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Qasr el-Azraq

Eines der bekanntesten jordanischen Wüstenschlösser ist jenes von Qasr el-Azraq (auch: Kasr Asrak). Es handelt sich um eine imposante Festung, die größtenteils aus groben Basaltsteinen gebaut ist. Ursprünglich war sie eine nabatäische Anlage, dann ein römisches Kastell, das später zu einem omayyadischen Wüstenschloss umgebaut wurde. Im Mittelalter nutzten Ayyubiden und Mameluken die Festung für ihre Zwecke.

Video zum Wüstenschloss Qasr el-Azraq


Das Wüstenschloss Qasr el-Azraq in Jordanien - © STERN TOURS

An der Fernstraße in den Irak und nach Saudi-Arabien, rund 100 Kilometer östlich von Amman, befindet sich die kastellartige Anlage von Qasr el-Azraq. Sie liegt in der Ortschaft Azraq (Asrak), die im Umfeld einer großen Naturoase entstanden war. Die Süßwasserquellen und Teiche der Oase haben über viele Jahrhunderte eine einzigartige Flora und Fauna inmitten der Wüste ermöglicht. Das Wasserreservoir erlaubte die Oasenwirtschaft und war somit die Grundlage der örtlichen Besiedlung. Daher war der Ort ein wichtiger strategischer Punkt auf den Karawanenrouten, denn für viele Kilometer in alle Richtungen ist dies die einzige Süßwasserquelle

Um sich vor den Überfällen der Beduinen zu schützen wurde bereits in nabatäischer Zeit eine befestigte Anlage errichtet, die später von den Römern zu einem 80 mal 80 Meter großen Kastell ausgebaut wurde. Sie war lange Zeit ein wichtiger Außenposten der an den Ostgrenzen des Reiches stationierten römischen Legionen, die sich gegen die Beduinen und Perser zur Wehr setzen mussten. Auch in byzantinischer Zeit wurde die Festung genutzt.

Wüstenschloss Qasr el-Azraq - © STERN TOURS

Die grob behauenen Basaltsteine, die man für den Bau und weitere Ausbauten der Anlage verwendete, stammen von einem Lavarücken, der in der Nähe der Oase die Wüste durchschneidet. Er ist die einzige sinnvolle Steinbruchstelle in der Gegend. Die quadratische Anlage wirkt wie ein gigantisches Fort. Fast alle Bauten sind an die Befestigungsmauern angeschlossen, so dass im Innern der Anlage eine große hofartige Fläche frei geblieben ist. In Römischer Zeit waren hier vermutlich Zelte für die Legionäre aufgebaut, während die Offiziere in den Steingebäuden untergebracht waren. Die Festung war bereits von den Römern derart funktional errichtet worden, dass sie in byzantinischer Zeit und in der islamischen Epoche unter den Omayyaden, Ayyubiden, Mameluken und später Osmanen weiter benutzt werden konnte. Dann wurde sie verlassen.

Lawrence von Arabien in Qasr el-Azraq

Während des Ersten Weltkrieges überwinterte im Jahre 1917 Thomas Edward Lawrence zusammen mit den arabischen Rebellentruppen in Qasr el-Azraq. Die Oase mit der Festung und den reichen Wasservorkommen bot den idealen Rückzugsort für die Freiheitskämpfer bei ihrer guerillaartigen Bekämpfung der türkischen Truppen. Damals war der Ort noch wesentlich kleiner und die Oase mit ihren Wasservorkommen und reichen Flora und Fauna wesentlich beeindruckender als heute. Das liegt zum Teil daran, dass heute ein erheblicher Teil der Oase von dem modernen Ort überdeckt ist, der mittlerweile mehr als 15.000 Einwohner hat. Zum anderen wurde in der Nähe eine Basis der jordanischen Luftwaffe errichtet. Der Oasenlandschaft wurde viel Wasser entnommen. Die Seen und Teiche und das heutige Naturschutzgebiet sind ein kümmerlicher Rest der einstigen grünen Oase mit ihrem Naturschauspiel. Wenn man sich einen Eindruck davon machen möchte, wie die Gegend noch vor hundert Jahren auf Reisende gewirkt haben muss, die aus der Wüste hierher kamen, kann einen Blick in die Erinnerungen des Lawrence von Arabien (T.E. Lawrence: „Sieben Säulen der Weisheit“) werfen:

„Und da tauchte jäh vor uns in schimmernden Blau die Burg auf ihrem Felsgipfel auf, umrauscht von Palmen, mit frischgrünen Matten und weiß schäumenden Quellen zu ihren Füßen; und wir standen festgebannt. Von Asrak wie von der Rumm (Anm.: gemeint ist Wadi Rum) sagte man „Numen inest“. In beiden Landschaften herrschte ein Zauberspuk; aber während die Rumm weit und hallend und gottähnlich war, erzählte Asraks unermessliche Ruhe von wandernden Poeten, von Helden, verlorenen Königreichen, von all den Verbrechen, der Ritterlichkeit und dem toten Glanz von Hira und Ghassam. Jeder Stein, jeder Grashalm war hier ein Stückchen Erinnerung an das leuchtende, seidenweiche Eden, das seit langem dahin war.“ (S. 507-8, zitiert aus der deutschen Ausgabe, die 1978 und 1991 im Paul List Verlag erschienen ist). An anderer Stelle heißt es: „Asrak war zudem berühmt; es war die Königin dieser Oasen und mit seinem Grün und seinen rauschenden Quellen schöner als Amruh. Ich hatte jedermann ein Bad versprochen; die Engländer, die sich seit Akaba nicht mehr gewaschen hatten, sehnten sich sehr danach. Aber auch Amruh übte ein Zauber auf sie aus.“ (S. 720, s.o.).

Nach der Besichtigung der Festung lohnt sich ein Besuch im „Shaumari Wildlife Reserve“. Hier kann man auf 22 Quadratkilometern noch den Rest der einstigen wilden Wasser- und Sumpflandschaft besichtigen. Holzstege führen durch die Feuchtgebiete. Im Herbst und Frühjahr finden sich hier viele Zugvögel ein. Wer Glück hat, soll auch Gazellen und Antilopen zu Gesicht bekommen.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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