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Kerak - die bedeutendste Kreuzfahrerburg in Jordanien

Kerak ist die bedeutendste Kreuzfahrerburg auf dem Gebiet des heutigen Jordanien und eine der drei größten im Nahen Osten. Rund 140 Kilometer südlich von Amman thront die mächtige Festung auf einem Bergvorsprung, der an drei Seiten von Tälern umgeben ist.

Kerak - Kreuzfahrerburg in Jordanien - © vvoe - Fotolia.com

Was der Krak des Chevalliers in Syrien ist, stellt Kerak in Jordanien dar. Es handelt sich bei beiden um außergewöhnlich große und mächtige Kreuzritterburgen, deren Befestigungswerke Vorbildcharakter für den mittelalterlichen Burgenbau hatten. Denn es war hier im Vorderen Orient, wo die Kreuzritter ihre westeuropäische Bauweise mit den Architekturkenntnissen der Antike und den Bauweisen des Orients vereinen konnten. Dieses kombinierte Wissen und die jahrelange Erfahrung mit dem Belagern, Erobern und Verteidigen von großen Festungen brachten die Kreuzritter mit nach Europa, in dessen Folge auch der abendländische Burgenbau einen großen Entwicklungssprung machte.

Kerak selbst ist mit rund 20.000 Einwohnern ein mittelgroßer Ort östlich des toten Meeres, rund 140 Kilometer südlich von Amman. Bereits im 1. Jahrtausend v. Chr. gab es hier Siedlungen der Moabiter und arabischen Nabatäer. Dann war Kerak römisch und später byzantinisch, wie fast alle Orte im westlichen Jordanien.

Doch die Touristen und internationalen Reisegäste besuchen Kerak nicht wegen des Ortes. Sie kommen wegen der gewaltigen Kreuzfahrerburg. Schon von weiten werden die ankommenden Besucher vom Panoramabild der Festung in felsiger Landschaft begrüßt.

Erbauer der Festung war ein gewisser Pagan (Lateinisch: Paganus). Als der Kreuzfahrer Balduin I. zum König von Jerusalem gekrönt worden war, übernahm Pagan das Ehrenamt des Mundschenks (daher auf Französisch seine Bezeichnung als „Payen le Bouteiller“). Nachdem Balduin I. gestorben war, übte Pagan dieses Amt beim neuen Jerusalemer Kreuzfahrerkönig Fulko aus, dem Grafen von Anjou, Tours und Maine in Frankreich. Fulko belehnte Pagan mit Gebieten in Jordanien. Anfangs residierte Pagan in der Kreuzritterburg von Montreal, die auf halber Strecke zwischen dem Toten Meer und Akaba liegt. Dann begann er im Jahre 1142 mit dem Bau der Festung von Kerak. Innerhalb von zwei Jahrzehnten muss die Burg bereits fertig gestellt gewesen sein – eine außergewöhnliche Bauleistung der Baumeister, Handwerker und Arbeiter jener Zeit.

Bereits im Jahr 1170 musste die Burg ihren ersten militärischen Ansturm überstehen. Der türkischstämmige Herrscher von Syrien, Emir von Aleppo und Damaskus, Nur ad-Din, ließ mit seinen Truppen die Burg belagern, weil sie seine Karawanenrouten in der Region östlich des Toten Meeres behinderten. Doch die Belagerung wurde erfolglos abgebrochen. Drei Jahre später wurde Kerak erneut angegriffen, zunächst von den Truppen Sultan Saladins und dann erneut von den Kriegern des Nur ad-Din. Auch diesmal misslang das Vorhaben der Eroberung.

Es mussten weitere zehn Jahre vergehen, bis 1183 Sultan Saladin erneut anrückte und mit seinen Truppen einen Belagerungsring um die Festung aufstellte. Zu jener Zeit herrschte nicht mehr Pagan über die Burg, sondern Rainald de Chatillon. Er hatte sich bei den arabischen Nachbarn unbeliebt gemacht, weil er die Karawanenwege störte und sogar Truppen in Richtung Arabien und Mekka zu schicken versuchte. Das evozierte die schlagkräftige Gegenreaktion Sultan Saladins. Doch auch diesmal war die Burg uneinnehmbar. Außerdem wurden die muslimischen Belagerer von einem christlichen Ersatzheer aus Jerusalem angegriffen, das den Belagerten zu Hilfe kam. Das gleiche Schauspiel wiederholte sich ein Jahr später.

Erst nachdem Saladin dem Königreich Jerusalem in der Schlacht bei Hattin im Jahre 1187 eine empfindliche Niederlage zufügen konnte, war ihm Freiraum für eine erneute Belagerung Keraks gegeben. Im Jahre 1188 gelang ihm schließlich die Eroberung. Somit war die Burg nur 46 Jahre in der Hand der Kreuzritter.

Sultan Saladin begann nun, die Burg für sich selbst zu nutzen. Sein Bruder wurde Burgherr. Es wurden die Schäden der Eroberungskämpfe beseitigt. Dann wurden die Befestigungsmauern verstärkt und mehr luxuriöse Wohnräume im Innern geschaffen. Nach dem Untergang der Dynastie Saladins übernahmen die Mameluken die Festung. In den folgenden Jahrhunderten dienten die Burgruinen immer wieder als Rückzugsort lokaler Machthaber.

Besichtigung der Burg

Auch im heutigen Zustand stammt die Burg nach wie vor zum größten Teil aus Bauten der Kreuzfahrerzeit. Allerdings wurde sie von den Ayyubiden (Saladin) und Mamluken ausgebaut und erweitert. Zwar gibt es kaum schriftliche Dokumente, die belegen wann welche Bauabschnitte zerstört, repariert und hinzugefügt wurden. Dennoch können die Bauforscher anhand der Größe und Gesteinsart feststellen, welche Bauabschnitte zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden. Dies liegt daran, dass die Baumeister der Kreuzritter und jene der späteren Ayyubiden und Mamluken Material aus unterschiedlichen Steinbrüchen heranschafften und verbauten. Auch in Hinblick auf die Grundstruktur der Festungsarchitektur lässt sich somit sagen, dass die Hauptbefestigungen im Zentrum der Burg und der größte Teil der östlichen Flanke aus der Zeit der Kreuzfahrer, der untere Bereich der westlichen Flanke, die sogenannte Unterburg, aus späterer, arabischer Zeit stammen muss.

Die gesamte Anlage erstreckt sich auf einer etwa 250 Meter langen und von Norden nach Süden herausreichenden Plateauzunge des Berges, die an drei Seiten steil ins Tal abfällt. An mehreren Stellen, insbesondere an der Südostflanke, sind die Hänge gepflastert, um einen Sturmangriff zu erschweren. Aber Vorsicht: Andere Abschnitte der Hangpflasterungen sind auf jüngere Restaurierungen zurückzuführen und entsprechen nicht dem originalen Zustand der Burg.

Heute wird Kerak in der Regel vom Norden, d.h. vom Bergplateau aus betreten. Hier trifft der Besucher gleich auf Kreuzritterbefestigungen und gelangt, wenn man vom Tor kommend nach links abbiegt, zu den Stallungen der Ritter. Das große Gebäude in der Mitte der Anlage war eine christliche Kapelle. Obwohl schon die Bauten in der Festungsmitte recht imposant gewesen sein mögen, so steht der Hauptbefestigungsturm, der sogenannte „Donjon“, im Südbereich der Festung, also am Ende der Plateauzunge. Die Gebäude kurz davor gehören zum „Palas“, damit ist das Hauptwohn- und Residenzgebäude der Burgherren gemeint. An der Westflanke erstreckt sich die arabische Unterburg, von der schon die Rede war. Hier hat man auch ein kleines Museum eingerichtet, in dem archäologische Funde aus der Umgebung gezeigt werden. Die Ausstellungsobjekte haben jedoch größtenteils nichts mit der Burg selbst zu tun.

Viele Gebäudeteile konnten bisher noch nicht bestimmten Funktionen zugeordnet werden. Dies liegt zum Teil am schlechten Erhaltungszustand, zum anderen Teil jedoch auch daran, dass die Räume schmucklos und ohne Inschriften waren, so dass eine Zuordnung schwierig ist. Außerdem dürften viele Gebäudebereiche in den wechselnden Epochen zu unterschiedlichen Zwecken genutzt worden sein.

Die meisten Besucher sind von der Monumentalität der Burg und von der herrlichen Aussicht begeistert. Man kann sich mit etwas Phantasie sehr gut die erbitterten Kämpfe und Belagerungen vorstellen, die sich insbesondere im 12. Jahrhundert rund um die Burg abgespielt haben.

Sicherheitshinweis Kerak

Am 18.12.2016 kam es zu einem Vorfall auf der Kreuzfahrerburg Kerak. Bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Terroristen und Polizeikräften sind mindestens zehn Menschen getötet worden, darunter auch eine kanadische Touristin. Die Presse berichtete darüber (Spiegel-Online, Zeit-Online).

Das Auswärtige Amt rät aktuell davon ab, die Stadt Kerak und die dortige Burg zu besuchen. Wann diese Warnung wieder eingestellt wird, lässt sich nur anhand der aktuellen Hinweise auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes ersehen.

Spiegel-Online (und ähnlich Zeit-Online) ergänzte seinen Bericht mit folgendem Hinweis: „In der konfliktreichen arabischen Welt gilt das Königreich Jordanien als eines der stabilsten Länder. Wegen zahlreicher Kulturdenkmäler zieht es auch viele ausländische Touristen an. Tödliche Konflikte und Anschläge sind vergleichsweise selten.”

Für unsere Jordanien-Gäste haben wir weitere Sicherheitshinweise auf dieser Seite zusammengestellt: Wie sicher ist Jordanien als Reiseland?

Stand: 20.12.2016

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

Kerak (Crac des Moabites)

Die historisch bedeutendste und größte Kreuzfahrerburg in Jordanien ist Kerak (El-Kerak, Crac des Moabites), etwa 140 Kilometer südlich der Hauptstadt Amman gelegen. Sie gehört zu den größten des Nahen Ostens überhaupt. Hoch auf einer Bergzunge errichtet, dominiert sie die wildzerklüftete Felsenlandschaft.

Im Nahen Osten gibt es viele Kreuzfahrerburgen. Doch Kerak gehört neben der Saladin-Burg und dem berühmten Crac de Chevalliers in Syrien zu den größten ihrer Art. Ihre Festungsmauern, Kasematten und Wehrtürme waren Vorbild für den mittelalterlichen Burgenbau in Europa geworden. Denn es war in der orientalischen Levante, wo die Kreuzritter lernten, gewaltige Festungen zu errichten, während man in Europa noch einfache Wälle um einen zentralen Bergfried zog. Doch die Erfahrungen aus der Zeit der Kreuzzüge mit all ihren Belagerungen und Festungsverteidigungen sowie die Symbiose aus okzidentaler und orientalischer Baukunst hatten dem Burgenbau in Europa eine neue Dimension verliehen. Kerak ist ein imposantes Musterbeispiel.

Kerak ist sowohl der Name der Burg als auch des Ortes im Schatten der Festung. Etwa 20.000 Einwohner leben dort. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Die meisten Gäste kommen wegen der Kreuzritterburg. Da Kerak nur 140 Kilometer von Amman entfernt ist und auf der Route nach Süden zu den anderen Denkmälern und Highlights Jordaniens liegt, bietet sich für viele Reisen de ein Abstecher zur Burg geradezu an. Die Festung dominiert auf ihrer Felszunge die Landschaft, dass die Reisenden schon von weitem mit ihrem Anblick begrüßt werden. Noch besser ist der Blick von der Festung selbst mit seiner Panoramaschau über die trockene, felsige Landschaft. An klaren Tagen kann man bis zum Jerusalemer Ölberg schauen.

Die Geschichte des Ortes und der Festung fügt sich in die Abfolge der Völker und Herrscher ein. Im ersten Jahrtausend v. Christus siedelten hier die semitischen Moabiter. In der Antike kamen die Nabatäer , die vonPetra aus das südliche Jordanien beherrschten, in die Region. Mit dem Anschluss des Nabatäer-Gebietes an das Römische Reich wurde auch Kerak ein römischer Ort. Mit den Byzantinern verbreitete sich das Christentum.

Die eigentliche Kreuzfahrerburg ist ein Produkt des Mittelalters. Es war zu der Zeit, als Balduin von Boulogne zum König von Jerusalem gekrönt worden war. Der erste Kreuzzug hatte dazu geführt, dass große Teile Palästinas in die Obhut der christlichen Eroberer fielen. Aus ihrer Sicht war es die Befreiung des Heiligen Landes aus der Hand der Heiden. Balduins Mundschenk namens Pagan (bzw. „Payen le Boutellier“) war der Begründer. Ihm wurde das Gebiet des Ostjordanlandes („Oultrejordain“) als Lehen zugesprochen, das er von der Kreuzritterburg Montreal aus regierte. Schon bald nach seiner Etablierung begann er, eine neue Kreuzfahrerburg errichten zu lassen. Sie sollte die größte ihrer Art in der Region werden: Kerak. Zwei weitere Kreuzfahrerburgen kamen hinzu, in Eilat (bei Akaba ) und Vaux Moise („Mosestal“ bei Petra). Über diese vier Burgen kontrollierte er ein riesiges Gebiet, das von der Region von Amman bis ans Rote Meer reichte. Das Gebiet das Frontland gegen die Muslime und gleichzeitig wichtig für die Kontrolle der Karawanenrouten. Kein Wunder, dass hier sehr viel Aufwand für den Burgenbau aufgebracht wurde.

Seine Herrschaft übte Pagan von 1126 bis 1148 aus. Auch nachdem Balduin I. gestorben war, blieb Pagans Position unangetastet. Er wurde Mundschenk des Nachfolgers, des neuen Königs Fulko von Jerusalem, der in Frankreich Graf von Anjou, Tours und Maine war. Nach dem Tode Pagans, übernahm dessen Sohn Moritz von Montreal („Maurice de Montréal“) dessen Ämter, Würden und Lehen.

Der Bau der Kreuzfahrerfestung von Kerak begann im Jahre 1142. Rund zwei Jahrzehnte dauerte die Errichtung der Burg. Herangezogen wurden die besten Handwerker und Baumeister der Region. Die für die damalige Zeit moderne Bauweise beweist, dass man ein vorbildliches Bollwerk errichten wollte.
Drei Aufgaben hatte die Burg zu erfüllen. Erstens: Sie musste eine sichere Residenz des Herrn vom Ostjordanland sein. Zweitens: Sie musste ein östliches Bollwerk gegen heranrückende Araber zum Schutze des Königsreichs von Jerusalem sein. Drittens: Sie war das Zentrum zur Überwachung des Karawanenhandels der Region, sozusagen einer Art „Polizeihautquartier“ des Grenzschutzes und der Handelsüberwachung. Die außerordentliche Lage ermöglichte es den Rittern, von den Türmen aus große Gebiete in Augenschein zu nehmen. Mit Leuchtfeuern konnten die Burgen miteinander kommunizieren und somit um Hilfe im Falle einer Belagerung rufen.

Schon bald nach Fertigstellung musste die Burg ihren ersten militärischen Ansturm bestehen. Es war im Jahre 1170 als der Emir von Aleppo, der türkischstämmige Herrscher von Syrien, namens Nur ad-Din, der mit einem gewaltigen Heer die Burg belagern ließ. Nur ad-Din war verärgert darüber, dass die fränkischen Herrscher des Ostjordanlandes über ihre Burgen den Karawanenhandel der Araber behinderten. Doch Kerak überstand die erste Feuerprobe. Die Araber mussten ihre Belagerung erfolglos abbrechen.

Die zweite Herausforderung folgte auf den Fuß. Nur drei Jahre später wurde Kerak erneut belagert. Diesmal waren es die Truppen Saladins, der damals noch in den Diensten Nur ad-Dins stand. Auch diesmal konnten die Kreuzfahrer ihre Burg halten. Die monumentale Verteidigungsarchitektur hatte sich bezahlt gemacht.

Ein komplettes Jahrzehnt war vergangen, als Saladin, diesmal bereits als Sultan, im Jahre 1183 gegen Kerak erneut zu Felde zog. Er ließ einen gewaltigen Belagerungsring um die Festung errichten. Verteidiger der Burg war damals Rainald de Chatillon. Auslöser dieser erneuten Auseinandersetzung war das offensive Vorgehen von Rainald de Chatillon, der sogar Truppen ins arabische Herzland in Richtung Mekka schicken wollte. Doch die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Weil die Angriffe auf die Festung abgewehrt wurden, hoffte Saladin, durch den Belagerungsring die Burg aushungern zu können. Doch ein Ersatzheer der Kreuzfahrer aus Jerusalem kam Kerak zu Hilfe. Die Araber mussten wieder abziehen. Auch eine Wiederholung des Angriffes ein Jahr später blieb erfolglos. Kerak schien uneinnehmbar zu sein.

Eine Wende erfolgte nach der berüchtigten Schlacht bei Hattin in Jahre 1187. Sultan Saladin hatte in dieser Schlacht dem Königreich Jerusalem eine empfindliche Niederlage beigebracht. Nun konnte er sich der Eroberung Keraks zuwenden, ohne befürchten zu müssen, das ein Hilfsheer aus Jerusalem heranrücken würde, um Kerak beizustehen. Mit der Belagerung begann er nur wenige Monate nach der Schlacht bei Hattin. Im Jahre 1188 war schließlich die Eroberung der Burg geglückt. Damit endete die 46-jährige Herrschaft der Kreuzritter über Kerak.

Die Araber unter Saladin haben nicht die Burg geschliffen. Im Gegenteil. Man wollte die Burg für sich selbst nutzen und Vorteile aus ihrer strategischen Lage ziehen. Der Sultan setzte seinen eigenen Bruder als Burgherrn ein. Dieser ließ die Schäden der Belagerung beseitigen und die Festung weiter ausbauen. Die Mauern wurden verstärkt. Zum Wohle des neuen orientalischen Burgherrn wurden luxuriöse Wohn- und Residenzräume geschaffen. Die Festung bekam im Innern mehr und mehr Aspekte eines Palastes, blieb jedoch nach außen wehrhaft.

Die Kreuzritter kamen nie wieder zurück nach Kerak. Nach dem Untergang der Herrscherdynastie von Sultan Saladin übernahmen die von Ägypten aus herrschenden Mameluken die Festung. In den späteren Jahrhunderten war Kerak schließlich Residenz mehrerer regionaler Machthaber, Paschas und Scheichs, die die Festung als Rückzugsort wählten, bis sie aufgrund ihres Zerfalls nicht mehr als Festung taugte und aufgegeben wurde.

Besichtigung der Kreuzritterburg

Die Burg von Kerak ist noch relativ gut erhalten. Der größte Teil der Bausubstanz stammt aus dem 12. Jahrhundert bzw. aus der Kreuzfahrerzeit selbst, speziell aus den Jahren unter Pagan dem Mundschenk von Balduin I., als die Burg von Grund auf entworfen und in seinen groben Strukturen fertiggestellt wurde.
Nachdem die Burg in die Hände der Araber fiel, wurde sie mehrfach umgebaut, ausgebaut und erweitert. Was genau unter welchem Burgherrn geplant oder gebaut wurde, lässt sich nicht mehr exakt nachvollziehen, weil es fast keine schriftlichen Dokumente gibt, die dies belegen könnten. Doch ist es Bauforschern möglich, anhand der Größte und Art der verwendeten Baumaterialien die Entwicklung der Festung in zeitliche Abschnitte zu gliedern, die den einzelnen historischen Epochen entsprechen. Die Araber unter Saladin verwendeten andere Steine aus anderen Steinbrüchen als zuvor die Baumeister der Kreuzfahrer. Auch lassen Vergleiche mit anderen Festungen Rückschlüsse auf die Bauherren der unterschiedlichen Gebäudeabschnitte zu.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Hauptbefestigungsanlagen im Zentrum der Burg und der größte Teil der östlichen Festungsflanke aus der Zeit der Kreuzfahrerzeit stammen, also aus den Jahren vor 1188. Teile der westlichen Festungsflanke, die Unterburg und verschiedene später hinzugefügte Räume im Innern stammen aus der Zeit nach 1188, also aus der Zeit, als die Burg in eine arabische Festung umgewandelt wurde.

Die Anlage thront auf einer Bergzunge, einem von Norden nach Süden rund 250 Meter herausreichenden Plateau. An jeweils drei Seiten ist das Plateau von steil herabfallenden Felswänden umrandet. An der Südostflanke ist der Hang nachträglich gepflastert wurden – zum einen, um den Hang zu stabilisieren, zum anderen, um einen Sturmangriff auf diese Seite zu erschweren. Heute gehen allerdings große Teile dieser Hangpflasterung auf moderne Restaurationsarbeiten zurück.

Die Touristen betreten die Burg in der Regel von der Nordseite. Das bedeutet, dass sie über das Bergplateau kommen, an das die Burg anschließt. Die Burg empfängt den Besucher an dieser Stelle mit originaler Kreuzritterarchitektur. Hinter dem Burgtor gelangt man links abbiegend zu den alten Stallungen der Ritter. Die Kavallerie war das Herz der Truppe. Jeder Ritter hatte sein Pferd, seine Rüstung und seine Knappen.

In der Mitte der Burganlage erheben sich die Ruinen imposanter Gebäude, und zwar hauptsächlich einer christlichen Kapelle und dem „Palais“, dem Wohn- und Residenzgebäude der alten Burgherren. Das mächtigste Bauwerk ist der „Donjon“ am Südende der Festung. Dies war der Hauptbefestigungsturm, sozusagen der letzte Rückzugsort im Falle einer Belagerung.

Die gesamte Westflanke der Burg von Kerak besteht aus der sogenannten Unterburg, die größtenteils aus arabischer Zeit stammt. Hier wurde für die Besucher ein kleines archäologisches und historisches Museum eingerichtet, in dem interessante Funde aus der Umgebung von Kerak ausgestellt sind. Allerdings haben die Funde nichts mit der Festungsgeschichte von Kerak selbst zu tun, sondern sind Relikte der alten regionalen Geschichte.

Die meisten Räume und Gebäude von Kerak sind schmucklos und ohne bezeichnende Inschriften. Dadurch ist es auch für Archäologen und Bauhistoriker schwierig, alle Räume einwandfrei ihren Funktionen zuzuordnen, zumal viele Gebäude in einem schlechten Erhaltungszustand sind. Große Hallen können genauso gut Schlaf- wie Speisesäle oder Speicher gewesen sein. Die Mamluken haben sicherlich den einen oder anderen Raum anders genutzt als zuvor die Kreuzritter.

Auch wenn es keine prachtvoll dekorierten Innenräume und repräsentative Palastanlagen gibt und die Burg an vielen Stellen stark zerstört ist, sind die meisten Besucher von der Monumentalität der Festungsanlage, ihrer Lage und der herrlichen Fernsicht angetan. Man kann sich angesichts der massiven Mauern und Anlagen sehr gut vorstellen, wie die Ritter und Araber im 12. Jahrhundert hier ihre Belagerungen und Verteidigungskämpfe ausgetragen haben. Die letzten Krieger, die Schutz in den Mauern von Kerak gesucht hatten, waren osmanischen Soldaten, die in den Jahren 1893 bis 1894 hier stationiert waren, um die Kämpfe verfeindeter Beduinengruppen zu beenden.