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Tal der Könige

Mythen und Legenden ranken um diesen einzigartigen Ort: Das Tal der Könige ist die weltberühmte Ruhestätte der ägyptischen Pharaonen. Während von 2700 bis 1600 v. Chr. die Könige in den Pyramiden bestattet wurden, begann man gegen 1500 v. Chr., tiefe Schächte in die Felsen eines Wüstentales bei Theben (heute Luxor) zu treiben, um dort die verstorbenen Herrscher zu bestatten.

Das Tal der Könige liegt am Westufer des Nil bei Luxor. Hier wurden vom 16. bis zum 11. Jahrhundert v. Chr. die mächtigen Herrscher des alten Ägypten in tiefen dunklen Schachtgräbern beigesetzt, umgeben von unermesslichen Schätzen. Ein 489 m hohes Felsmassiv mit einer pyramidenförmigen Spitze, von den Einheimischen El-Qurn genannt, symbolisierte eine Art natürliche Pyramide. Im tief eingeschnittenen Tal unterhalb dieses Berges sollten die großen Pharaonen des sogenannten Neuen Reiches ihre letzte Ruhestätte und ihren Weg ins Jenseits finden. Die Araber nennen das Tal „Wadi Biban el-Moluk“, was wörtlich übersetzt „Tal der Tore der Könige“ bedeutet.

Bereits im Altertum war das Tal wegen der Schätze, die den toten Königen als Grabbeigaben mitgegeben wurden, legendär. Als im 19. und 20. Jahrhundert die Archäologen und Ägyptologen die Gräber systematisch erforschten, waren fast alle ausgeraubt und leer. Die meisten wurden schon in der Antike und im Mittelalter geplündert. Lediglich das Grab des Tutanchamun enthielt noch den kompletten Grabschatz. Es zählt noch heute zu den bedeutendsten archäologischen Funden überhaupt.

Auch wenn die Gräber sich dem heutigen Besucher als leere Schächte im Fels präsentieren, ist dennoch von ihrer geheimnisvollen Atmosphäre viel geblieben. Dies liegt an den langen absteigenden Gängen und den zahlreichen Kammern, vor allem jedoch an der symbolgeladenen Wanddekorationen. Sie besteht aus langen Hieroglyphentexten und komplexen Bildwelten. Sie gehören zu den Textgattungen der Unterweltliteratur. Es handelt sich hierbei um die Wiedergabe des geheimen Wissens, das den Priestern und dem Pharao vorbehalten war. Die Texte und Bilder beschreiben die Welt des Jenseits, der Unterwelt, durch die der Sonnengott während der Nacht ziehen muss, um am nächsten Tage verjüngt im Osten wieder aufzugehen. Die alten Ägypter glaubten, dass der Pharao in die Barke des Sonnengottes einstieg und mit diesem und dessen göttlichem Gefolge durch die Unterwelt zog.

Zu den Unterweltsbüchern der Unterweltsliteratur gehört das sogenannte „Amduat“. Der Name bedeutet „Was in der Unterwelt ist“. Es handelt sich um eine Kombination aus Bildregistern und hieroglyphischen Beischriften, die in vielen Königsgräbern des frühen Neuen Reiches, besonders im Grab Thutmosis III. zu finden ist. Im Zentrum stehen die 12 Nachtstunden, während denen der Sonnengott mit seiner Gefolgschaft auf einer Barke durch die Unterwelt fährt. Aus diesem Literaturwerk haben sich weitere „Bücher“ entwickelt, wie das „Höhlenbuch“, das „Pfortenbuch“, das „Buch von der Nacht“, das „Himmelsbuch“ und das „Buch von der Erde“, die je nach Schwerpunktsetzung an den Wänden verschiedener Gräber in Auszügen angebracht sind. Sie alle beschreiben mit bunten Bildern die Wesen, Dämonen, Gottheiten und Landschaften der Unterwelt – ein bizarrer Kosmos voller Phantasiegestalten.

Der Grundgedanke des Ganzen war folgender: Die alten Ägypter glaubten, dass der Sonnengott in einer Barke täglich über den Himmel zieht. Er geht im Osten auf und im Westen unter. Durch seine Bewegung entsteht die Zeit und in der Zeit das Leben. Wird sein Sonnenlauf unterbrochen, steht die Zeit still und die Welt ist im Chaos. Dieses Chaos gilt es zu verhindern. Im zweiten Schritt dachten sich die Ägypter folgendes: In der Nacht, nachdem der Sonnengott im Westen untergegangen ist, muss er wieder zurück, damit er am nächsten Morgen wieder im Osten aufgehen kann. Dieser Weg kann nur durch die Unterwelt gehen, auf der anderen Seiten der Erde, die von den Ägyptern flach gedacht war. Dieser Weg war, nach altägyptischem Glauben, voller Gefahren. Man stellte sich dort alles rückwärts verlaufend vor: die Richtung des Flusses, die Zeit, das Leben. Man dachte an Monster und Dämonen der Finsternis, die sich dem Sonnengott in den Weg stellen. Insgesamt war es ein phantastisches kosmologisches Literaturwerk über den Kampf des Guten gegen das Böse. Die Rituale und Kulte der Priester und Könige sollten den Gottheiten helfen, den Weg durch die Unterwelt zu bestehen und auf diese Weise die Ordnung der Welt aufrecht zu erhalten.

Somit unterscheiden sich die königlichen und priesterlichen Unterweltsbücher deutlich vom ägyptischen Totenbuch, das vielmehr als eine Art Reiseführer ins Jenseits gedacht war. Die Unterweltsbücher waren dagegen eine Anleitung für in die In-Gang-Haltung des Kosmos.

Für die Besichtigung der Gräber und Totentempel in West-Theben muss man sich Eintrittskarten am zentralen Ticketoffice besorgen. Dort bekommt man mitgeteilt, welche Gräber aktuell geöffnet und zugänglich sind. Besonders stark frequentierte Gräber kosten extra. Fotografieren ist in den Gräbern verboten, um die Malereien nicht zu beschädigen, aber auch aus Copyright-Gründen. In manchen Gräbern kann es wegen des Besucherandranges recht stickig werden.

Auswahl an sehenswerten Gräbern:

Aus der 18. Dynastie sind insbesondere die Gräber von Thutmosis III. (KV 34), Amenophis II. (KV 35) und Haremhab (KV 57) sehenswert. Die Abkürzung KV steht für „Kings Valley“. Das Grab von Thutmosis III. beeindruckt durch seine versteckte Lage und ovalen Grundriss sowie ausführlichen Registerdarstellungen des Amduat. Beim Grab des Haremhab dominieren Ausschnitte aus dem „Pfortenbuch“.

Auch aus der 18. Dynastie stammt das berühmte Grab des Tutanchamun (KV 62), das inmitten des Tales liegt. Im Vergleich zu den anderen Königsgräbern ist es eines der kleinsten. Doch wegen seiner Berühmtheit ist es von Touristen stark frequentiert, weshalb es extra Eintritt kostet.

Aus der 19. Dynastie sind für einen Besuch empfehlenswert die Gräber von Ramses I. (KV 16), Sethos I. (KV 17), Ramses II. (KV 7), Merenptah (KV 8) und Siptah (KV 47). Das Grab von Sethos I. gehört zu den schönsten und größten des Tales. Die Wand- und Deckenmalereien zeigen Ausschnitte aus verschiedensten Unterweltsbüchern und astronomische Himmelskarten. Leider ist dieses Grab nur selten für Besucher geöffnet.

Aus der Übergangsphase von der 19. zur 20. Dynastie stammt das Grab der Königin Tausret, das vom Königs Sethnacht weitergenutzt wurde (KV 14). Für die 20. Dynastie sind die Gräber von Ramses III. (KV 11), Ramses IV. (KV2), Ramses V./VI. (KV 9), und Ramses IX. (KV 6) repräsentativ.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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