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Feedback zur Ägyptenreise STERN 5

vom 26.03.2011 bis 09.04.2011
Kairo Hotel Triumph, Alexandria Hotel Radisson Blu und MS Marquise

Sehr geehrte Frau Zynga,

Insgesamt ist zu sagen, dass die Reise in jeder Hinsicht meine Erwartungen erfüllt hat (soweit ich die eben haben konnte), ja und eigentlich darüber hinaus. So richtig zu Hause bin ich immer noch nicht.

Dennoch zunächst "die Kritik", damit ich es hinter mir habe. Bitte verstehen Sie das Nachstehende keinesfalls als Beschwerde, sondern als Hinweis für zukünftige Planungen.

Falls Ihre Gäste mit ähnlichen Erwartungen, nämlich neben den Sehenswürdigkeiten der Geschichte auch Land und Leute kennen zu lernen, nach Ägypten reisen, ist die Wahl des Radissoin blu in Alexandria sehr unglücklich. Abends einfach noch Mal aus dem Hotel unter Leute zu gehen, ist nicht möglich oder schlicht zu aufwendig. Die angegebenen 25 Minuten zum Zentrum sind auf Grund des hohen Verkehrsaufkommens nicht zu schaffen. Es geht viel Zeit verloren. Ich denke, Ihre Gäste würden es Ihnen danken, wenn Sie wieder ein Hotel im eigentlichen Stadtgebiet aussuchen würden.

Übrigens hatte die Wahl des Hotels auch Folgen für den Fahrer. Trotz meines Hinweise, dass es westlich außerhalb der Stadt liegen müsse, suchte er in der Stadt. Das ist natürlich peinlich (ich habe einige Jahre selbst als Reiseleiter gearbeitet) und eigentlich ehrrührig. So habe ich ihm das auch gesagt. Sein Büro, woher auch immer es davon erfahren hat, hat ihm für die schlechte Vorbereitung drei Tageslöhne abgezogen.

Um das Hotel herum ist tatsächlich nichts. In der Ferne eine Urlaubssiedlung im Entstehen, daneben eine, wenn auch ansehnliche Investruine, ein im Entstehen begriffener Golfplatz, eine vierspurige Straße und über dem westlichen See große, qualmende Raffinerieanlagen. Zu allem Unglück für das Hotel fiel auch noch die Stromversorgung am Tag meiner Anreise aus und man musste ein Notstromaggregat betreiben. Die tiefen Frequenzen drangen einem selbst im Bad noch in den Körper. Da ich doch eine gewisse Leidensfähigkeit besitze, hielt ich die erste Nacht durch, bat dann aber doch um ein vom Aggregat entfernteres Zimmer. Dies wurde mir seitens des Hotels auch ohne Zögern möglich gemacht.

Was mir an beiden Hotels (auch Triumph Hotel in Kairo) auffiel, war, dass man die Eingangsbereiche und Gemeinschaftseinrichtungen und Flure und ansich auch die Zimmer recht ideenreich und ansprechend gestaltet hatte. Die Architektur gerade des Radisson blu fand ich richtig toll, obwohl ich moderner Architektur manchmal skeptisch gegenüberstehe.

Die handwerklichen Arbeiten in den Zimmern, hier vor allem in den Bädern, haben allerdings den Heimwerker in mir empört. Um die schönen Fließen hätte man teils weinen können. Dazu schlecht verlegt und mit minderwertigem Kitt und Silikon verarbeitet. Das bekommt selbst die fleißigste Reinigungskraft auch mit der Zahnbürste nicht mehr ganz sauber. Dazu kommen wackelnde Wasserhähne, nicht funktionierende Stopfen (als Deutscher verschwendet man da schon mal einen Gedanken an den Wasserverbrauch). Das Gesagte gilt teils auch für die "Nile Marquise". Aber es ist schon ein betagtes Schiff und ich fand es gut. Am Radisson lösten sich auch schon die Steinplatten der Außenverkleidung. Wer da wohl die Bauabnahme gemacht hat? Nun ich habe damit leben können, aber vielleicht sehen das andere Gäste in Zukunft nicht ganz so.

Die gebuchten Leistungen wurden bis auf den Besuch des griechisch-römischen Museeums in vollem Umfang erbracht. Das Büro in Kairo glich den Ausfall des Museums auf meinem Vorschlag hin jedoch anstandslos mit dem Besuch des Mumiensaales im Ägyptischen Museum aus.

Darüber hinaus habe ich nur Lob für alle Beteiligten übrig.

1. Die Reise wurde von Ihnen, trotz des Umstandes, dass meine Reisegruppe nur noch aus mir bestand, oder durch das Kairoer Büro nicht abgesagt.

2. Dies verschaffte mir einen ungewohnt exklusiven Status (Guide, Fahrer und Fahrzeug nur für mich), an den ich mich die ersten Tage erst gewöhnen musste.

3. Das Kairoer Büro führte das gesamte Programm und darüber hinaus meine Sonderwünsche ohne Abstriche aus. Auch als ich in Kairo meinen Flug nach Luxor verpasste und umbuchen musste (diese Trottelei werde ich besser nicht näher ausführen), kümmerte man sich seitens des Büros und Egypt Air mit viel Engagement um mein verschollenes Gepäck. Am nächsten Tag brachte man es mir aufs Schiff.

4. In diesem Zusammenhang - Egypt Air - immer wieder!

5. Das Personal der Hotels und besonders des Schiffes waren denkbar freundlich und bemüht, mir alles recht zu machen. Auch hier wurden kleine Sonderwünsche mit Eifer erfüllt. Besonders erheiternd (und im Nachhinein auch mit einer gewissen Erleichterung) empfand ich den zu meiner "Befreiung" entstandenen Auflauf eines Großteils des Personals des Triumphhotels, als ich am letzten Abend in Ausführung meiner Idee, noch ein paar nächtliche Bilder vom Hotel zu machen, kurzzeitig vom Militär in Gewahrsam genommen worden war. Eine Akte habe ich wohl beim ägyptischen Militär nun dennoch. Das Verhalten des Verantwortlichen war zwar "not amused" zu nennen, aber ansich korrekt.

6. Überhaupt gab es keinerlei Situation, in der ich mich auch nur im geringsten gefährdet oder in meiner Sicherheit bedroht gefühlt habe. Nicht im Chaos des Verkehrs in Alexandria oder Kairo und auch nicht bei meinen kleinen Ausflügen auf eigene Faust. Na gut, bei der ersten selbstständigen Überquerung der Uferstraße in Alexandria war mir dann doch etwas mulmig. Selbst im Umfeld der Demonstration in Kairo am 01.02.2011 war keinerlei Bedrohung spürbar. Allerdings glaubte ich mich auch mit den vielen Hinweisen des Guides leidlich sicher bewegen zu können.

7. Ein besonderes Lob auch für die beiden Guides, Mohammes Saad (Kairo) und Mahmoud Muzzamil (Luxor, Assuan), die sich geduldig ein Loch in den Bauch fragen ließen und wohl über die übliche Zeit hinaus Diskussionen und Gespräche auch über heikle Themen mit mir führten und dabei ihrerseits die Gelegenheit nutzten.

Einen Ärger gab es doch noch, nämlich über die unsäglich einseitige und verzerrende Berichterstattung über die Situation im Land. Die Überbetonung mal des Islam, mal der Revolutionen und Unruhen ist weit von der Realität entfernt. Bei aller gebührenden Beachtung der arabischen Mentalität ist der gewaltige Druck, den das Ausbleiben so vieler Touristen besonders auf die vielen einfachen in der Tourismusbranche arbeitenden Menschen zur Folge hat, unübersehbar und spürbar. Eben manchmal auch spürbar, indem die wenigen, die es "gewagt" hatten, nach Ägypten zu reisen, nun ein bißchen zum "gehetzen Wild" wurden. Welches Gejammer würde wohl das Wegbleiben von 80 % der ausländischen Touristen in Deutschland auslösen!?

Insoweit war der Umstand, besonders in Kairo und Alexandria sowie an den Pyramiden fast oder ganz alleine zu sein, zwar durchaus nicht unangenehm, aber eben auch zwiespältig. In Aleandria habe ich nur zwei deutsche Touristen getroffen und fast keine Ausländer. In Kairo nur im Ägyptischen Museum. In Gizeh waren vielleicht 15 Ausländer und ein paar Dutzend Araber, aber hunderte Verkäufer und Beduinen. Nun ein einsamer Wüstenritt zwischen den Pyramiden hat auch etwas. Die Rote Pyramide und Dashur hatte ich für mich allein. In El Fayyum das gleiche Bild. Ähnlich in Edfu und Kom Ombo. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren ca. 30 Franzosen (die zudem kaum Englisch sprachen) und auf der Fahrt nach Assuan noch einige arabische Familien. Die meisten Schiffe waren an den Kais vertäut und ohne Gäste. In Luxor und Assuan in den Städten selbst ebenfalls wenig Touristen. Deutlich mehr waren es nur in den Tempeln, im Tal der Könige, am Hatschepsuttempel und in Abu Simbel (hier sogar richtiges Gedränge). Soweit ich das feststellen konnte, waren das wohl überwiegend Ausflügler, die aus den Badeorten herüber gekommen waren. Gähnende Leere am Philaetempel - dabei hunderte ungenutzte Motorboote am alten Damm.

Ungeheuer imponiert haben mir die zahllosen Entwicklungsprojekte. Ein wenig konnte ich meinen Guide auch überraschen, dass ich einiges über das Toshka-Projekt im Süden den Landes wußte. Mein Ansinnen, auf derm Weg nach Alexandria schon einmal einen Eindruck von der Wüste zu bekommen, wurde daher enttäuscht. Erschließungsprojekte, Landwirtschaft, Industrie- und Wohnungsbau ohne Ende. Selbst Friedhöfe. Unüberschaubare, architektonisch durchaus ansehnliche Urlaubersiedlungen. Die Hypergeschäftigkeit in den Stadtvierteln am Meer. Eindrücke über Eindrücke. Da tuen ein einfaches Piknick auf der Mole oder ein Spaziergang im Botanischen Garten bei Sonnenuntergang, ein Schlemmermahl im Fischrestaurant in der Nähe des Hafens einfach gut.

Allein über den Straßenverkehr in Kairo und Alexandria kann man lange Geschichten erzählen. Die Ägypter meinten, es sei etwas ärger als sonst, da sich die Polizei aus bekannten Gründen etwas zurückhalte.

Insgesamt war die Reise ein voller Erfolg. Mein Traum, die Tempel und Pyramiden der ägyptischen Hochkultur mit eigenen Augen zu sehen, mit eigenen Händen zu berühren, vor Ort auch mehr über die alten Ägypter zu erfahren, hat sich erfüllt. Ebenso mein Wunsch, so viel als möglich vom arabischen Ägypten und dem Leben der Menschen dort heute zu erfahren. Ebenso meine Erwartung, dass die Menschen dort über alle Unterschiede hinaus eben Menschen sind. Ist man freundlich zu ihnen und zeigt Ihnen, dass man sie (nicht nur als Kulisse wahrnimmt) kann man sogar mit einem Taxifahrer (nach dem unvermeidlichen "Geschäftsgespräch"), den arabischen Gästen auf dem Schiff oder der Besatzung eines kleinen Motorbootes, das im Schatten des Kreuzfahrtschiffes zur Siesta festgemacht hat, durchaus interessante und lustige Gespräche führen. Ich habe mich lange nicht so anhaltend wohl und gelassen gefühlt, wie in Ägypten und hoffe, mir dies noch eine Weile erhalten zu können.

Nun, ich denke, dass habe ich auch Ihren Bemühungen zu verdanken. Wo angebracht, werde ich Sie deshalb sehr gern weiterempfehlen.

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