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Shuk von Kfar Bartaa

Beim Shuk von Kfar Bartaa handelt es sich um eine Siedlung in der Nähe des Wadi Ara, die durch die Teilung des Landes in Israel und Palästina sowie durch die neuen Grenzzonen gespalten wurde. Die Grenzmarkierung läuft quasi durch das Dorf.

Die Geschichte Israels ist in vielen Bereichen eine Erfolgsgeschichte, insbesondere was die geschulterte jüdische Immigration, die Urbarmachung des Landes und die Schaffung eines modernen Staates angeht. Doch jede Erfolgsgeschichte hat auch ihre Schattenseiten. Die Schattenseiten der Region Israel-Palästina sind regelmäßig in den Nachrichten zu verfolgen. Von Anfang an war die Gründung Israels vom Palästina-Konflikt begleitet. Bereits vor der offiziellen Gründung des Staates im Jahre 1948 gab es Auseinandersetzungen zwischen jüdischen Siedlern und palästinensischen Arabern.

Die Siedlung vom Shuk von Kfar Bartaa in der Nähe des Wadi Ara ist ein Beispiel für den unglücklichen Fall, dass die in den Büros der Strategen und Politiker gezogenen Grenzlinien mitten durch ein Dorf gehen und die dortige Gesellschaft teilen. Man spricht in diesem Fall von der sogenannten „grünen Linie“ der Wadi-Ara-Region.

Die eine Hälfte des Ortes gehört administrativ zum israelischen Regierungsbezirk Haifa. Hier leben zwischen 4000 und 5000 Menschen, die größtenteils offizielle arabische Staatsbürger Israels sind. Sie haben denselben Status wie die muslimischen und christlichen Araber in Städten wie Nazareth leben.

Die andere Hälfte gehört zum offiziellen palästinensischen Autonomiegebiet des Westjordanlandes, genauer zum Verwaltungsbezirk Jenin. Die rund 3000 bis 4000 Menschen, die hier leben, gelten als palästinensische Araber und haben denselben Status wie beispielsweise die Araber in Jericho.

Wie es zur Teilung der Ortschaft kam

Bereits im Jahre 1947 hatte die Vollversammlung der Vereinten Nation in New York einen Teilungsplan abgesegnet, der Palästina in einen jüdischen und arabischen Teil aufteilte. Aus dem jüdischen Teil wurde Israel. Aus dem arabischen wurde erst einmal gar kein Staat, weil es gleich nach Gründung des Staates Israel 1948 den ersten israelisch-arabischen Krieg gab, bei dem die umliegenden arabischen Länder das neue Israel gleich im Keim ersticken wollten. In dessen Folge wurde das Westjordanland Teil Jordaniens.

Die Teilung begann für das Dorf bereits mit dem Waffenstillstandsabkommen von 1949. Wie im Falle Jerusalems im Großen, so war in Bartaa im Kleinen das Drama der Teilung unmittelbar sichtbar geworden. Denn in den Jahren 1948 bis 1967 waren die Grenzen praktisch geschlossen. In der Regel gab es keine Möglichkeit für die Dorfbewohner, die Seite zu wechseln. Da damals das Dorf aus nur wenigen Familien und Clans bestand, wurden diese praktisch getrennt. Soziale Bindungen, die einst das Gemeindeleben zusammenhielten, wurden auseinandergerissen.

Nach dem Sechstagekrieg 1967 kam das Westjordanland als besetztes Gebiet zu Israel. Die Situation änderte sich zunächst positiv für die Bewohner. Die Gemeinschaft konnte wieder zusammenrücken. Es war wieder das soziale Leben als einheitlicher Ort möglich, auch wenn der Ort offiziell administrativ immer noch gespalten war, so konnten örtliche Belange von einer Ortsverwaltung erledigt werden.

2003 änderte sich die Situation wieder ins Negative. Die israelische Regierung hatte beschlossen, die Grenzen zwischen dem eigentlichen israelischem Staatsgebiet und der Westbank zu schützen. Hierzu wurden Grenzanlagen, Zäune und Mauern errichtet. Das Dorf Bartaa, das offiziell immer noch zwei verschiedenen Regionen angehörte, wurde nun auch praktisch wieder gespalten. Der eine Teil bleibt weiterhin normaler Teil Israels. Der andere ist Teil eines sicherheitstechnischen Niemandslands geworden.

Es handelt sich um den Sicherheitskorridor zwischen der offiziellen Grenzlinie, der sogenannten „Grünen Linie“ und den Sicherheitsgrenzanlagen, die weiter auf dem Gebiet des Westjordanlandes liegen. Dazwischen hat sich ein dünner Sicherheitsstreifen gebildet, der „Sesam-Zone“ genannt wird. Damit ist der Alltag der Bewohner von Bartaa wieder extrem eingeschränkt und beschwerlich geworden, Tag für Tag haben sie die Teilung des Landes vor Augen.

Israel hat diese Politik der Sicherheitsgürtel mit Mauern, Zäunen, Stacheldraht und Zwischenzonen mit der Reaktion auf den Terrorismus begründet. Das Land will sich vor den Terroristen schützen, die auf diesem Weg immer wieder in israelische Orte und Städte gekommen waren, um Terroranschläge zu verüben. Inwieweit diese Begründung für die Grenzpolitik des Landes ausreicht, mag jeder Reisende für sich selbst beantworten. Wer vor Ort mit den Menschen spricht, wird unterschiedliche Auffassungen kennenlernen, die alle ihre Berechtigung haben und die Brisanz und Verzwicktheit der Situation widerspiegeln.

Für die Bewohner von Bartaa sind die Auswirkungen der Politik und des Nahostkonfliktes eine Tragödie. Die Siedlung hatte das Pech, am falschen Ort zu liegen.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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