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Memnonskolosse in West-Theben

Isoliert in der Landschaft des Niltals stehen zwei monumentale Kolossalstatuen eines thronenden Pharaos. Einst flankierten sie den Eingang zum Totentempel des Königs Amenophis III.

Über Jahrtausende standen die aus Sandstein gefertigten Kolosse wie deplatziert in den Feldern des Tals. Von Jahr zu Jahr ging um sie herum das Leben seinen Lauf, als ob sie Teil der Landschaft wären: Im Spätfrühling und Frühsommer war der Boden um sie herum sandig, während der Nilschwemme standen ihre Füße im Wasser, während der Aussaat standen sie mitten im Acker und kurz vor der Erntezeit ragten sie aus den saftig grünen Feldern hervor. Den Fellachen war lange Zeit nicht bekannt, dass unter ihren Füßen die Fundamente eines gigantischen altägyptischen Heiligtums liegen, von dem einzig die Sitzstatuen noch aufrecht stehen.

Heute ist das Gelände hinter den Statuen eine archäologische Ausgrabungsstätte. Die Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts gehen den Fundamenten und Gebäuderesten des alten Tempels nach. Bereits im Altertum war der Tempel bei einem Erdbeben beschädigt worden. Die Ruine wurde bereits in pharaonischer Zeit als Steinbruch genutzt, um die Steinblöcke als Spolien in anderen Tempeln wiederzuverwenden und als Füllmaterial zu verbauen. Heute ist es vor allem der hohe Grundwasserspiegel, der an den Resten des alten Tempels nagt.

Das Memnoneion, wie der Totentempel von Amenophis III. (18. Dynastie, 14. Jahrhundert v. Chr.) auch genannt wird, war wahrscheinlich der größte jemals errichtete Totentempel Ägyptens. Warum ausgerechnet die beiden rund 18 Meter hohen und mehr als 700 Tonnen schweren Memnonskolosse noch stehen, während im Hintergrund ein kompletter Totentempel nahezu verschwunden zu sein scheint, ist rätselhaft. Vielleicht wurden die Statuen aus religiösen Gründen oder Pietät gegenüber dem Pharao stehen gelassen.

Ein weiteres Erdbeben um 27 v. Chr. schien die Statuen teilweise schwer beschädigt zu haben, weshalb sie bereits in der Antike mehrfach restauriert werden mussten. Der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon berichtete, eine der Figuren hätte ein Geräusch von sich gegeben. Oftmals soll morgens ein singender oder klagender Ton zu vernehmen gewesen sein. Wegen dieses Heulens, dieser scheinbaren Klagelaute, gaben die Griechen der Statue den Namen „Memnon“. Dies war eine Anspielung auf die gleichnamige Sagengestalt aus der griechischen Mythologie, die im Kampf vor Troja getötet wurde. Die vorbeifahrenden griechischen Reisenden glaubten, der Geist des verstorbenen Memnon würde in der Statue fortleben und jeden Morgen seine göttliche Mutter namens Eos (griech. für „Morgenröte“) mit Klagegeheul begrüßen. Sogar der römische Kaiser Hadrian soll auf seiner Ägyptenreise (um 130 n. Chr.) die Kolosse besucht haben, um das „Heulen“ des Memnon zu hören. Unzählige kleine lateinische und griechische Graffiti an den Sockeln beweisen, dass die beiden Kolosse bereits in der Antike eine gern besuchte Attraktion waren.

Der wirklich Grund der Geräusche war wohl simpel: Der Wind pfiff durch die Rissen und Spalten der beschädigten Figur. Das ergab einen scheinbar klagendenden Ton. Nachdem die Figuren unter dem römischen Kaiser Septimius Severus (um 199 n. Chr.) erneut restauriert und die Spalten und Risse geschlossen wurden, verstummte auch der Ton.

Der Totentempel von Amenophis III.

Es mutet seltsam an: Ausgerechnet von einem der größten Tempel des alten Ägypten ist fast nichts mehr zu sehen. Wie sah er aus?

Sein genaues Aussehen kann nur vermutet werden. Genaueres weiß man dank archäologischer Ausgrabungen über den Grundriss und die Ausmaße des Tempels. Die Grundfläche des gesamten Tempelareals betrug demnach rund 700 mal 550 Meter. Umgeben und Geschützt war der Tempel von einer mehr als acht Meter starken Lehmziegelumfassungsmauer. Dieses Areal schloss allerdings die Wirtschaftsgebäude und Höfe mit ein.

Die zentrale Achse des Prozessionsweges vom äußeren Pylon bis zum Allerheiligsten verlief von Osten nach Westen. Die beiden Kolossalstatuen flankierten hierbei den Eingang des vordersten Pylons. Dem Eingangspylon folgten nach jeweils hundert Metern ein zweiter und ein dritter Pylon. Auch vor diesen Pylonen standen Monumentalstatuen, wie die Überreste der gefundenen Sockel belegen.

Als auffallenden Unterschied zu den anderen Totentempeln in West-Theben hatte der Totentempel von Amenophis III. einen großen Säulenhof, der als Sonnenheiligtum konzipiert war. Umgeben war dieser Hof von einer Kolonnade mit rund 14 Meter hohen Säulen. Wegen der zahlreichen Statuen von Tieren, die aus der Zeit Amenophis‘ III. stammen, geht man davon aus, dass viele dieser Statuen ursprünglich im Tempel standen. Eine zweite Tempelachse führte von Norden nach Süden zum Heiligtum des Ptah-Sokar-Osiris. Die genauen Grundrissstrukturen im Bereich des Allerheiligsten sind noch unklar. Bei den Ausgrabungsarbeiten im Bereich des Totentempels kamen weitere Statuen zutage.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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