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Jericho

Der biblische Ort Jericho ist die älteste bewohnte Stadt der Welt und zugleich die am tiefsten gelegene. Etwa 258 Meter unterhalb des Meeresspiegels haben Quellen schon vor Jahrtausenden Menschen zur Gründung einer Siedlung veranlasst. Nach dem Buch Josua war Jericho die Stadt, deren Mauern durch die Posaunen der Israeliten einstürzten.

Video zu Jericho der ätesten Stadt der Welt


Jericho ist die äteste Stadt der Welt - © STERN TOURS

Rund zwanzigtausend Menschen leben in der Oasenstadt Jericho und den Gärten ihrer Umgebung. Etwa 40 Kilometer von Jerusalem entfernt, liegt die Stadt inmitten des palästinensischen Westjordanlandes. Daher ist ein Besuch dort immer von der aktuellen politischen Lage abhängig. Sind die aktuellen Bedingungen gut, kann man mit dem Taxi oder Mietwagen von Jerusalem oder Tel Aviv direkt bis nach Jericho fahren. Am besten eignet sich die Kombination der Besichtigung von Jericho mit einem Besuch des Jordans (Entfernung: ca. 10 Kilometer) des Toten Meeres (Entfernung etwa 15 Kilometer) und der Festung Masada.

Schon vor vielen Jahrtausenden waren es die Süßwasserquellen und das saftige Grün in ihrer Umgebung, die immer wieder die Nomaden der Umgebung anlockten und schließlich zur Ansiedlung motivierten. Auch wenn das Klima im Laufe der letzten Jahrtausende schwankte, war Jericho wegen seiner Lage schon immer eingebettet in eine heiße und trockene Landschaft. Wie am Toten Meer und in der Negev-Wüste, sind die Sommer in dieser Gegend extrem heiß. Im Gegensatz zur Küstenregion Israels ist es hier auch im Winter trocken bei milden Temperaturen. Im Altertum und im Mittelalter war Jericho als Winterresidenz der Herrscher beliebt. Ein Grund für die hohen Temperaturen ist die tiefe Lage des Ortes: Jericho liegt im Jordangraben, etwa 250 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Damit ist Jericho die am tiefsten gelegene Stadt der Welt.

Die archäologische Stätte von Jericho am Tell es-Sultan

Berühmt ist Jericho wegen seiner Erwähnung in den Heiligen Schriften, aber auch wegen der dortigen archäologischen Ausgrabungen, die Erstaunliches zutage brachten. Der rund zwanzig Meter hohe Ruinenhügel von Jericho, Tell es-Sultan auf Arabisch und Tel Yeriho auf Hebräisch genannt, beherbergt die Geheimnisse einer rund 12.000 Jahre alten Besiedlungsgeschichte. Keine andere Stadt der Welt kann auf eine so lange Geschichte zurückblicken. (Hinweis: Neben dem Ausgrabungsgelände befindet sich die Talstation der Bergbahn, die zum sogenannten Berg der Versuchung und dem dortigen Kloster hinauf führt.)

Der Ruinenhügel von Jericho, Tell es-Sultan - © STERN TOURS

Anfangs waren es steinzeitliche Jäger und Sammler, die zeitweise in der Oase lagerten. Doch vor etwa 10.000 Jahren begannen die Bewohner der Region, in Jericho langfristige Lager aufzuschlagen und schließlich sesshaft zu werden. Sie begannen Oasenfeldbau zu betreiben und Vieh (anfangs waren es Schafe) zu züchten. Aus dieser frühen Epoche der Besiedlung stammt ein einzigartiges Bauwerk. Es handelt sich um einen steinernen Rundturm mit etwa 10 Metern Durchmesser. Mit ungefähr 10.000 Jahren ist dies der älteste steinerne Turm der Welt, mehr als doppelt so alt wie die ägyptischen Pyramiden! Er war Teil einer Mauer, die die Siedlung vor Eindringlingen und wilden Tieren schütze. Die Häuser der Bewohner waren anfangs aus Stampflehm errichtet. Im 7. Jahrtausend v. Chr. fingen die Bewohner von Jericho an, rechteckige Häuser aus Lehmziegeln zu errichten. Allerdings war die Besiedlung in dieser frühen Periode der Stadtgeschichte nicht durchgängig. Es gab immer wieder Phasen, an denen der Ort aufgegeben oder von Erdbeben oder Angreifern zerstört wurde, um einige Zeit später wieder neu besiedelt und aufgebaut zu werden.

Während der Bronzezeit, im dritten und zweiten Jahrtausend vor Christus, war Jericho wie die meisten Orte Palästinas, eine kanaanitische Stadt. Die Zerstörung des kanaanitischen Jericho durch Josua und die Israeliten, wie sie in der biblischen Überlieferung berichtet wird, bei dem die Mauern durch die Posaunen und den Kriegsgesang der israelitischen Kämpfer zu Fall gebracht worden seien, könnte auf eine historischen Zufall zurückgehen, bei dem sich während einer Belagerung ein Erdbeben ereignete, das zum Vorteil der Angreifer die Mauern der Stadt niederriss. Tatsächlich hat es in Palästina und Syrien zahlreiche Erdbeben gegeben, die teilweise so stark waren, dass sogar Befestigungen einbrachen.

In der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus war Jericho für mehrere Jahrhunderte Teil des ägyptischen Großreiches, das sich weit über die Levante erstreckte. Zum Ende der Bronzezeit und mit dem Ende der ägyptischen Vorherrschaft über Palästina verlieren sich auch die Besiedlungsspuren von Jericho. Es scheint, als wäre der Ort für zwei bis drei Jahrhundert unbewohnt gewesen. Diese Fundlücke kann aber auch mit dem Stand der Ausgrabungen zu tun haben, denn große Teile der antiken Stadt sind noch nicht vollständig erforscht. Es ist davon auszugehen, dass es auch unter der heutigen Stadt Jericho noch Ruinen und Reste von Siedlungen gibt, die das Bild von der Besiedlungsgeschichte der Oase Jericho ergänzen könnten.

Auf dem zentralen archäologisch untersuchten Siedlungshügel Tell es-Sultan sind ab 1000 v. Chr. wieder Siedlungsspuren nachzuweisen. In alttestamentlicher Zeit war Jericho ein Teil der hebräischen Kultur. König Ahab soll die Stadt wieder aufbauen lassen haben. Jericho blieb in dieser Epoche allerdings eine verhältnismäßig unbedeutende Stadt.

Historisch erwähnt wird Jericho im Zusammenhang mit der Eroberung Palästinas durch den babylonischen Herrscher Nebukadnezar II., der im Jahre 587 v. Chr. Jerusalem eingenommen und einen Teil der hebräischen Bevölkerung ins babylonische Exil geführt hatte. Der Überlieferung nach soll Zedekia, der damalige König von Juda, nach Jericho geflohen sein, wo er von den Babyloniern gefangen genommen wurde. Nachdem man vor seinem Angesicht seine Söhne getötet hatte, wurden seine Augen geblendet, so wird berichtet. Auch aus Jericho wurden Bewohner fortgeführt. Die Oasenstadt verwahrloste.

Die archäologische Stätte mit den Ruinen der Perserzeit und aus der klassischen Antike

Nach dem Ende des babylonischen Exils und der Rückkehr vieler Hebräer, wurde rund eineinhalb Kilometer südöstlich des alten Siedlungshügels am Eingang zum Wadi Qilt eine neue Siedlung gegründet. Diese Siedlung blieb bis in die klassische Antike erhalten. Die Ruinen dieser Epoche liegen westlich vom modernen Ortskern Jerichos.

Die Stadt wurde von Jahrhundert zu Jahrhundert weiter ausgebaut und überdauerte Perserzeit, Ptolemäer- und Seleukiden-Herrschaft. Zum Ende der hellenistischen Epoche wurde Jericho zu einer bedeutenden Stadt der jüdischen Hasmonäer-Dynastie. Die Stadt war mit wehrhaften Mauern befestigt. Auch Paläste waren errichtet worden. Hiervon zeugen die Ruinen des Abschnitts Tulus Abu al-Ayalik. Auf der Nordseite des Wadi Qilts hatten die Hasmönäer einen rund 50 mal 50 Meter großen Palast errichten lassen. Hier residierte auch der berüchtigte König Herodes. Hinzu kamen weitere Palastanlagen. Oberhalb des Wadis ließ Herodes einen zusätzlichen Palast bauen. Man kann sogar noch die Raumgruppen der Palastanlage unterscheiden. Es gab eine große Empfangshalle, Höfe, Privatgemächer und sogar Thermen für das Wohlbefinden und für rituelle Reinigungen. Eine dritte Palastanlage entstand auf der anderen Seite des Wadis. Die Räumlichkeiten dieses rechteckigen Palastes gliederten sich um einen fast quadratischen Peristylhof. Schließlich gibt es weiter südlich noch die Ruinen von Tell el-Akaba. Hierbei handelt es sich um eine Festungsanlage der Perser, die Herodes hat weiter ausbauen lassen. Sie war Teil eines Netzes von Schutz- und Fluchtburgen des Herrschers, zu denen auch die Bergfestung Masada am Toten Meer gehörte.

Der Berg der Versuchung und das griechisch-orthodoxe Kloster von Jericho

Eine weitere Sehenswürdigkeit im Umfeld der Oase von Jericho ist der 348 Meter (über dem Meeresspiegel und rund 600 Meter oberhalb von Jericho) hohe Berg Gebel Qarantal (Dschebel Qarantal). Das Felsmassiv mit steilen Klippen ist für die Christen ein heiliger Ort. Hier soll sich Jesus Christus, nach der Taufe am Jordan durch Johannes dem Täufer, vierzig Tage lang in die Einsamkeit zurückgezogen und gefastet haben. Nach der biblischen Überlieferung im Matthäus-Evangelium, Kapitel 4, war an diesem Ort Jesus einer Versuchung ausgesetzt, der er widerstand. Der Teufel soll ihm erschienen sein und ihm beim Anblick des Landes vom Berge aus die Welt als irdisches Königreich angeboten haben. Die Szenerie des einsamen Wüsteneinsiedlers, der sich den irdischen Versuchungen entsagt, wurde von vielen Heiligen übernommen, wie zum Beispiel vom Heiligen Antonius in der ägyptischen Wüste.

Eingedenk der Versuchungsanekdote pilgern noch heute christliche Gläubige auf dem Berg, um die Aussicht auf das Jordantal und die Wüste Juda nachzuvollziehen, die sich einst auch Jesus geboten haben soll. Von Jericho aus, und zwar unmittelbar in der Nähe der Ausgrabungsstätte, führt eine Seilbahn auf den Berg. Die Fahrt mit der Seilbahn eröffnet zahlreiche unvergessliche Fernblicke und die Möglichkeit, die archäologischen Ruinen aus der Vogelschau zu sehen. Oben auf dem Berg wird der Besucher von einem Café und Restaurant begrüßt. Weiter oberhalb ist das griechisch-orthodoxe Kloster in die Felslandschaft eingefügt. Das Kloster war im 6. Jahrhundert gegründet worden. Doch die Anlagen und Gebäude, die man heute sieht, stammen größtenteils aus dem 19. Jahrhundert. Wer noch etwas weiter den Berg hinauf wandern möchte, kann die Ruinen einer alten hellenistischen Festung aus der Zeit der Seleukiden und Hasmonäer besichtigen.

Der Omayyadenpalast aus dem islamischen Mittelalter

Eine historische Sehenswürdigkeit aus einer ganz anderen Epoche brachten Archäologen bei Ausgrabungen 1935 zutage. Es handelt sich um die Ruinen aus einem frühmittelalterlichen Kalifenpalast, der im 8. Jahrhundert unter dem Kalifen Hischam Ibn Abd-el Malik als Winterresidenz errichtet wurde. Die eigentliche Hauptstadt der Kalifen jener Zeit war Damaskus, doch auf ihren Reisen und Jagdausflüge sowie zur regnerischen Winterzeit bezogen sie auswärtige Quartiere. Der heutige arabische Name dieses Palastes lautet Chirbet el-Mafyir, was „Ruinen von Mafyir“ bedeutet. Der Palast war nicht lange genutzt worden, denn nur wenige Jahrzehnte nach dessen Fertigstellung wurde er von einem gewaltigen Erdbeben zerstört.

Der Palast war einst von Befestigungsmauern umgeben, von denen man an manchen Stellen noch Überreste vorfindet. Die Palastanlage selbst wird durch ein Tor auf der Ostseite betreten. Die wichtigsten Räume des Palastes gliedern sich um einen offenen Innenhof. Die Wohn- und Gästeräume zweigen nach Osten und Westen ab. Der Audienzsaal befand sich im Zentrum der westlichen Räume. Ein weiterer Audienzbereich lag im nördlichen Palastbereich. Der Palast war ursprünglich mindestens zweistöckig. Nördlich der Residenzgebäude befinden sich das große Badehaus mit einer großen Badehalle mit 16 Pfeilern, ein Heißbaderaum, einem Schwimmbecken und einem Diwan als Ruheraum. Im Badehaus wurden prächtige Mosaiken gefunden.

Die Kunst und Architektur des Badehauses aber auch die vielen anderen Stilelemente des Palastes erinnern daran, wie sehr die frühislamische Architektur der ersten Kalifen an die römisch-byzantinische Kunst- und Bauweise anschloss. Einige wichtige Kunstwerke aus dem Palast sind heute im Rockefeller-Museum in Jerusalem ausgestellt.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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