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Memphis

Im Altertum war Memphis fast drei Jahrtausende lang die größte Stadt Ägyptens. Ihre Ruinen liegen rund 20 Kilometer südwestlich von Kairo. Erhalten sind die Überreste von Tempeln, Palästen und eine Monumentalfigur von Pharao Ramses II.

Die Besichtigung der Nekropolen und Pyramiden von Sakkara lässt sich ideal mit einem Abstecher nach Memphis verbinden. Memphis liegt nur rund 3 Kilometer von Sakkara entfernt. Die Tatsache, dass alle Pyramiden und Pyramidenstädte westlich des Nil zwischen Kairo und der Fayum-Oase liegen, hängt mit der alten Metropole Memphis zusammen. Die Stadt hatte phasenweise immer wieder die Funktion einer Hauptstadt und königlichen Residenzstadt. Daher ließen sich die Pharaonen des Alten und Mittleren Reiches nicht allzu weit entfernt von der wichtigsten Stadt des Landes bestatten – vergleichbar der Nekropole des Neuen Reiches, dem Tal der Könige, das unmittelbar westlich des alten Theben liegt. Im gewissen Sinne war Memphis die Vorgängerstadt von Alt-Kairo (Fustat) und Kairo (Al-Qahira), denn die Stadt folgte dem sich verändernden Flusslauf. Die Region von Memphis und Kairo war als Bindeglied zwischen dem Niltal und dem Delta wie geeignet als "Waage beider Länder".

Ihrer Gründungsmythologie entsprechend, wurde Memphis von Pharao Menes geschaffen, nach dem Geschichtsschreiber Manetho der erste Pharao, der vor fünftausend Jahren Ober- und Unterägypten vereint hatte. (Heute nimmt man allerdings an, dass dieser Einigungs- und Gründungsprozess auf mehrere Könige zurückging und nicht von heute auf morgen vollzogen wurde.) Der Name Memphis geht übrigens auf die altägyptische Bezeichnung Men-Nefer-Pepi zurück. Dies war der Name der Pyramidenstadt von König Pepi I. (Altes Reich, um 2300 v. Chr.) im nahen Sakkara.

Obwohl im Neuen Reich Theben eine wichtige Funktion als königliche Residenzstadt und heilige Stadt des Gottes Amun-Re innehatte, blieb Memphis weiterhin die größte Stadt des Landes. Die Pharaonen wechselten häufig den Standtort ihrer Residenz und Regierung. Memphis lag näher an den politischen Brennpunkten des Nahen Ostens. Von hier aus marschierten die Truppen nach Palästina und Syrien. Später übernahmen zeitweise Tanis und Piramesse, zwei Städte im Delta, diese Funktion.

Bereits zuvor, während der sogenannten Zweiten Zwischenzeit, d.h. zwischen dem Mittleren und Neuen Reich, war zeitweise die Königsresidenz der Hyksos-Herrscher im Delta gelegen. In ihrer Hauptstadt Auaris hatte man Statuen und Spolien (wiederverwendete Baublöcke) aus Memphis gefunden. Auch in späteren Zeiten, als Memphis bereits aufgegeben war, wurde viel steinernes Baumaterial der Tempel abgeräumt und nach Alt-Kairo und später Kairo verschafft, um dort anderweitig verbaut zu werden. Die Lehmziegel der alten Häuser wurden von den Fellachen, den Bauern der Umgebung gebrochen und zu Düngemittel für die Felder zerrieben. So kommt es, dass von der einst größten Stadt Ägyptens nur noch ein spärliches Ruinenfeld übriggeblieben ist. Dennoch lohnt sich ein Besuch.

Was gibt es in Memphis zu sehen?

Die Ruinen verteilen sich auf ein großflächiges Gebiet, das von Landwirtschaft und Palmenhainen durchzogen ist. Dazwischen liegt ein arabisches Dorf, Mit-Rahina genannt.

Unbedingt sehenswert sind die Kolossalfigur von Ramses II. aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. und die Alabastersphinx von Amenophis II. (15. Jahrhundert v. Chr.). Die monumentalen Figuren geben einen Eindruck davon, wie groß der Ptah-Tempel von Memphis einst gewesen sein muss.

Die liegende Kolossalfigur von Ramses II. stand einstmals mehr als 13 Meter hoch aufrecht am Eingang zum Tempel des Ptah. Nach ihrem Umsturz war teilweise von Sand und Erde zugeweht und wurde erst 1888 von Archäologen wieder ausgegraben. Um die Monumentalstatue vor Wind und Witterung zu schützen, hat man eine Halle über sie errichtet. Ein Umgang im Erdgeschoss und ein zweiter erhöhter Umgang ermöglichen es dem Besucher, die Kolossalfigur aus mehreren Perspektiven zu bestaunen. Füße und Beine sind zerstört. Der Oberkörper ist noch gut erhalten. Ramses trägt die Doppelkrone von Ober- und Unterägypten auf dem königlichen Kopftuch und eine Uräusschlange an der Stirn. An seinem Kinn trägt er einen Zeremonialbart. Bekleidet ist er mit einem gegürtelten Schurz. An mehreren Stellen ist sein Name in Hieroglyphen angegeben.

Die aus der 18. Dynastie stammende Alabastersphinx stand ebenfalls im Eingangsbereich des Ptah-Tempels. Sie wurde 1912 von dem berühmten britischen Archäologen W.M. Flinders Petrie ausgegraben. Sie ist 8,70 Meter lang, 4,70 Meter hoch und hat ein Gewicht von ungefähr 80 Tonnen.

Vom Ptah-Tempel selbst sind nur noch wenige Ruinen, Steine und Blöcke übriggeblieben, die über ein weites Feld zerstreut sind. Der Tempelbezirk hatte einst gigantische Ausmaße. Die Umwallung des Tempels hatte die Form eines unregelmäßigen Vierecks mit Seitenlängen von etwa 410, 580, 480 und 630 Metern. Der Ptah-Tempel von Memphis gehörte zusammen mit dem Tempel des Sonnengottes Re-Harachte in Heliopolis und dem Heiligtum des Reichsgottes Amun-Re in Karnak / Theben zu den drei größten Tempeln Ägyptens. Im Neuen Reich waren diese drei Tempel und ihre Priesterschaften sehr einflussreich. Sie waren zudem seit dem Neuen Reich die größten Landgutbesitzer Ägyptens. Zum Ptah-Tempel gehörte auch das Heiligtum der Apis-Stiere. Dies waren für heilig erklärte Tiere, in denen man die Verkörperung des Gottes Ptah zu erkennen glaubte. Die verstorbenen Stiere wurden in speziellen Katakomben im nahen Sakkara bestattet, und zwar in dem berühmten Serapeum, das man noch heute besichtigen kann. Im Ptah-Tempel wurden Ruinen eines Balsamierungshauses entdeckt, in dem die Stiere mumifiziert wurden, um sie dann in Sakkara zu bestatten.

Südöstlich des Ptah-Tempels gibt es den Ruinenbezirk eines weiteren Ptah-Tempels. Dieser war jedoch wesentlich kleiner. Zusammen mit einem kleinen Palast war er im 13. Jahrhundert v. Chr. von Pharao Merenptah erbaut worden.

Ein dritter Tempelbezirk wurde nördlich von Mit-Rahina ausgegraben. Diese Ruinen stammen aus der Spätzeit bzw. aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Teil dieses Bezirks war ein spätzeitlicher Palast des Pharao Apries (26. Dynastie).

Wissenswert:

Der Name "Ägypten" geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Namen des Ptah-Tempels von Memphis zurück. Einer seiner Namen war: „Hut-ka-Ptah“. Das bedeutet: „Haus der Ka-Seele des Gottes Ptah“. Die abgekürzte Version war Ka-Ptah. Daraus leiteten die Griechen ihr Wort für Ägypten ab: Aigyptos; ebenso die Römer: Aegyptus. Auch die Bezeichnung der ägyptischen Christen als „Kopten“ geht auf diesen Namen zurück.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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