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Auf den Spuren des Lawrence von Arabien

Manche Touristen gestalten ihre Reiseplanung, um auf den Spuren berühmter historischer Persönlichkeiten zu wandeln. Viele Europäer und Amerikaner bringen das Land Jordanien mitLawrence von Arabien in Verbindung. Dies liegt zum einen an seinem zeitlosen Bestseller „Die sieben Säulen der Weisheit“, vor allem jedoch an dem darauf aufbauenden Film „Lawrence von Arabien“ von David Lean aus dem Jahre 1962. Tatsächlich machte der Oscar-preisgekrönte Film die schönen Wüstenlandschaften Jordaniens weltberühmt. Das atemberaubende Wadi Rum gilt unter Jordanienkennern als „Lawrence-von-Arabien-Landschaft“ par excellence.

Kaum eine Figur in der Geschichte des Nahen Ostens während des frühen 20. Jahrhunderts ist so umstritten wie Lawrence von Arabien, mit vollem Namen Thomas Edward Lawrence. Er selbst hatte bereits während seiner Zeit in Arabien und Ägypten damit begonnen, eine Legende rund um seine Person zu weben. Die Europäer feierten ihn vor allem als Abenteurer und Kriegsheld. Die Araber zunächst ebenso. Doch sehr schnell machten sie Lawrence für die britische und französische Besetzung des Nahen Ostens verantwortlich. Daher sehen ihn heute viele Araber als britischen Agenten, der die Araber verraten habe.

Kindheit in England und Schottland: Schon als Jugendlicher begeisterte sich Lawrence für Geschichte

T.E. Lawrence wurde am 16. August 1888 im walisischen Tremadog geboren. Er war ein uneheliches Kind, was in jener Zeit einen gesellschaftlichen Makel darstellte. Sein Vater war Sir Thomas R.T. Chapman. Der Vater war ein englisch-irischer Landadliger. Seine Mutter, Sarah Junner, kam aus Schottland und war als Kindermädchen in den Haushalt der Chapmans gekommen. Thomas Edward war nicht der einzige Spross dieser unehelichen Beziehung. Er hatte vier Brüder.

Die Familie soll Thomas Edward mit dem Vornamen Ned angesprochen haben. Ned und seine Brüder kamen bereits während ihrer Kindheit und Jugend viel herum, denn die Familie wechselte häufig den Wohnort. So lebte man in Schottland, dann in der Bretagne, auf Jersey, auf der Insel Wight und im südenglischen New Forrest. Die Kinder sollen allesamt sehr lebhaft und sportlich gewesen sein. Als Kind liebte Thomas Edward Ritterlegenden und mittelalterliche Burgen.

Studienjahre in Oxford und Expeditionen in den Nahen Osten: Lawrence als Archäologe

1896 zog die Familie nach Oxford. Dies war für Thomas Edward Lawrence schließlich der Ort seiner schulischen und universitären Bildung. Bereits als Schüler kam T.E. Lawrence mit berühmten Archäologen in Kontakt. Darunter waren D.G. Hogarth und Leonard Woolley, dem späteren Ausgräber der sumerischen Stadt Ur in Mesopotamien (heute Irak). Lawrences Interesse für Archäologie und Geschichte war für jedermann offensichtlich. Schließlich schrieb er sich für das Fach Geschichte an der Universität Oxford ein. Sein Hauptaugenmerk lag in dieser Zeit auf das Mittelalter. In seiner Freizeit fuhr er viel mit dem Fahrrad durch Frankreich, um die dortigen Schlösser und Burgen zu besichtigen. Dies brachte ihn auf die Idee, seine Abschlussarbeit über die Kreuzritterburgen im Nahen Osten zu schreiben. Denn darüber gab es noch wenig Fachliteratur.

Sein Dissertationsvorhaben brachte Lawrence schließlich nach Palästina und Syrien. Hier reiste er kreuz und quer durch das Land und machte sich zahlreiche Notizen und Skizzen von den Ruinen der Kreuzfahrerfestungen. Die auf diesen Rundreisen gesammelten Materialien bildeten die Grundlage für seine Doktorarbeit. Diese Arbeit schloss er 1910 erfolgreich ab.

Seine Abschlussarbeit qualifizierte Lawrence nicht nur zum Historiker, sondern auch zum Bauhistoriker und Archäologen. Ein Jahr später nahm er an einer archäologischen Ausgrabung in Syrien teil. Hier arbeitete er mit Sir Leonard Woolley zusammen im historischen Ausgrabungsort Karkemisch am Euphrat. 1914 war er Mitglied einer geografisch-kartografischen Expedition in die Negev-Wüste Südpalästinas und auf die Halbinsel Sinai. Die während dieser Expedition angefertigten Karten waren nicht nur wissenschaftlicher Natur, sondern auch für den britischen Geheimdienst bestimmt. Viele dieser Informationen sollten später während Ersten Weltkriegs den britischen Militärs dienlich gewesen sein.

Seine Reisen und Expeditionen in den Jahren 1909 bis 1914 haben Lawrence viele Möglichkeiten geboten, Arabisch zu lernen. Auch wenn anfangs seine Sprachkenntnisse noch holprig gewesen sein sollen, so war damit doch der sprachliche Grundstein für seine spätere Verständigung mit den Arabern gelegt. Es war gerade das Lernen mit den Leuten vor Ort und nicht das theoretische Lernen mit Lehrbüchern, das ihm den Zugang zu den Mundarten der Beduinen erleichterte.

Der große Krieg bricht aus – der Archäologe T.E. Lawrence wird Offizier und Geheimdienstmitarbeiter

Im Sommer 1914 brach schließlich der Erste Weltkrieg aus. Das Osmanische Reich hatte sich auf die Seite des Deutschen Reiches geschlagen. Damit war Großbritannien unverzüglich im Kriegszustand mit der Hohen Pforte. Schon lange hatten die Briten den Zerfall des Osmanischen Reiches beobachtet und mit Argwohn die deutschen Ambitionen in der Region des Nahen Ostens verfolgt. Klar war, dass das Deutsche Reich für den Bau der Bagdad-Bahn verantwortlich war. Diese Eisenbahnlinie sollte den Persischen Golf mit Istanbul alias Konstantinopel verbinden. Von dort an das europäische Schienennetzwerk angeschlossen, hätte Deutschland einen schnellen Zugang zu den Ressourcen des Nahen Ostens gehabt – und einen Zugang zum Persischen Golf. Dies war den Briten ein Dorn im Auge. Denn die Briten waren bereits in Ägypten, im Jemen, am Golf und in Oman vertreten. Zusammen mit ihrer wichtigsten Kronkolonie Indien kontrollierten sie das Arabische Meer, das heißt den nordwestlichen Teil des Indischen Ozeans. Die Kontrolle des Persischen Golfes wäre die ideale Ergänzung gewesen. Auch in Persien (Iran) waren die Briten aktiv, um dort nicht den russischen Einfluss zu groß werden zu lassen. Eine geostrategische Verbindung von Ägypten über Jordanien und den Irak zum Persischen Golf war somit ein logisches Ziel britischer Interessen. Dazu musste das Osmanische Reich im Süden geschwächt werden. Dafür hatte man schnell den geeigneten Mann gefunden: Lawrence.

Lawrence wurde in den militärischen Dienst gestellt und zum britischen Nachrichtendienst nach Kairo beordert. Ägypten war damals britisches Schutzgebiet. In einer Spezialabteilung, dem sogenannten „Arab Bureau“, war Lawrence mit der Aufgabe betraut, alle Informationen zu sammeln, die mit der Entwicklung auf der arabischen Halbinsel zu tun hatten.

Gefährliche Mission: Lawrence wird nach Arabien geschickt, um den Krieg gegen die Türken zu dokumentieren

1916 bekam Lawrence einen aufregenden Sonderauftrag, eine eigene Mission. Er sollte sich selbstständig auf dem Weg nach Ostarabien machen und dort im Hedschas, der Gebirgsregion bei Mekka und Medina, die Lage auskundschaften. Er sollte herausfinden, welche Ambitionen die dortigen arabischen Scheiche haben, und wie diese zur osmanischen Besatzungsmacht stehen. Für diese gefährliche Expedition gab es einen konkreten Anlass. Die Briten hatten erfahren, dass der Emir von Mekka, Scherif Hussein, einen Aufstand gegen die Türken begonnen haben soll. Lawrence sollte das Geschehen dokumentieren und den britischen Nachrichtendienst darüber informieren.

Lawrence konnte den Emir und seinen Beduinenstamm schnell ausfindig machen. Dort schaffte er es, das Vertrauen des Prinzen Feisal, einem der Söhne von Hussein, zu erlangen. Lawrence Niederschriften zufolge war es er selbst, der den strategischen Einfall hatte, die türkische Militärbastion in Akaba überraschend von Land aus anzugreifen. Die dortigen Kanonen seien zum Meer hin ausgerichtet gewesen und konnten nicht spontan landeinwärts gedreht werden. Ob diese Idee tatsächlich ursprünglich von ihm stammte, ist umstritten. Auf jeden Fall war er bei dem Ereignis dabei, als eine kleine Einheit des Stammes von Emir Hussein unter der Leitung des Prinzen Sherif Ali Ibn El-Kharisch, einem Sohne Feisals, durch die abgelegene und unbelebte Wüste Nefud in das Gebiet des heutigen Jordanien zog. Der Umweg wurde gewählt, um nicht von den Türken entdeckt zu werden. Im später berühmten Wadi Rum angekommen, überredeten sie den Anführer des Beduinenstammes der Howeitat, Auda Abu Tayi, mit ihm die Hafenstadt Akaba anzugreifen. Die Attacke war ein schließlich ein voller Erfolg. Die Türken waren von dem Angriff der Beduinen aus der Wüste völlig überrumpelt. Mit dieser Siegesnachricht war Lawrence wieder nach Kairo gezogen, um die britischen Militärs zu informieren. Diese waren von der Entwicklung so begeistert, dass sie Lawrence ein zweites Mal losschickten, diesmal mit finanzieller Unterstützung, um die Beduinenstämme zum weiteren Kampf gegen das osmanische Reich zu motivieren.

T.E. Lawrence und seine Guerilla-Beduinen halfen den Briten, indem sie die Hedschas-Bahn, die Bahn-Verbindung von Damaskus nach Medina, durch Anschläge sabotierten und die östliche Wüstenflanke Palästinas in Unruhe hielten. Die Region des heutigen Jordanien wurde gegen die Türken aufgewiegelt. Die osmanische Armee musste dort Truppen binden und hatte Schwierigkeiten, Nachschub in die östlichen Regionen Arabiens zu bringen. Damit hatten die aus Ägypten einmarschierenden Truppen unter dem Oberbefehl von General Edmund Allenby eine freie Flanke zur Rechten. Sie konnten sich auf ihren Marsch nach Jerusalem und anschließend nach Damaskus konzentrieren.

Im Nachhinein war dies der Vorwurf, den die Araber Lawrence entgegenbrachten. Sie waren im Glauben aufgebrochen, für ihre Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich zu kämpfen. Doch tatsächlich waren sie nur Schützenhilfe für die Briten und Franzosen, die sich die Region des Nahes Ostens 1916 im geheimen Sykes-Picot-Abkommen bereits aufgeteilt hatten. T.E. Lawrence hat immer wieder bestritten, von diesem Abkommen rechtzeitig gewusst zu haben. Später, als er davon erfahren hatte, plagten ihn Schuldgefühle, weil der die Araber weiter motivierte, gegen die Türken zu kämpfen, obwohl inzwischen klar war, dass sie nicht mehr für die eigenen sondern für die Interessen der westlichen Alliierten kämpften.

1919 machte sich Lawrence auf der Friedenskonferenz in Paris noch einmal für die arabischen Interessen stark. Doch seine Stimme hatte nur wenig Gewicht. Auch sein beratender Einfluss auf Winston Churchill konnte nichts daran ändern, dass Großbritannien am Ende eigene Interessen vor jene der Araber stellte und die Kontrolle über die Gebiete des heutigen Palästinas, Jordaniens und Iraks übernahm, während Frankreich entsprechend des Sykes-Picot-Abkommens sich die Herrschaft über Syrien und den Libanon sicherte.

Während T.E. Lawrence sich anschließend zurückzog, sich sogar unter anderem Namen in die Royal Air Force nach Indien versetzen ließ, wuchs international sein Ruf als Held der Wüste und Versteher der Araber. 1935 starb Lawrence bei einem Motorradunfall.

Doch seine Bücher machten ihn unsterblich. Ein besonderes Denkmal setzte ihm der britische Film-Regisseur David Lean mit dem Epos „Lawrence von Arabien“ aus dem Jahre 1962. Der Film erhielt sieben Oscars. Die Rolle von T.E. Lawrence wurde von Peter O’Toole gespielt. Weitere wichtige Rollen wurden von Alec Guiness (als Prinz Feisal), Anthony Quinn (Auda Abu Tayi), Jack Hawkins (General Allenby) und Omar Scharif (Scherif Ali Ibn El-Kharisch) gespielt.

Wo wandelt man auf den Spuren Lawrence von Arabiens in Jordanien?

Die Route von T.E. Lawrence während seines Einsatzes im Ersten Weltkrieg war von Kairo über das Rote Meer nach Medina, von dort durch den Hedschas und die Wüste Nefud nach Transjordanien, dann nach Akaba, schließlich durch den Sinai nach Kairo. Später zog er mit seinen beduinischen Guerilla-Kämpfern durch Jordanien und Syrien bis Damaskus. Unter den Kreuzfahrerburgen, in die sich Lawrence und seine Guerilla-Beduinen zurückgezogen hatten, ist insbesondere Qasr el-Azraq zu erwähnen.

Welche Orte und Landschaften Jordaniens sind im Film „Lawrence von Arabien“ als Originaldrehorte zu sehen?

Wer beim Anschauen des Kinofilms glaubt, beim Angriff auf Akaba die originale Stadt zu sehen, täuscht sich. Tatsächlich wurde diese Szene in Südspanien (Andalusien) an einem Strand namens Playa del Algorocibo in der Nähe von Almeria gedreht. Das Stadtbild von Akaba war reine Filmkulisse. Das Akaba von 1962 taugte nicht für die Eroberungsszene, die im Jahre 1916 spielte. In Spanien wurden auch viele andere Szenen fabriziert. Einige Straßenszenen, die angeblich in Kairo spielten, wurden in Sevilla gedreht.

Die Wüstenwanderung des Lawrence und seiner beiden arabischen Gefährten durch den Sinai wurde in den Wüsten der USA gedreht. Andere orientalisch anmutende Szenen wurden Marokko gedreht, und zwar in Ait-Ben-Haddou, einem Oasenort im Hohen Atlas, rund 200 Kilometer südlich von Marrakesch.

Doch die berühmten großartigen Aufnahmen der ersten Wüstenwanderungssequenzen des Films mit den endlosen Weiten, Sanddünen und dunklen Basaltfelsen wurden im Süden Jordaniens nahe der Grenze zu Saudi-Arabien gedreht. Ebenso sind alle Aufnahmen im und um das Wadi Rum an Originalschauplätzen entstanden. Auch einige Wüstenkämpfe wurden in Jordanien aufgenommen sowie die Wanderung durch die glühend heiße Wüstenebene Nefud.

Die zentralen Landschaftsaufnahmen, die den Kinobesuchern weltweit im Gedächtnis blieben, kann man also im Wadi Rum, der Wüste Nefud und am Gebel Tubayg (Jebel Tubayg) an der saudischen Grenze nacherleben. All diese Orte sind sowohl von Akaba als auch von Amman aus mit dem Auto beziehungsweise Geländewagen erreichbar. Das Wadi Rum hat sich in der Touristikbranche und unter Jordanienkennern bereits als Lawrence-von-Arabien-Landschaft etabliert.