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Wadi Kelt (Wadi Qilt)

Östlich von Jerusalem durchschneidet ein canyonartiges Wadi die Wüste Juda und mündet im Jordantal bei Jericho. Es handelt sich um das Wadi Kelt (Qilt). An den steilen Felswänden des Wadis hängt über einer tiefen Schlucht das griechisch-orthodoxe Wüstenkloster des Heiligen Georg von Koziba.

Die Landschaft der Wüste Juda zwischen Jerusalem und dem Jordangraben hat einige Überraschungen zu bieten. Eine beeindruckende Naturschönheit ist das Wadi Kelt (Wadi Qilt). Steile Felswände, tiefe Schluchten und raue Canyons durchschneiden die Wüstenlandschaft. Der östliche Abschnitt ist besonders markant.

Die meiste Zeit des Jahres ist das Wadi trocken oder führt nur wenig Wasser. Doch im Winter kann es nach heftigen Regengüssen zu bedrohlichen Wasserfluten kommen, die sich durch das Wadi schieben. Gespeist wird das Wadi durch drei Hauptquellen, die auf Arabisch Ain Qilt, Ain Farah und Ain Fawar genannt werden. Bei Wanderungen durch das Wadi sollte man große Sorgfalt bei der Berücksichtigung der Jahreszeit und des Wetters nehmen.

Neben der faszinierenden Canyon-Landschaft beeindrucken immer wieder die archäologischen Überreste aus alter Zeit, denen man während der Wanderung begegnet. Immer wieder trifft man auf Wasserleitungen und Aquädukte aus der klassischen Antike.

Doch nicht nur im Wadi selbst, auch in seiner unmittelbaren Nähe ist die Landschaft der Wüste Juda mit interessanten Ruinen und Fundorten übersäht. In der Antike hatten sich in diese Einöde viele religiöse Sekten niedergelassen. Die Wüste Juda war nach biblischer Überlieferung ein Rückzugsort des Jesus von Nazareth. Nach dem Vorbild Jesu pilgerten in frühchristlicher Zeit viele Gläubige in die Wüste, um es ihm nachzutun. Besonders in der byzantinischen Epoche des vierten und fünften Jahrhunderts gründeten viele Mönchsgemeinschaften hier ihre Klöster. Hinzu kamen unzählige christliche Einsiedeleien. Mit der islamischen Eroberung Palästinas im 7. Jahrhundert wurden viele Klöster und Einsiedeleien aufgegeben. Doch mehr als tausend Jahre später, im 19. Jahrhundert, erlebten sie eine Renaissance.

Das St. Georgs-Kloster im Wadi Kelt (Wadi Qilt)

Rund 20 Kilometer östlich von Jerusalem, in der Nähe von Jericho und nur wenige Kilometer vor der Mündung des Wadi Kelt in das Jordantal entfernt, befindet sich eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Region, eingebettet in eine atemberaubende Felslandschaft. Es handelt sich im das St. Georgs-Kloster. Wie Vogelnester hängen die einzelnen Gebäude des Klosters an der Wand des Canyons.

Das St. Georgs-Kloster stammt aus dem 5. Jahrhundert, war also in byzantinische Zeit gegründet worden. Zu jener Zeit war das Christentum die dominierende Religion nicht nur in Palästina, sondern im gesamten östlichen Mittelmeerraum. Bereits vor der Gründung des Klosters lebten im Umfeld des Klosters und allgemein im Wadi Kelt zahlreiche Emeriten.

Das Kloster war von dem aus Ägypten kommenden Mönch Johannes von Theben gegründet worden. Die Idee des Klostergedankens hatte dort einen ihrer Ursprünge. Ägypten war zu jener Zeit ein stark christliches Land mit vielen frühen Klöstern und Einsiedlern am Rande der Wüste. Geweiht war das Kloster der Jungfrau Maria. Der Name des Klosters bezieht sich allerdings weder auf die Weihung noch auf den Gründervater, sondern auf einen langjährigen Abt, der das Kloster in seiner frühen Phase ausbaute. Dieser Abt war Georg von Konziba.

Die Blütezeit des Klosters währte nur kurz. Bereits im Jahre 614 eroberten die Perser Palästina. Der persische Sassaniden-König Chosrau hatte in umfangreichen Feldzügen dem Oströmischen Reich große Gebiete abgerungen und drang mit seinem Heer bis nach Ägypten vor. Die Perser hatten auf ihrem Weg durch Palästina zahlreiche Klöster und christliche Stätten zerstört, darunter auch das St. Georgs-Kloster im Wadi Kelt. Die Mönche des Klosters wurden von den Persern umgebracht. Noch heute werden zum Gedenken des Massakers die Gebeine dieser Mönche im Kloster aufbewahrt.

Nach dem Rückzug der Perser und der Rückeroberung Palästinas durch die christlichen Byzantiner blieb nicht genügend Zeit, um das Kloster wieder aufzubauen und mit neuem Leben zu füllen. Denn schon im Jahre 638 eroberten die islamischen Araber Palästina. Mit dem Christentum ging es bergab. Die Christen wurden schnell zu einer Minderheit. Viele Klöster wurden endgültig aufgegeben.

Es war erst im Mittelalter, als die Kreuzritter aus dem Abendeland mit einer erneuten Christianisierung des Heiligen Landes begannen, als das St. Georgs-Kloster im Wadi Kelt noch einmal eine kurze Wiederbelebung erfuhr. Doch diese Renaissance war nur von kurzer Dauer und nicht nachhaltig, weil die Kreuzfahrer sich Ende des 13. Jahrhunderts wieder aus Palästina zurückziehen mussten und der Islam wieder dominierende Religion wurde. Zudem nahm insbesondere in der Zeit des Osmanischen Reiches die Bevölkerung Palästinas stark ab, so dass sich die Christen nur an wenigen Orten konzentrierten.
Erst relativ spät, und zwar im 19. Jahrhundert, wurde das Kloster in der heutigen Form wieder aufgebaut. Die wichtigsten Bauarbeiten wurden 1878 begonnen und 1901 abgeschlossen. Die meisten Gebäude und Anlagen, die man heute im Kloster besichtigen kann, stammen daher aus dieser Zeit. Doch an manchen Stellen lässt sich noch Bausubstanz und Dekoration, wie zum Beispiel Mosaike aus der Epoche des alten Byzanz und der ersten Blütezeit des Klosters, besichtigen.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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