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Qasr Amra (Qusair Amra)

Eines der schönsten Wüstenschlösser Jordaniens ist Qasr Amra. Die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannte Anlage wurde durch ihre frühislamischen Wandbemalungen berühmt. Weil die Anlage recht klein ist, wird sie auf Arabisch mitunter nicht als Qasr („Festung“), sondern als Qusair („kleine Festung“) bezeichnet.

Video zum Wüstenschloss Qasr Amra


Wüstenschloss Qasr Amra mit frühislamischen Wandbemalungen - © STERN TOURS

Die Anlage ist keine Festung. Das rund 70 Kilometer östlich von Amman in der Wüste gelegene Bauwerk war nicht als Verteidigungsanlage gedacht, sondern als Herberge, Ausflugsresidenz, Lust- und Jagdschloss der omayyadischen Kalifen, die sich oft tagelang mit ihren Falken auf der Wüstenjagd befanden. Vermutlich wurden hier auch die regionalen Emire und Beduinenscheiche zur Audienz empfangen.

Erbaut wurde das Wüstenschloss unter den omayyadischen Kalifen Hischam und Al-Walid II. im 8. Jahrhundert. Die Grundrisskonzeption der Anlage ist ungewöhnlich. Zentrales Gebäude ist eine dreischiffige Audienzhalle mit einem dreifachen Tonnengewölbe. Mittig führt der Raum auf die Thronnische des Kalifen zu, von der zwei Seitengemächer abzweigen. Diese waren vermutlich auch die Privat- und Schlafgemächer des Kalifen.

Wüstenschloss Qasr Amra - © STERN TOURS

Dem Audienzgebäude schließt sich direkt ein Badetrakt an, der das Erbe der römisch-byzantinischen Thermenkultur verrät, welche heute im orientalischen Hammam weiterlebt. Die Anlage besteht aus einem Apodyterium (Apodyterion, An- und Auskleideraum), Tepidarium (Aufwärmraum), Caldarium (feuchter Heißluftraum zum saunaähnlichen Schwitzen) sowie den Heiz- und Vorratsräumen für die Bediensteten, die mit dem Brennholz die Anlage am Laufen halten mussten. Gegenüber dem Haupttrakt mit seinem Audienz- und Badebereich steht das Brunnenhaus, in dem das Wasser für das Bade- und Schwitzvergnügen geschöpft wurde. Die Gesamtanlage hatte demnach den Charakter eines kleinen Wellness-Schlösschens für die Kalifen.

Das Besondere an Qasr Amra sind die Freskowandmalereien. Sie sind der Grund dafür, weshalb das kleine Wüstenschloss ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Denn sowohl die Audienzhalle wie auch der Badetrakt sind mit wertvollen Wandmalereien aus der omayyadischen Epoche geschmückt, die als außergewöhnlich seltene Beispiele für die frühislamische Bildkunst angesehen werden.

Die einzigartigen Fresken sind ein Beleg dafür, dass in der frühislamischen Zeit das Verbot der bildlichen Darstellung von Menschen und sogar halbnackten Frauen in Badehäusern und noblen Privatgemächern nicht tabu war. Zweitens zeigen sie, wie sehr die frühislamische Bildkunst von der römischen und byzantinischen Freskomalerei beeinflusst war. Auf dem ersten Blick wirken viele Bildfolgen etwas wirr. Aufgrund des Erhaltungszustandes und der Lichtverhältnisse ist nicht jedes Detail erkennbar. An manchen Stellen sind die Fresken komplett zerstört. Doch einst müssen sie in leuchtenden Farben gestrahlt haben.

Die Bilder geben einen interessanten Einblick in die Kultur der damaligen Zeit. Wegen der Vielzahl der Motive können hier nicht alle Bildelemente beschrieben werden. Zu sehen sind beispielsweise Jagdszenen, Kamele, Landschaften, Alltagszenen, Darstellungen des Handwerks- und Gebäudebaus sowie Badeszenen. In der Audienzhalle sind die Wände bis hinauf zum Tonnengewölbe mit Bildmotiven bemalt. Auffallendes Bildmotiv auf der rechten Wand (vom Eingang gesehen) ist eine große halbnackte badende Frau in einem Becken. Im Hintergrund erkennt man klassisch-antike Architektur, die man als Arkadengang oder Aquädukt deuten kann. Dargestellt ist außerdem eine Reihe von sechs Herrschern, die man teils wegen der arabischen und griechischen Inschriften, teils aufgrund der Darstellungsart als historische Persönlichkeiten beziehungsweise als damalige Herrscher von Byzanz, von Persien, von Indien, von Äthiopien und der Westgoten erkennen kann. Ein anderes interessantes und hervorhebenswertes Motiv befindet sich im Badehaus, und zwar im zentralen Caldarium. Dort ist an der Kuppel ein astronomischer Nachthimmel mit Tierkreisen aufgemalt.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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