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Amman

Amman ist die offizielle Hauptstadt sowie das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Jordaniens. Mit rund 2 Millionen Einwohnern ist sie zudem die größte Stadt des Landes. Sie ist mindestens dreitausend Jahre alt und geht auf das biblische Ammon zurück. Die lebendige Metropole breitet sich über eine Landschaft mit sieben Hügeln aus und vereint das pulsierende Leben der modernen Großstadt mit der Tradition einer langen Geschichte.

Video zu den Sieben Hügel von Amman


Die Sieben Hügel von Amman - © STERN TOURS

Wer zum ersten Mal nach Amman kommt, wird erstaunt sein, wie modern die Stadt auf dem ersten Blick wirkt. Im Gegensatz zu vielen anderen großen Städten des Nahen Ostens nimmt die historische Medina nur wenig Raum ein. Amman ist ein blühendes Wirtschafts- und Finanzzentrum. Weil in Jordanien die gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Regeln lockerer gehandhabt werden als beispielsweise am Golf, fühlen sich auch westliche Firmen hier wohl. Für die Touristen steht zumeist die Besichtigung der historischen Stätten im Vordergrund, von denen Amman einiges zu bieten hat.

Rasant wachsendes Amman

Rund 2 Millionen Menschen leben im Großraum von Amman. Zusammen mit der kompletten Einzugsregion sind es sogar über 4 Millionen. Man kann sagen, dass rund die Hälfte aller Jordanier entweder in Amman oder im Umland der Hautstadt lebt. Zum Vergleich: Um 1960 hatte Amman nur rund 200.000 Einwohner, Jordanien insgesamt etwa 1,6 Millionen. Noch um 1900 war Amman eine kleine Medina mit weniger als zweitausend Einwohnern.

Stadt Amman in Jordanien - © STERN TOURS

Die schnell wachsende Bevölkerung erklärt sich nicht nur aus der hohen Geburtenzahl. Vielmehr sind es vor allem die Flüchtlinge aus Palästina, dem Libanon, dem Irak und in letzter Zeit vor allem aus Syrien, die zum Wachstum der Bevölkerungszahl beigetragen haben. Was die Palästinenser angeht, so leben allein in Zentraljordanien rund 2 Millionen. Da Jordanien ein recht friedliches Land ist und der jordanische König sich geschickt aus den Kriegen des krisengeschüttelten Nahen und Mittleren Osten heraushalten konnte, hat sich das Land zu einem Zufluchtsort für Millionen Vertriebene entwickelt.

Moderne Stadt – uralte Geschichte

Zwar ist der größte Teil der rasant wachsenden Metropole modern. Dennoch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass Amman eine uralte Stadt mit zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten ist. Davon zeugen das römische Theater, die Bazare in der Medina nahe der Hussein-Moschee und die Zitadelle, die Amman wie eine Akropolis überragt.

Video zu einer Bäckerei in Amman


Bäckerei in der Hauptstadt Amman - © STERN TOURS

Im Gegensatz zu Damaskus, Aleppo oder Jerusalem war Amman in seiner langen Geschichte nicht durchgehend besiedelt. Aber es war ein Ort, an dem immer wieder Menschen zurückkehrten, um sich dort niederzulassen, bis schließlich im 1. Jahrtausend v. Chr. eine dauerhafte Ortschaft erwachsen war.

Die ersten Spuren einer Besiedlung konnte man bereits für die Jungsteinzeit (dem sogenannten Neolithikum) nachweisen. Am Nordrand einer Vorortsiedlung von Amman wurde 1981 eine faszinierende Entdeckung gemacht. Beim Bau einer Autostraße stießen die Bauarbeiter auf etwas Merkwürdiges, dass Archäologen als Reste einer alten Siedlung identifizierten. Es folgte zunächst eine eilige Notgrabung, die jedoch derart faszinierende Funde zutage brachte, dass das Projekt immer wieder verlängert wurde.

Die Archäologen gruben die Reste einer uralten prähistorischen Ansiedlung aus, die von etwa 7500 bis 5000 v. Chr. bewohnt war. Heute ist diese Ausgrabungsstätte unter dem Namen Ain Ghazal den Archäologen weltweit ein Begriff. Es handelt sich hierbei um eine der ältesten festen Ortschaften der Welt, lediglich von Jericho und ein paar Fundorten in Syrien, Anatolien und im Irak an Alter übertroffen. Mehr als zwei Jahrtausende lang war die Siedlung von Ain Ghazal durchgehend bewohnt. Im Laufe dieser Zeit perfektionierten die Bewohner ihre frühen Formen des Ackerbaus, wechselten die Architekturformen ihrer einfachen Häuser, die zum Teil sogar zwei Stockwerke hatten, und lernten die Herstellung von Keramik kennen. Abgesehen davon, dass Ain Ghazal einen wunderbaren Einblick in die Entwicklung der frühen menschlichen Gesellschaft eröffnete, fand man auch faszinierende Hinweise auf ihren Götter- und Totenkult. So wurden seltsame Gesichtsmasken und Statuen ausgegraben, die auf einen speziellen Ahnenkult hindeuten. Die Funde von Ain Ghazal sind heute im archäologischen Museum von Amman ausgestellt, das unbedingt sehenswert ist.

Auch wenn die Besiedlung von Ain Ghazal gegen 5000 v. Chr. ihr Ende gefunden hatte, so siedelten später an anderen Stellen im Stadtgebiet des heutigen Ammans neue Bevölkerungen. So stieß man beispielsweise 1955 bei Bau eines Flughafens auf Reste eines bronzezeitlichen Tempels. Aus der Eisenzeit, also dem 1. Jahrtausend v. Chr., stammen zahlreiche Überreste von alten Wachtürmen, die auf Hügel in der Umgebung der Stadt gebaut waren. Sie dienten möglicherweise dazu, herannahende Feinde von Weiten rechtzeitig zu erblicken.

Die ersten schriftlichen Erwähnungen der Stadt stammen aus der späten Bronzezeit (etwa 1200 v. Chr.) und frühen Eisenzeit (ab 1000 v. Chr.) sowie aus dem Alten Testament. Dort wurde die Stadt Rabbath Ammon (Rabat Amon) genannt. Dieser Name weist auf die Gegend Ammon hin, in dem der semitische Stamm der Ammoniter lebte, mit denen die Israeliten ein wechselhaftes Verhältnis zwischen Fehde und Frieden pflegten. Ammon, Ruben, Gad, Moab und Edom waren die wichtigsten biblischen Gegenden auf dem Gebiet des heutigen Jordanien. Aus dem Namen Ammon hat sich der Name der heutigen Stadt Amman abgeleitet.

Wie das nur 60 km entfernte Jerusalem, war auch Amman seit Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. immer wieder von Eroberern heimgesucht worden. Zuerst kamen mehrfach die Assyrer, dann die Babylonier, schließlich die Perser, die Amman in ihr Reich einverleibten. Die klasse Antike hielt mit den Eroberungen durch Alexander dem Großen Einzug in die Region. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurde Amman hellenisiert, d.h. in seiner Kultur und Gesellschaftsform griechisch geprägt. Unter dem ptolemäischen König Ptolemäus II. Philadelphos, dem griechisch-makedonischen König von Ägypten, wurde Amman in Philadelphia umbenannt. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. war Amman Teil des ebenfalls hellenisierten Seleukidenreiches, das von Syrien bis nach Persien reichte. Anschließend gehörte Philadelphia (Amman) zum Gebiet des arabischen Nabatäer, bis schließlich im Jahre 106 n. Chr. Amman Teil des Römischen Reiches wurde. Ebenso wie Damaskus, gehörte Amman zur sogenannten Dekapolis, einem Bund von 10 bedeutenden Handelsstädten der inneren Levante. Diese zehn Städte waren zwar offiziell Teil des Römischen Reiches, genossen aber gewisse Autonomierechte. Dies nutzen sie speziell für den damals lukrativen Karawanenhandel zwischen Arabien, Persien und der Mittelmeerküste aus, der durch diese Städte verlief. Aus dieser Zeit stammen die meisten antiken Ruinen in Amman.

Nach der Teilung des Römischen Reiches um 395 n. Chr. fiel Amman zusammen mit dem ganzen östlichen Mittelmeerraum in die Obhut des oströmischen beziehungsweise byzantinischen Reiches und wurde von Konstantinopel aus regiert. In dieser Zeit war das Christentum im Vorderen Orient bereits weit verbreitet. Das zu jener Zeit immer noch Philadelphia genannte Amman war Bischofssitz. Im Jahre 614 eroberten die Sassaniden aus Persien Amman. Doch bereits nach zehn Jahren zogen sich diese wieder zurück. In den Jahren 634 bis 638 eroberten die Araber die Levante. Damit wurde auch Amman Teil der arabisch-islamischen Welt.

Im späteren Mittelalter und in der frühen Neuzeit verlor die Stadt an Bedeutung. Der Karawanenhandel und die Oasenwirtschaft verloren an Bedeutung. Die Bevölkerungszahl der Stadt ging zurück. Nomaden breiteten sich aus. Als die Türken 1516 nach Amman kamen, um sie ihrem Osmanischen Reich einzuverleiben, war die Stadt bereits zu einem ärmlichen Dorf verkümmert. Die Türken stationierten hier zeitweise Truppenkontingente und siedelten Tscherkessen an. Dennoch gewann Amman zunächst kaum wieder an Bedeutung. Erst als Ende des 19 Jahrhunderts die Türken die sogenannte Hedschas-Bahn bauen ließen, eine Eisenbahnstrecke, die Damaskus mit Medina in Arabien verbannt, wurde Amman als wichtige Haltestation wieder ein nennenswerter Ort.

Die Neuzeit Ammans begann jedoch mit König Abdullah I. von Jordanien. Ihm war es zu verdanken, dass Amman zur Hauptstadt des neuen Staates erkoren wurde. Damit begann der wirtschaftliche Aufschwung. Alle Regierungsinstitutionen wurden hier eingerichtet, der Handel konzentrierte sich auf die neue Hauptstadt. Einen weiteren Aufschwung erlebte Amman durch die Gründung des Nachbarstaates Israel und dem anschließenden arabisch-israelischen Krieg. Unzählige Palästinenser flohen aus Palästina nach Jordanien und ließen sich zumeist in Amman oder in der nahen Umgebung der Stadt nieder. Wurden sie noch anfangs als Problem angesehen, integrierten sich viele Palästinenser recht schnell und wurden so zu einem wichtigen Teil der jordanischen Bevölkerung und trugen zum Aufstieg der Stadt Amman bei.

Sehenswürdigkeiten in Amman

Eingebettet in den Hang eines Jebel el-Jaufa genannten Hügels erheben sich die Stufen eines prächtigen antiken Theaters aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Die imposante Anlage gilt als eines der am besten erhaltenen antiken Theater des östlichen Mittelmeerraumes. Der relativ gute Erhaltungszustand des Bauwerks erklärt sich dadurch, dass Teile des Theaters lange Zeit verschüttet waren und somit vom Raubbau verschont blieben. Denn die meisten Ruinen der Antike litten weniger unter Erdbeben und wetterbedingter Erosion als vielmehr unter dem Steinraub späterer Generationen. So wurden immer wieder Bauten als Steinbrüche genutzt, um mit dem Material neue Bauten zu errichten. In der Antike sollen rund 6000 Zuschauer auf der Bühne des Theater Platz gefunden haben. Das Bühnengebäude maß ursprünglich 95 m in der Breite und 16 m in der Tiefe. Wie viel Geschosse das Bühnenbauwerk hatte, ist unbekannt. Ähnlichen Anlagen nach zu urteilen dürften es zwei bis drei gewesen sein. Die Form des Theaters ermöglichte es auch den Zuschauern auf den hinteren Rängen, die Inszenierungen, Dialoge, Monologe und Gesänge der Schauspieler zu verstehen. Von antiken Dramen bis hin zu kurzweiligen Lustspielen gab es ein breites Spektrum an Unterhaltung, mit dem das Volk unterhalten wurde.

In unmittelbarer Nähe des römischen Theaters befindet sich das sogenannte Odeum. Es handelt sich hierbei um eine kleinere Version eines Theaters, das speziell für Gedichtsrezitationen oder Musikvorführungen geeignet war. Das Odeum in Amman ist ebenfall relativ gut erhalten, wobei allerdings ein großer Teil restauriert ist. Im Gegensatz zum großen Theater hinterlässt es einen fast gemütlichen und privaten Eindruck. Erbaut wurde das Odeum ebenfalls im 2. Jahrhundert n. Chr.

Video zum Nymphäum römischer öffentlicher Brunnen


Nymphäum römischer öffentlicher Brunnen - © STERN TOURS

Etwas westlich der beiden Theater liegt das römische Forum. Im Gegensatz zu den Theatern sind die Gebäude des Forums in einem wesentlich schlechteren Erhaltungszustand. Einige Mauern und Säulen stehen noch aufrecht. Die meisten Bauten des Forums stammen etwa aus derselben Epoche wie die beiden Theater.

Rund einen halben Kilometer westlich der Theater steht das Nymphäum, eine antike Brunnenanlage mit Prachtfassade und Säulen. Hier erfrischten sich die Menschen der Stadt mit Wasser und trafen sich zum Plaudern und Stelldichein.

Etwas nördlich des Nympheums erhebt sich die Hussein-Moschee. Sie ist kein Bau des islamischen Mittelalters, sondern wurde 1924 unter der Schirmherrschaft des neuen Haschemitenkönigs errichtet. Die unterschiedlichen hohen schlanken Minarette erinnern an die osmanische Architektur. Doch der Rest der Moschee verweist auf die arabische Bautradition der frühislamischen Hofmoschee.

Gegenüber des Jebel el-Jaufa, an dessen Nordhang sich das große Theater schmiegt, liegt ein anderer bedeutender Hügel: der Zitadellenhügel (Jebel el-Qala, Festungshügel). Man kann ihn zu Fuß vom Theater und Forum aus erreichen. Der Zitadellenhügel ist eine archäologisch herausragende Sehenswürdigkeit. Denn hier brachten archäologische Ausgrabungen Gebäude aus unterschiedlichen Epochen zutage.

Der Zitadellenhügel überragt wie eine Akropolis die Nordoststadt von Amman. Seit der Bronzezeit war der Hügel fast durchgängig bewohnt. Zu den historischen Bauten auf dem Hügel gehören die römischen Festungsanlagen, die in frühislamischer Zeit ausgebaut wurden, die Ruinen eines (vermutlich dem Herkules geweihten) römischen Tempels aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., von dem nur noch wenige Säulen aufrecht stehen, Überreste einer dreischiffigen byzantinischen Basilika aus dem 6. Jahrhundert sowie die Ruinen einer quadratischen Burgfestung („Qasr“ genannt) aus frühislamischer Zeit. Die Festung war Teil eines Omayyaden-Palastes, der fast den gesamten Nordbereich des Zitadellenhügels einnahm.

Die schönsten und wichtigsten Fundobjekte und Artefakte, die man auf dem Zitadellenhügel und auch sonst in Amman gefunden hat, sind im 1951 gegründeten archäologischen Museum ausgestellt, das sich ebenfalls auf dem Zitadellenhügel befindet. Hier sind auch die archäologischen Highlights anderer Fundorte Jordaniens ausgestellt, von der Jungsteinzeit bis zur spätrömischen und byzantinischen Epoche. Zu den ältesten Funden gehören die Statuen aus dem oben beschriebenen genannten Fundort Ain Ghazal.

Ein weiteres wichtiges Museum in Amman ist das neue „Jordan Museum“, indem sowohl historische und archäologische Artefakte aus vorgeschichtlicher, antiker, christlicher und islamischer Zeit wie auch volkskundliche Objekte ausgestellt sind. Außerdem sind auch Kunstwerke jüngeren Datums und moderne Kunst zu sehen.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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