des Römischen Reiches wurden und die transjordanische Dekapolis sich ebenfalls 63 in den Schutz des Römischen Reiches stellte, wurde Nabatäa erst 106 n. Chr. unter Kaiser Trajan zur römischen Provinz erklärt und in Arabia umbenannt.

Die Städte der Dekapolis hatten unter den Römern einen halbautonomen Status. Einerseits waren sie relativ unabhängig in ihrem wirtschaftlichen Treiben, andererseits waren sie dem Schutz der römischen Provinz Syria zugeteilt. Ihre Aufgabe war es, den Handel zwischen dem Orient und der römischen Levante abzuwickeln. Diese Aufgabe ermöglichte es den Städten, großen Wohlstand zu erlangen, der sich in ihren prächtigen Bauten, in ihren Theatern, Foren, Thermen, Tempeln und Stadttoren widerspiegelte.

In den nächsten Jahrhunderten blieben die Ostprovinzen des Römischen Reiches permanenter militärischer Bedrohung ausgesetzt, die vor allem aus dem Raum von Mesopotamien und Persien kam. Es waren zunächst die Parther, später die Sassaniden, gegen die sich die römischen Legionen zur Wehr setzen mussten. Doch die Hauptfrontgebiete lagen in Syrien, Ostanatolien und im nördlichen Mesopotamien. Hier kam es immer wieder zu großen militärischen Zusammenstößen. Einmal wurde sogar ein römischer Kaiser von den Persern gefangen genommen. Es war Valerian, dem im Jahre 260 n. Chr. dieses Schicksal ereilte.

Die südöstliche Grenzregion des Römischen Reiches, die Provinz Arabia, die geographisch sich mit dem heutigen Jordanien und dem Sinai deckt, war relativ sicher. Das lag daran, dass zwischen den Großmächten des Ostens und dem Römischen Reich an dieser Stelle viel Wüste lag. Zwar gab es in diesem Zwischengebiet Beduinenstämme, Karawanenrouten und Oasen, doch war hier nicht die Gefahr einer direkten Invasion gegeben. Persische Heere kamen immer über Syrien und zogen erst dann in Richtung Süden nach Palästina und Transjordanien. Allerdings gab es arabische Stämme, die mit den Persern verbündet waren.

Nach der Krise durch die Niederlagen gegen die Perser und der Gefangennahme des Kaisers Valerian kam es zu Abspaltungen von Teilen des Römischen Reiches durch Usurpatoren. Dies geschah in Gallien und in der gesamten Levante und betraf somit auch die Region des heutigen Jordanien. Der Hintergrund war folgender: Die syrische Handelsstadt Palmyra, die erst römisch verwaltet war, hatte sich den Persern widersetzt und militärisch verteidigt. Der Herrscher von Palmyra, Septimus Odaenathus konnte zudem einen römischen Usurpator in Syrien besiegen. Daraufhin wurde Odaenathus mit seinem Reich von Palmyra zu einer Art Sonderbevollmächtigten des syrischen Teils des Römischen Reiches ernannt. Nach seinem Tode übernahm seine Gemahlin Zenobia diese Herrschaft. Sie strebte nach mehr Unabhängigkeit von Rom und ließ von ihren Truppen die römische Provinz Ägypten besetzen. In dieser Zeit war auch die Region des heutigen Jordanien Teil des Reiches von Palmyra. Schließlich gab Zenobia sich den Titel einer Kaiserin. Es war der römische Kaiser Aurelian, der im Jahre 272 n. Chr. dem Spuk ein Ende bereitete und die römische Ordnung im gesamten östlichen Mittelmeerraum wiederherstellte.

Jordanien in Byzantinischer Zeit

Im dritten Jahrhundert war die Christianisierung des Römischen Reiches weit fortgeschritten. Unter dem Kaiser Konstantin dem Großen, der nach der Zeit der Tetrarchie wieder als Alleinherrscher regierte (von 324 bis 337 n. Chr.) wurde die Hauptstadt des Römischen Reiches von Rom nach Byzanz verlagert. Byzanz wurde zu Ehren des neuen Kaisers in Konstantinopel („Konstantinopolis“, „Stadt des Konstantin“, verkürzt später im Türkischen zu „Istanbul“) umbenannt.

Im Jahre 395 n. Chr. wurde das Römische Reich geteilt. Das Weströmische Reich wurde von Rom aus regiert, das Oströmische Reich von Konstantinopel alias Byzanz. Nach der Hauptstadt wird das Oströmische Reich in der Geschichtsschreibung auch Byzantinisches Reich genannt.

Im vierten Jahrhundert war die Mehrheit der Bewohner Palästinas und Transjordaniens bereits christlich geworden. Die antiken Tempel wurden aufgegeben oder in christliche Kirchen umgebaut. In fast allen größeren Orten und Städten wurden Basiliken errichtet. Die klassische Antike war von der christlichen Spätantike abgelöst worden.

Ihre Rolle als wichtige Handelsknotenpunkte entlang der Karawanenrouten behielten die transjordanischen Städte bei. Im Norden und Westen der Region blieb die Landwirtschaft verbreitet. Die Bevölkerungsdichte von Transjordanien war in der Spätantike höher als später im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.

Doch die Regionen Palästina, Syrien und Transjordanien blieben Grenzgebiet zu den Persern und somit in der außenpolitischen Gefahrenzone. Unter dem orientalischen Herrscher Chosrau II. überschritten die Heere der Perser im Jahre 611 den Euphrat und griffen direkt byzantinisches Territorium an. Ein Gegenangriff des oströmischen Kaisers Herakleios scheiterte. Die Perser marschierten weiter nach Syrien, das sie 613 einnahmen. Dann ging es weiter durch Palästina nach Ägypten. In Jerusalem wurde 614 das Heilige Kreuz Jesu geraubt und in die persische Hauptstadt Ktesiphon in Mesopotamien gebracht. Im Jahre 626 konnten die Perser erstmals bis Konstantinopel vordringen und die Hauptstadt des Oströmischen Reiches belagern. Doch Konstantinopel hielt stand.

In diesen Jahren vielen auch die transjordanischen Städte in die Hände der Perser. Es schien sich ein großer und langfristiger Wandel in der Herrschaft über die Levante anzudeuten. Doch die persischen Eroberungen im östlichen Mittelmeerraum blieben nur eine Anekdote der Weltgeschichte. Innere Unruhen und Machtkämpfe schwächten plötzlich das Perserreich. Die Byzantiner gingen in die Gegenoffensive. Um 629/630 waren die Perser zu einem Friedensvertrag gezwungen, der alle von Chosrau II. eroberten Gebiete wieder an Byzanz zurückgab. Die eigentliche langfristige und weltgeschichtliche Veränderung sollte nur wenige Jahre später erfolgen. Denn während sich das christliche Byzanz und das zarathustrische Persien in gegenseitigen Kriegen schwächten, wuchs im Süden die Macht der muslimischen Araber, die bald die Weltkarte verändern sollten.

Arabisch-islamisches Mittelalter

Eine bedeutende Wende für die Geschichte Jordaniens kam mit dem Islam. Bis dahin war die Region Palästinas, Syriens und Transjordaniens über mehr als dreihundert Jahre lang eine überwiegend christlich-spätantike Zivilisation gewesen.

Mohammed, um 570 geboren, begründete die neue religiöse Bewegung, die zu einer Weltreligion werden sollte. Anfangs hatte er nur eine kleine Schar von Anhängern um sich. 630 kehrte Mohammed nach seinem Exil in Medina in seinen Heimatort Mekka zurück und vertrieb alle nichtislamischen Kulte und Religionen. Im Jahre 632 starb er dort. Von Mekka aus begannen seine Anhänger, die arabische Halbinsel zu erobern. Bereits sein unmittelbarer Nachfolger, der Kalif Abu Bakr, hatte große Teile der Halbinsel erobert und drang mit seinen Heeren erstmals bis an die Grenzen Syriens und Persiens vor. Zwei Jahre später war Omar der neue Kalif. Unter ihm konnten im Jahre 634 Teile des Ostjordanlandes eingenommen werden. 635 fielen Amman und Damaskus in die Hände der Muslime. Im Jahre 638 wurde nach langer Belagerung Jerusalem eingenommen. 642 wurde Ägypten erobert.

Damit war Jordanien mit einem Schlage Teil der islamischen Welt geworden. Die Bevölkerung blieb zunächst mehrheitlich christlich. Insbesondere in den Städten wurden die Christen geduldet. In den Ebenen an den Rändern der Wüste machten sich jedoch zunehmend muslimische Beduinen aus Innerarabien breit.

Die nach Omar benannte Kalifen-Dynastie der Omayyaden (Omaijaden) regierte von Damaskus aus. Das Kalifenreich dehnte sich durch endlose Feldzüge immer weiter aus. Auf dem Höhepunkt, zum Ende des 8. Jahrhunderts, reichte es von Spanien bis zum Indus. Im Norden kam es immer wieder zu militärischen Zusammenstößen mit den Truppen von Byzanz, das mit aller Kraft den christlichen Orient zu halten suchte.

Gegen 750 wechselte das Zentrum der Macht von Damaskus nach Bagdad. Die Abbasiden waren die neue Herrscherdynastie. Doch Syrien und Damaskus blieben ein bedeutsamer Teil des Reiches. Die wichtigsten Karawanenrouten von Bagdad und Damaskus nach Mekka und Medina führten durch das Gebiet des heutigen Jordanien. So blieb die Region weiterhin bedeutsam. Die abbasidischen Kalifen hatten östlich von Amman zahlreiche Wüstenschlösser errichten lassen, von denen einige noch heute als imposante Ruinen zu bewundern sind.

Ab dem 10. Jahrhundert begann das Abbasidenreich in Teilreiche zu zerfallen. Zu groß war das Herrschaftsterritorium geworden, als dass es von einem Zentrum aus regiert werden konnte. Palästina und Transjordanien wurden zeitweise Teile des Tuluniden-Reiches, das sein Zentrum in Ägypten hatte, und später des Fatimiden-Reiches, das ebenfalls von Ägypten aus große Teile Nordafrikas und der Levante kontrollierte. Das Gebiet des heutigen Jordanien war dabei niemals ein eigenständiger Teil, sondern immer Hinterland Syriens und Palästinas und der jeweils dortigen Machthaber.

Die große Wende für Palästina und Transjordanien kam mit den Kreuzzügen. Die Nachricht vom Fatimiden-Kalifen El-Hakim machte in Europa die Runde. Dieser hatte in Jerusalem die Grabeskirche Jesu plündern und zerstören lassen. Dann drangen die turkstämmigen Seldschuken in den Nahen Osten vor und bedrängten die dortigen Christen. Sie konnten Bagdad erobern und später auch Damaskus und Jerusalem. In Anatolien zwangen sie die Byzantiner zum Rückzug. In Europa waren die Kirche und der Adel entsetzt.

Im Jahre 1095 rief schließlich Papst Urban II. zum Kreuzzug ins Heilige Land auf. Es solle von den Heiden befreit werden. Ein Jahr später brachen zahlreiche europäische Fürsten mit ihren Rittern nach Palästina auf. Unter ihnen waren Robert von der Normandie, Gottfried von Boullion, Balduin von Flandern, Raimund von Toulouse und viele andere bedeutende Fürsten der damaligen Zeit, hauptsächlich aus Frankreich und Flandern.

Der Erste Kreuzzug führte im Jahre 1099 zur Eroberung Jerusalems. Unter Gottfried von Boullion wurde das Königreich Jerusalem gegründet. Weitere Kreuzfahrerstaaten entstanden im Libanon und an der syrischen Küste. Es hatte ein neues christliches Zeitalter begonnen. Die Erinnerung an die byzantinische Epoche wurde wieder lebendig. Kloster wurden erneuert, Kirchen wieder aufgebaut. Das Königreich Jerusalem dehnte sich bald bis nach Transjordanien aus. Im Süden kamen die Kreuzfahrer bis ans Rote Meer. Nachfolger des Gottfried von Bouillon wurde dessen Bruder Balduin. Dieser vergab seinem Mundschenk Pagan die transjordanischen Gebiete als Lehen. Pagan ließ dort zahlreiche Kreuzritterburgen errichtet, darunter die größte Kreuzfahrerburg auf dem Gebiet des heutigen Jordanien: Kerak.

Doch das Königreich Jerusalem währte weniger als hundert Jahre. Bereits im Jahre 1187 wurde Jerusalem von Sultan Saladin eingenommen. Auch wenn es in den nächsten weiteren hundert Jahren immer wieder Kreuzzüge und Versuche gab, das Heilige Land zurückzuzugewinnen, so blieb der größte Teil Palästinas und Transjordaniens in islamischer Hand. 1291 wurde die palästinische Hafenstadt Akko als letzte Kreuzfahrerbastion im Heiligen Land von den Arabern eingenommen. Damit war die Zeit der Kreuzfahrer vorbei. Die zahlreichen Burgen und Festungen wurden jedoch von den Arabern weitergenutzt, Kirchen in Moscheen umgewandelt. Das Christentum war wieder auf dem Rückzug.
Jordanien blieb im späten Mittelalter unter der Herrschaft der in Ägypten residierenden Mameluken. Bedrohungen der jordanischen Städte gab es keine, abgesehen von Überfällen der Beduinen aus der Wüste. Dennoch war die Bevölkerungszahl in vielen Gebieten rückläufig. Für Angst sorgten im 13. Jahrhundert die Mongolen, die in Bagdad wüteten und anschließend bis nach Damaskus vordrangen. Für kurze Zeit kamen sie bis nach Jordanien, eroberten dort unter anderem die Festung von Ajloun . Mongolische Boten ritten weiter bis nach Kairo und forderten die Unterwerfung Ägyptens. Doch die ägyptischen Mameluken ließen die Boten hinrichten und schickten ein Heer. Um 1160 konnten sie bei Ain Dschalut, südwestlich des Sees Genezareth, die Mongolen zurückschlagen.

Der nächste große Wandel kam mit den Osmanen. Die türkische Dynastie von Osman I., der von 1281 bis 1326 ein kleines Reich in Anatolien beherrschte und im permanenten Kampf gegen Byzanz stand, konnte in wenigen Jahrhunderten ein riesiges Reich erobern. Im Jahre 1453 eroberten die türkischen Osmanen Istanbul, das sie fortan zu ihrer Hauptstadt machten. Von dort drangen bis nach Europa vor, eroberten den Balkan und standen 1529 vor Wien. Im Süden eroberten sie 1516 Syrien und 1517 Ägypten. Auch Palästina und Transjordanien wurden osmanisch. Und sie blieben es bis zum Ersten Weltkrieg. Abgesehen von Unabhängigkeitsbestrebungen ägyptischer Paschas, die zum Teil auch die Levante kontrollierten, blieb die Osmanische Herrschaft unangetastet.

Zwar waren Palästina, Südsyrien und Transjordanien während der meisten Zeit des Osmanischen Reiches befriedet. Doch konnten die Städte der Region nicht an ihre antiken und mittelalterlichen Blütezeiten anknüpfen. Besonders in Palästina, Ägypten und vor allem in Südsyrien und Transjordanien schrumpfte die Bevölkerung. Landwirtschaftliche Gebiete wurden aufgegeben. Wüsten breiteten sich aus. Ackerland wurde wieder zum Land der Beduinen. Die Bewohner der Städte lebten im Schatten der großen Ruinen. Diese Beobachtung mag nicht für alle Städte und Regionen zutreffen, aber für den Großteil der kompletten Levante.

Für diesen Niedergang gab es mehrere Gründe. Zum einen wurden von vielen osmanischen Stadthaltern die Provinzen ausgebeutet. Die nach Istanbul an die Hohe Pforte abgeführten Steuern und Abgaben kamen nicht den Provinzen zugute. Ein weiterer Grund war eine leichte Klima veränderung, die das ohnehin aride Klima noch trockener werden ließ. Schließlich fiel auch der einst so bedeutende Karawanenhandel in sich zusammen. Die großen Handelswege von China und Indien ans Mittelmeer und von dort nach Europa hatten an Bedeutung verloren. Dies lag daran, dass die Europäer den Seeweg nach Asien entdeckt hatten. Zudem war die Entdeckung des amerikanischen Doppelkontinents für einen Wandel der europäischen Handelsinteressen mitverantwortlich. Das ganze Osmanische Reich schrumpfte vom Zentrum des Karawanenhandels zu einem Staat an der Peripherie. Die Region Transjordaniens war von dieser Entwicklung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Jordanien war das Land der Wüsten und Ruinen geworden. Die Beduinen hatten wieder das Sagen. Leidglich der Bau der Hedschas-Bahn Anfang des 20. Jahrhunderts, einer Eisenbahnlinie von Damaskus über Amman nach Medina für die Pilger und osmanischen Truppen, brachte einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung nach Jordanien.

Britisches Mandat und der moderne Staat Jordanien

Die Region des heutigen Jordanien hatte im Laufe der Jahrhunderte unter der Osmanischen Herrschaft an Bedeutung und an Einwohnerzahl massiv eingebüßt gehabt. Doch mit der Staatsgründung Jordaniens sollte sich alles ändern.

Das Osmanische Reich war bereits geschwächt. Man sprach vom kranken Mann am Bosporus. Die Briten hatten bereits Ägypten unter Kontrolle gebracht. Italien hatte Libyen besetzt und zur Quasikolonie erklärt. Doch die Levante, das Zweistromland und große Teile der arabischen Halbinsel waren noch immer unter der Oberherrschaft des Osmanischen Reiches, als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Das Osmanische Reich war mit dem Deutschen Reich verbündet. Die Gegner des Osmanischen Reiches waren Großbritannien und Frankreich sowie das Russische Reich.

Jordanien wurde ebenso wie Palästina zum Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges. Die Briten planten die Invasion Palästinas, um den Türken die Kontrolle der Levante zu nehmen. Hierzu mussten jedoch zunächst Informationen über die Region gesammelt werden. Der britische Diplomat Sykes Picot richtete dafür in Kairo eine Spezialabteilung der britischen Sicherheitsdienste ein, das sogenannte „Arab Bureau“. Hier arbeiteten Militärs, die vor dem Krieg als Zivilisten den Nahen Osten bereist und erkundet hatten: Orientalisten, Archäologen, Geographen und viele mehr. Sie sammelten Nachrichten und Informationen, die sie über die Entwicklungen auf der Arabischen Halbinsel zusammentragen konnten. Ziel war es, die Möglichkeiten auszuloten, Verbündete unter den arabischen Stämmen und Völkern zu gewinnen, die man für einen Feldzug gegen die Türken in der Levante instrumentalisieren konnte.

Einer der Nahost-Experten im „Arab Bureau“ war der britische Archäologe Thomas Edward Lawrence. Er wurde schließlich in den Hedschas, in den Westen Arabiens entsandt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. T.E. Lawrence traf im Hedschas auf den Scherifen Hussein von Mekka und Medina und dessen Sohn, Prinz Feisal. Als Feisal mit einer Truppe arabischer Beduinenkämpfer nach Norden zog, um die dortige Lage zu erkunden, schloss Lawrence sich als Beobachte und Berater an. Gemeinsam zogen sie durch die Wüste Nefud und kamen in die Region des heutigen Jordanien. Dort trafen sie im Wadi Rum auf den Beduinenstamm der Howeitat. Gemeinsam mit dem Scheich der Howeitat eroberten sie im Jahre 1915 Akaba . Als Lawrence diese Nachricht dem britischen Militärstab in Kairo und dem „Arab Bureau“ mitteilte, witterte man die rechte Zeit, um gegen die Türken nun in Form eines Felszuges nach Palästina vorzugehen. Über viele Monate verlief der arabisch-britische Vormarsch an der Palästina-Arabien-Front in zwei verschiedenen Formen. Aus Ägypten zogen die britischen Truppen unter General Allenby nach Palästina, dortselbst nach Jerusalem und anschließend weiter in die Jesreel-Ebene. Das Ziel war Damaskus. Gleitzeitig verwickelten die arabischen Beduinen die Türken in guerillaartige Gefechte in der jordanischen Wüste. Mit Sprengstoffanschlägen auf die türkische Hedschas-Bahn, die Damaskus mit Medina verband, wurde der Nachschub für die türkischen Truppen auf der arabischen Halbinsel unterbrochen. Das transjordanische Hinterland wurde schließlich zum Gefechtsgebiet zwischen den Arabern und Türken. Briten und Araber trafen sich schließlich in Damaskus.

Die Araber hofften ein arabische Großreich Syrien mit der Hauptstadt Damaskus. Dieses Reich sollte bis nach Mekka und Medina reichen. Doch die Engländer und Franzosen hatten andere Pläne. Im sogenannten Sykes-Picot-Abkommen von 1916 hatten sie sich den Nahen Osten aufgeteilt. Die Franzosen sollten die Regionen des heutigen Libanon und Syrien bekommen, die Briten Palästina, Transjordanien und den Irak. In der Konferenz von San Remo im Jahre wurde dieser Plan bestätigt. Transjordanien wurde dem britischen Mandatsgebiet Palästina zugewiesen. 1923 wurde das britische Mandatsgebiet aufgeteilt. Jordanien wurde von Palästina getrennt und zu einem Emirat erklärt, mit dem Haschemiten Abdallah Ibn Hussein als Quasi-König. Dieses Emirat blieb allerdings britisches Protektorat. Feisal wurde dagegen zum König des Irak ernannt. Auch der Irak blieb zunächst britisches Protektorat.

Erst am 25 Mai 1946 wurde Jordanien offiziell in die Unabhängigkeit entlassen. Abdallah Ibn Hussein war nun offiziell König und Staatsoberhaupt eines unabhängigen arabischen Staates namens Jordanien mit der Hauptstadt Amman.

1947 beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas. Weder die Araber, noch die Juden waren mit diesen Teilungsplänen einverstanden. Am 14 Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Unmittelbar darauf griffen Truppen aus Jordanien, Syrien, dem Libanon, dem Irak und Ägypten Israel an. Diese arabische Allianz war gegen den UN-Teilungsplan Palästinas und gegen die Gründung des Staates Israel gerichtet. 1949 endete der Krieg. Israel konnte sich gegen die Übermacht der Araber militärisch behaupten. Jordanien hielt das Westjordanland besetzt, Ägypten den Gaza-Streifen. 1950 beschloss Abdallah I. die offizielle Angliederung des Westjordanlandes an Jordanien und begann die diplomatische Annäherung an Israel. Ein Jahr später wurde er von einem palästinensischen Nationalisten erschossen.

Nachfolger wurde sein Sohn Hussein. Während Jordanien infolge von Verhandlungen mit Saudi-Arabien seine Grenzen im Süden und Osten korrigieren und festigen konnte, blieb die Rolle des Westjordanlandes international umstritten. Jordanien und Israel stritten immer wieder über Grenzdetails, über die Rolle Jerusalems, das zur Hälfte in jordanischer Hand war, und über Wassernutzungsrechte des Jordans.

1967 war es zum Sechstagekrieg gekommen, bei dem Israel sich erneut einer arabischen Allianz von Ägypten, Syrien und Jordanien gegenüber sah, die vom Irak und den Golfstaaten unterstützt wurde. Israel konnte die Gegner in kurzer Zeit zurückschlagen und große Teile des Sinai besetzen. Auch Ostjerusalem und das Westjordangebiet wurden besetzt. Seitdem ist Jordanien auf das transjordanische Gebiet beschränkt. Offiziell erklärte Jordanien 1988, dass es zugunsten der Palästinenser endgültig auf seinen Anspruch auf das Westjordanland verzichtet.

Seit dem ersten arabisch-israelischen Krieg sind viele Palästinenser nach Jordanien übergesiedelt. Offiziell sind es rund 1,8 Millionen. Damit bilden sie einen substanziellen Bestandteil der jordanischen Bevölkerung. Die jordanische Regierung unter König Hussein I. versuchte im Laufe der Jahre verstärkt eine neutrale und vermittelnde Rolle im Nahostkonflikt einzunehmen. Im Golfkrieg von 1991 ergriff Jordanien Partei für den Irak, zur Verwunderung und zum Ärger der arabischen Nachbarn und der USA. Dennoch schaffte es Hussein I. die USA, den Westen und die arabischen Nachbarländer zu versöhnen und gleichzeitig die diplomatischen Kontakte mit Israel auszubauen, die 1994 zum Friedensvertrag beider Länder führten. Nach dem Tode Husseins im Jahre 1999 übernahm dessen Sohn Abdallah II. die Regentschaft. Das Land öffnete sich weiter gen Westen, unterzeichnete diverse Abkommen mit den USA und der EU. 2003 beteiligte sich Jordanien auf der Seite des Westens am Irakkrieg.

Die Unruhen und Bewegungen des arabischen Frühlings, der zu Umstürzen in Tunesien und Ägypten sowie zu Bürgerkriegen in Libyen und Syrien geführt hat, griffen auch auf Jordanien über. Allerdings blieb es dort lediglich bei Protesten. In der Frage des Syrienkrieges steht Jordanien auf der Seite der Anti-Terror-Allianz gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS). Im Verlauf des Bürgerkrieges hat Jordanien mehr als eine halbe Million Syrer aufgenommen. Summiert man die Zahl der in den letzten 60 Jahren nach Jordanien geflüchteten Palästinenser, Libanesen, Syrer, Iraker und Syrer sowie die Zuwanderer aus den anderen arabischen Nachbarländern, dann kommt auf ungefähr die Hälfte der Bevölkerung.

Angesichts der Krisen und Kriege, der Nationalismen und religiösen Bewegungen in den Nachbarländern und trotz der enorm hohen Zahl an Flüchtlingen und Zuwanderern hat es Jordanien geschafft, einen moderaten Weg einzuschlagen und sich politisch durch schwierige Zeiten zu manövrieren. Zwar gab es auch in Jordanien Unruhen und Anschläge. Doch im Vergleich zu den meisten anderen arabischen Ländern des Nahen Ostens ist Jordanien modern, liberal, friedfertig und international als Friedensstaat anerkannt. Diese Grundeinstellung der jordanischen Politik hat die Weichen für die Ansiedlung zahlreicher westlicher Firmen und für den Ausbau des internationalen Tourismus gelegt.


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