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Kafarnaum (Kapernaum)

Kafarnaum (Kapernaum, Kefar Nahum) am Ufer des Sees Genezareth ist ein wichtiger Ort der biblischen Überlieferung. Hier wirkte Jesus als Prediger und Wunderheiler und fand seine ersten Jünger. Archäologische Ausgrabungen brachten antike Häuser und eine Synagoge aus römischer und byzantinischer Zeit zutage.

Video zu Kapernaum der Stadt von Jesus


Kapernaum - Die Stadt von Jesus (Israel) - © STERN TOURS

Im Norden Galiläas, am Nordufer des Sees Genezareth, liegen die antiken Ruinen der Stadt Kafarnaum. Der Ort entwickelte sich insbesondere in hellenistischer, römischer und byzantinischer Zeit. Aus der Bronzezeit ist nicht gefunden worden. Es gibt auch keine Erwähnung des Ortes im Alten Testament.

Der Name des Ortes, Kafarnaum (Kapernaum, Kefar Nahum, Bedeutung: „Ort des Nahum“, arabische Ortsbezeichnung: Tell Hum)“, nimmt Bezug auf den jüdischen Propheten Nahum. In Kefar Nahum hatte er eine Grabstätte, zu der gläubige Juden pilgerten.

Zur Zeit Jesu war Kafarnaum ein bedeutender Fischerort am Ufer des Sees. Hier fuhren täglich die Fischerboote vom Hafen auf den See hinaus. Außerdem war hier ein römisches Truppenkontingent stationiert. In spätantiker Zeit wuchs der Ort an. Grund für diesen Bevölkerungszuwachs war die Vertreibung der Juden aus Jerusalem durch die Römer. Dies war eine Maßnahme in Folge der jüdischen Aufstände. Später, in byzantinischer Zeit, entstand hier eine bedeutende christliche Gemeinde. Während des islamischen Mittelalters war Kafernaum wieder zu einem kleinen Fischerdorf zusammengeschrumpft.

Kapernaum
Kapernaum am Ufer des Sees Genezareth © STERN TOURS

Im Neuen Testamen spielt Kafarnaum eine große Rolle. Nachdem Jesus Nazareth verlassen hatte, zog er nach Kafarnaum, um dort zum Volke zu predigen. Im Ort und dessen Umgebung fand Jesus seine ersten Jünger – den Fischer Simon, aus dem Petrus wurde, sowie Andreas, Jakobus und Johannes.

Die Bibel berichtet diese Geschehnisse folgendermaßen (Matthäus 4, 18-22, Übersetzung nach Luther): „Als nun Jesus ans Galiläische Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer, denn sie waren Fischer. Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach. Und da er von da weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, dass sie ihre Netze flickten; und er rief sie. Alsbald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach.“ (Ähnlich auch Markus 1,16-20).

Jesus erhielt sogar die Möglichkeit, in der Synagoge von Kafarnaum zu predigen. Hier hielt er seine Rede über das Sinnbild vom Brot des Lebens. Im Johannesevangelium (6,35) heißt es (nach der Lutherübersetzung): „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“

Auch als Wunderheiler und Teufelsaustreiber wirkte Jesus in Kafarnaum. Im Markusevangelium werden seine Taten in Kafarnaum folgendermaßen berichtet (Markus 1, 21-34, nach der Lutherübersetzung):

„Und sie gingen hinein nach Kapernaum; und alsbald am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und sie entsetzten sich über seine Lehre; denn er lehrte mit Vollmacht und nicht wie die Schriftgelehrten. Und alsbald war in ihrer Synagoge ein Mensch, besessen von einem unreinen Geist; der schrie: Was willst du von uns, Jesus von Nazareth? Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes! Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme und fahre aus von ihm! Und der unreine Geist riss ihn und schrie laut und fuhr aus von ihm. Und sie entsetzten sich alle, sodass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist das? Eine neue Lehre in Vollmacht! Er gebietet auch den unreinen Geistern und sie gehorchen ihm! Und die Kunde erscholl alsbald überall im ganzen galiläischen Land. Und alsbald gingen sie aus der Synagoge und kamen in das Haus des Simon und Andreas mit Jakobus und Johannes. Und die Schwiegermutter Simons lag darnieder und hatte das Fieber; und alsbald sagten sie ihm von ihr. Da trat er zu ihr, fasste sie bei der Hand und richtete sie auf; und das Fieber verließ sie […] Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus […].“

Archäologische Funde: Synagoge, Haus des Petrus und antike Wohnbauten

Unweit des Seeufers und Hafens befinden sich die Ausgrabungen von Kafarnaum. Zu den Highlights der Ausgrabungsstätte gehören die Überreste der antiken Synagoge und ein Haus, das als Haus des Petrus angesprochen wird. Auch Wohnhäuser aus der Spätantike wurden ausgegraben.

Die gesamte Anlage ist wie ein archäologischer Park gestaltet. Die Wege sind für die Besucher bestens präpariert. Hohe Bäume werfen angenehmen Schatten, zahlreiche Pilger und Touristengruppen aus aller Welt besichtigen täglich den Ort.

Die antike Synagoge von Kafarnaum ist aus zwei Gründen einzigartig. Zum einen handelt es sich um eine der ältesten ausgegrabenen Synagogenruinen überhaupt. Sie stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Zum anderen wurde die Synagoge auf den Ruinen einer noch älteren Synagoge errichtet, bei welcher es sich vermutlich um jene handelt, in der auch Jesus (siehe oben) gesprochen und gelehrt hat.

Die antike Synagoge des 2. und 3. Jahrhunderts war auf einer leicht erhöhten Plattform errichtet worden. Das eigentliche Gebäude misst 24,5 mal 18,5 Meter. Der Hauptraum der Synagoge gliedert sich wie eine Basilika in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe, die von Säulenreihen getrennt sind. Einige Säulen stehen noch heute aufrecht.

Anfangs hatten die Ausgräber die Synagoge für eine Kirche gehalten. Doch zahlreiche Details, wie kleine reliefartige siebenarmige Leuchter an den Säulenkapitellen, verraten, dass es sich um eine Synagoge handelte.

Beim Haus des Petrus finden wir drei Gebäude übereinander vor. Ganz unten wurden die Ruinen des Hauses von Simon Petrus ausgegraben. Darüber wurde in byzantinischer Zeit eine Kirche mit achteckigem Grundriss errichtet. Doch auch diese Kirche ist nur noch in ihren Mauerfundamenten vorhanden. Über dem Komplex aus Petrushaus und byzantinischer Kirche hat man ein modernes Kirchengebäude auf Pfeilern errichtet.

Die Ruinen der oktogonalen Kirche, die die frühen Christen auf dem Fundament des alten Hauses von Petrus errichtet hatten, wurden in den 1920er Jahren von einem Franziskanerpater namens Gaudetius Orfali gefunden und ausgegraben. Die Grundmauern, die er vorfand, standen noch bis zu 1,50 m hoch.

Das Gebäude darunter, das man als Haus des Petrus deutet, war mehrfach umgebaut und überbaut worden. Die einzelnen Fußbodenschichten, die bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. zurückreichen, machen deutlich, dass es sich um einen wichtigen Versammlungsraum gehandelt haben muss. Man nimmt heute an, dass hier das Haus stand, in dem sich Jesus und Petrus aufhielten und das alsbald nach dem Tode Jesu als Pilger- und Gemeindestätte für die frühen Christen diente. Nach mehrfachen Umbauten wurde dieses Haus schließlich im 5. Jahrhundert vom oktogonalen Kirchenbau überbaut.

Ebenfalls ausgegraben wurden zahlreiche Wohnhäuser, die fast alle aus römischer und byzantinischer Zeit stammen. Die Häuser sind meist klein und von engen Gassen getrennt. Sie geben einen Eindruck von der Wohnkultur des spätantiken Kafarnaum.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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