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Pella

Pella ist der Name einer antiken Stadt und Ruinenstätte östlich des Jordan, rund 130 Kilometer nordwestlich von Amman und 28 Kilometer südlich des Sees Genezareth gelegen. Pella war von der Bronzezeit bis ins frühe Mittelalter besiedelt. Auch aus der Steinzeit wurden Siedlungsspuren gefunden.

Tabaqak Fahl heißt eine Ortschaft östlich des Jordan. In unmittelbarer Umgebung der Siedlung wurden Ruinen aus verschiedenen historischen Epochen ausgegraben. Das Besondere der Ortschaft und ihrer Umgebung ist, dass sie mit nur wenigen Unterbrechungen fast 7.000 Jahre lang besiedelt war. Damit ist Pella zwar nicht so alt wie Jericho, aber dennoch ein weiteres hervorragendes Beispiel dafür, wie früh und dauerhaft das Jordantal in seiner langen Geschichte besiedelt war.

Der Ort, der die Menschen früh anzog, liegt in dem Tal eines kleinen Wadis, das ins Jordantal mündet. Wie im Falle Jerichos, ist es die dauerhafte Wasserquelle des Ortes, die ihn über die Jahrtausende hinweg als Bleibe so attraktiv machte.

Pella in der Steinzeit und im frühen Altertum

Die ersten Menschen ließen sich in der Jungsteinzeit (Neolithikum) und in der Kupfersteinzeit (Chalkolithikum) in Pella nieder. Sie waren sesshaft, errichteten Steinhäuser, betrieben Ackerbau und führten frühzeitig die Keramikherstellung ein. Aus der Frühbronzezeit, der sogenannten Kanaanitischen Zeit, ist nur wenig überliefert. Es wurden aber Stadtbefestigungsanlagen aus der Zeit um 3400 v. Chr. gefunden, die darauf hindeuteten, dass der Ort schon damals große Bedeutung hatte. Vermutlich handelte es sich um einen kanaanitischen Stadtstaat, der parallel zu den frühen Sumerern Mesopotamiens existiert hat. Aus dieser Zeit gibt es allerdings noch keine schriftlichen Erwähnungen des Ortes.

Es sind vor allem die altägyptischen Hieroglyphentexte aus dem Land der Pharaonen, die den Ort erstmals erwähnen. Während der mittleren und späten Bronzezeit, etwa in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr., war das Gebiet von Palästina bis über den Jordan hinaus immer wieder von den ägyptischen Heeren der Pharaonen erobert worden. In ihren Tempeln hatten sie Inschriften mit Städtelisten angebracht. Diese Listen zählten alle eroberten Städte in Palästina und Syrien auf. Darunter erscheint öfters der Name Pehel. Altsemitische Schriftstücke aus der Gegend sprechen von Pilihum. Auch akkadische Keilschrifttexte, die in der diplomatischen Korrespondenz des Pharao Echnaton im ägyptischen Tell el-Amarna gefunden wurden, erwähnen Pilihum. Damit ist klar, dass es sich eindeutig um den Ort handelt, der in der griechisch-römischen Antike Pella genannt wurde.

In der Bronzezeit lebten die Menschen in Pella von der Oasenwirtschaft und dem Karawanenhandel. Ägypten war nicht nur die Hegemonialmacht der Region, sondern auch ein wichtiger Handelspartner. So sollen die Bewohner von Pella hölzerne Bestandteile von Rädern und Streitwagen für die Ägypter angefertigt haben. Holz war in Ägypten selten, im palästinisch-libanesischen Raum damals jedoch reichlich vorhanden.

Im frühen 1. Jahrtausend v. Chr., also in der Eisenzeit, blieb Pella zwar weiterhin besiedelt, wie die archäologischen Befunde berichten. Doch es gibt es für lange Zeit keine schriftlichen Erwähnungen des Ortes mehr. Die historische Bedeutung war wohl in dieser Zeit sehr gering.

Pella in der klassischen Antike

Erst in der sogenannten Hellenistischen Zeit, nachdem Alexander der Große den Vorderen Orient erobert hatte und die Levante abwechselnd von den Ptolemäern und Seleukiden beherrscht wurde, gibt es wieder Quellen und Berichte über die Stadt, die nun offiziell und gräzisiert Pella hieß. Vermutlich war dies eine Anspielung darauf, dass Pehel beziehungsweise Pilihum einen ähnlichen Klang wie das makedonische Pella hatte. Kurz nach dem Tode Alexanders siedelte man griechische und makedonische Söldner an. Die Stadt entwickelte sich in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Handelsmetropole. Wie Gerasah (Jerash) profitierte sie von der Grenzlage zwischen Palästina und Syrien sowie von den dort entlanglaufenden Karawanenrouten.

Die hellenistische Zeit war wirtschaftlich von besonderem Erfolg, aber auch von unruhigen Herrschaftsverhältnissen geprägt. Die Herrschaft über die Stadt wechselte zwischen den Ptolemäern, die von Ägypten aus die südliche Levante beherrschten, und ihren Konkurrenten, den Seleukiden, die von Syrien aus ihren Einfluss auf Palästina und Transjordanien geltend machten. Schließlich geriet Pella während der jüdisch-makkabäischen Kriege in die Hand der Makkabäer. Ihr Herrscher Alexander Iannäus ließ gegen 82 v. Chr. Teile der Stadt zerstören. Grund war der Widerstand gegen die jüdische Dominanz. So berichtete zumindest der antike Historienschreiber Flavius Josephus.

Nachdem 63 v. Chr. der römische Feldherr Pompeius Palästina und Teile Transjordaniens eingenommen hatte, fiel auch Pella unter römische Administration. Unter den Römern wurde das von den Makkabäern zerstörte Pella wieder aufgebaut. Die römische Herrschaft garantierte sichere Wirtschafts- und Investitionsbedingungen. Auch kulturell brachte die neue Sicherheit Bereicherungen. In dieser Zeit wurde die Stadt der sogenannten „Decapolis“ angeschlossen und somit in das Netzwerk der östlichen Handelsstädte eingebunden. In spätrömischer Zeit begann sich auch in Pella das Christentum auszubreiten. Bereits in byzantinischer Zeit war die Mehrheit der Bevölkerung christlich, auch wenn ein Teil weiterhin antiken Kulten anhing. Die Stadt war Bischofssitz. So ist bei den berühmten Konzilen von Ephesus (449 n. Chr.) und Chalkedon (451 n. Chr.) die Anwesenheit eines Bischofs von Pella belegt.

Pella in der Spätantike

In byzantinischer Zeit profitierte die Stadt vom allgemeinen Bevölkerungswachstum im Vorderen Orient, von den günstigen klimatischen Bedingungen und von der damals in Jordanien blühenden Landwirtschaft.

Im Jahre 635 wurde Pella von den muslimischen Arabern eingenommen. Die islamische Periode in Pella währte nur kurz. Denn die Stadt wurde von einer Reihe von Erdbeben heimgesucht, die sich in den Jahren 658, 717 und 747 ereigneten. Die schnelle Folge der Beben und ihre nachhaltigen Zerstörungen führten schließlich dazu, dass die Stadt aufgegeben wurde. In den folgenden mittelalterlichen und neuzeitlichen Jahrhunderten war der Ort nur zeitweise und sporadisch bewohnt.

Besichtigung von Pella

Seit den 1970er Jahren sind archäologische Ausgrabungen in den Ruinen von Pella durchgeführt worden. Immer wieder kommen neue Architekturreste aus unterschiedlichen Epochen zum Vorschein.

Zu den Beeindruckenden Ruinen gehören die Überreste des bronzezeitlichen Tempels und der byzantinischen Tal-Basilika aus dem 5. Jahrhundert, von der noch zahlreiche Säulen aufrecht stehen, sowie die weniger gut erhaltenen Ruinen der sogenannten Westbasilika aus dem 6. Jahrhundert. Eine dritte Basilika aus derselben Zeit wurde hinter einem Hügel entdeckt. Auch hier stehen noch ein paar Säulen aufrecht. Die dreischiffige Grundriss-Architektur ist gut erkennbar. Außerdem wurden spätantike Wohnbauten und Zisternen freigelegt.

Da Pella am Rande des Jordantales in unmittelbarer Nähe einer wichtigen Landstraße liegt, die parallel zum Tal verläuft, ist der Ort gut mit dem Auto erreichbar. Man kann auch von Osten über Irbid anfahren.