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Karnak-Tempel

Es handelt sich um die größte Tempelruine der Welt. Die gewaltige Tempelstadt von Karnak bei Luxor in Oberägypten hält seit Jahrtausenden die Besucher in Atem. Nirgendwo sonst reihen sich so viele monumentale Torbauten und gigantische Säulenhallen.

Video zum Eingang vom Karnak-Tempel mit der Widderallee


Eingang vom Karnak-Tempel in Luxor - © STERN TOURS

Karnak ist nicht nur ein Tempel. Karnak war im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. das religiöse Zentrum Ägyptens. Über Prozessionswege verbunden mit dem Tempel in Luxor und den Totentempeln in West-Theben, gehörte Karnak zu einem gewaltigen, überdimensionalen Kultnetzwerk.

Doch schon für sich genommen ist Karnak eher eine Tempelstadt als ein einzelner Tempel. Es reihen sich Pylon (monumentaler ägyptischer Torbau) an Pylon, Obelisk an Obelisk, Säule an Säule. Allein der Hauptbezirk des Amun-Tempels bedeckt eine Fläche von rund 123 Hektar. Hinzu kommen die Tempel des Thebanischen Provinzgottes Month und der Tempelbezirk der Göttin Mut.

Eingang vom Karnak-Tempel - © STERN TOURS

Dem Besucher ist es gar nicht möglich, alle Passagen, Gänge, Höfe und Heiligtümer der Tempelstadt an einem Tage zu besichtigen. Daher beschränken sich die meisten auf die Hauptachsen des Amun-Tempelbezirks. Diese Achsen gehen von Norden nach Süden und von Westen nach Osten. Tor für Tor schreitet man durch die Höfe und Säulenhallen in Richtung Allerheiligstes, in dem der altägyptische Reichsgott Amun-Re verehrt wurde.

Entstanden ist diese Tempelstadt im Laufe von zwei Jahrtausenden. Generationen von Pharaonen haben Schritt für Schritt den Tempel von innen nach außen erweitern und teilweise umbauen lassen. Die frühesten Bauten stammen aus dem Mittleren Reich, aus der Regierungszeit des Königs Sesostris I., die letzten aus der griechisch-römischen Antike.

Heute betritt man die Tempelstadt – wie schon in der Antike – im Westen. Hier lag die Schiffsanlegestelle am Nil, an dem die Prozessionsschiffe anlegten. Vorbei an Kapellen und entlang einer Allee aus Widderfiguren, gelangt man zum 113 Meter breiten Ersten Pylon, dem letztgebauten Eingangstor aus der 30. Dynastie (4. Jahrhundert v. Chr.). Dieser Pylon war Teil einer gewaltigen Befestigungsmauer, die den ganzen Bezirk umschloss. Durch dieses Tor kommt man in einen großen offenen Hof. In der Mitte dieses Hofes stehen die Reste einer alten Säulenkolonnade des Königs Taharka (25. Dynastie). Ursprünglich standen hier zehn monumentale Pflanzensäulen mit einer Höhe von jeweils 21 Metern. In unmittelbarer Nähe steht noch eine 11 Meter hohe Kolossalfigur aufrecht.

Zur Linken des Hofes befindet sich ein dreigliedriges Barken-Heiligtum des Pharaos Sethos II., und zur Rechten zweigt ein Seitentempel von Ramses III. ab. Jedes der bereits genannten Bauwerke wäre in der Provinz bereits als großartiges Heiligtum angesehen worden. Hier in Karnak sind sie nur Puzzleteile eines gigantischen Gesamtkunstwerks.

Aus der 18. Dynastie stammen der Zweite (erbaut unter König Haremhab) und Dritte Pylon (von Amenophis III.). Zwischen diesen beiden Pylonen breitet sich ein bauliches Weltwunder aus: die größte steinerne Säulenhalle der Welt. Sie wurde von Sethos I. und seinem Sohn Ramses II. errichtet (13. Jahrhundert v. Chr.). Die Säulenhalle bedeckt eine Fläche von mehr als 5400 Quadratmetern. 134 Papyrussäulen trugen einst das Dach dieses Abschnittes. Die Säulen des Hauptganges sind 21 Meter hoch, die der 14 Seitenschiffe messen etwa 13 Meter. Die Säulen sind mit Reliefbildern und Hieroglypheninschriften dekoriert. Die einzelnen Säulen lassen sich datieren: Jene mit erhabenen Bildern stammen von Sethos I., jene mit vertieften Reliefs von Ramses II. Dargestellt sind zumeist Kultszenen, die den König vor einer Gottheit zeigen. Die Wände des Säulensaals zeigen Kultszenen der Tempelfeste. Die Außenwände Kriegsszenen von den Feldzügen der Pharaonen. Teilweise sind die Säulen wieder aufgerichtet worden, denn zahlreiche Erdbeben hatten im Laufe der Jahrtausende so manche Säule zum Einsturz gebracht.

Hinter dem Dritten Pylon folgt ein ganz schmaler Zwischenhof. Hier zweigt nach Süden eine andere Prozessionsstrecke ab, die aus mehreren Pylonen und Höfen besteht und aus dem Amun-Tempel hinaus führt, um dann über eine Allee aus Sphinx-Figuren zum Tempelbezirk der Mut zu führen. Südlich der Hauptachse und östlich der Nebenachse liegt der Heilige See, ein rechteckiger Pool, der im Altertum zur Reinigung der Priester, zu Beschaffung des Wassers für Libationen und für Kultfahrten mit Barken gedacht war.

Weiter nach Osten kommen die Besucher in die inneren Tempelanlagen, die zum größten Teil aus der berühmten 18. Dynastie, aber auch aus dem Mittleren Reich stammen. Die Königin Hatschepsut ließ hier im 15. Jahrhundert v. Chr. zwei fast 30 Meter hohe Obelisken aufstellen, von denen einer noch aufrecht steht. Von Thutmosis III. stammen zwei auffällige monumentale Wappenpfeiler.

Der innere Bereich des Tempels, rund um das Allerheiligste des Gottes Amun, ist stark zerstört. Wichtiger Teil dieses inneren Komplexes war der Festtempel von Thutmosis III., von dem die 44 Meter lange und 16 Meter breite Pfeilerhalle noch gut erhalten ist.

Außerhalb der Hauptachse gibt es noch weitere Nebenheiligtümer. Dazu gehören der Tempel des Gottes Chons aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. und das Heiligtum der Göttin Opet. Zu sehen sind auch noch Überreste von Wirtschafts- und Wohngebäuden. Der Tempelbezirk war nicht nur eine Ansammlung von Kultstätten, sondern auch ein wichtiges Wirtschaftszentrum. Die Priester lagerten hier die Steuern und Abgaben der Bevölkerung. Der Tempel war eine grundbesitzende Institution mit großer weltlicher Macht.

Nördlich des Ersten Pylons gibt es ein wichtiges Freilichtmuseum. Hier wurden die Originalsteinblöcke wieder zusammengesetzt, die zu älteren Bauten gehörten, die bei Umbauten des Karnaktempels abgerissen wurden. Die beiden wichtigsten Bauwerke sind die sogenannte Weiße Kapelle des Pharaos Sesostris I., der Alabasterschrein des Amenophis I., eine alte Tempelwand von Thutmosis IV. und die Rote Kapelle der Königin Hatschepsut.

Welche Funktionen hatten eigentlich die ganzen Kultbauten? Man muss sich das alte Ägypten als eine Kultur vorstellen, in der es zahlreiche religiöse Feste gab, die sich über mehrere Tage erstreckten. Dabei wurden die Kultbarken mit den Götterstatuen in Form von heiligen Prozessionen aus ihren Heiligtümern hervorgeholt und durch die Säulenhallen und Pylone, über die Höfe und Prozessionswege zu anderen Heiligtümern gebracht. So konnten die Gottheiten sich sozusagen gegenseitig besuchen. Dabei machten die Götterbarken häufig halt in den sogenannten Barken-Stationen. Jedes Fest sollte prunkvoller sein als das vorherige. Also war es eine Prestigeaufgabe der Pharaonen, pünktlich zum großen Fest die Heiligtümer erweitert zu haben. So wirkten die Bauten wie eine Art monumentale Kulisse des inszenierten göttlichen Geschehens. Während dieser Feste wurden den Tempeln häufig großzügige Stiftungen zuteil, von denen die Hieroglyphentexte an den Tempelwänden berichten. Auch die Triumphzüge der Könige nach ihren siegreichen Kriegsauszügen wurden hier zelebriert. Dabei wurden die Tributgaben der unterworfenen Völker in die Schatzkammern der Tempel gebracht. Dies wurde als Gabe des Königs an die Götter gewertet und stärkte die Macht der Tempel und Priester.

Dem Besucher präsentiert sich der Tempel heute größtenteils als Ruine. Doch man muss sich die großen Säulenhallen überdacht vorstellen. Die Wände und Säulen waren im Altertum mit bunten Farben geschmückt. Tausende Priester und Tempelmitarbeiter gingen in dieser Tempelstadt ihren täglichen Aufgaben nach.

In der Mitte der Ruinen von Karnak, neben dem Heiligen See, gibt es ein kleines Restaurant, wo man einen Imbiss essen und etwas trinken kann. Die Toiletten befinden sich bei einer Tribüne, die für die abendlichen Sound-and-Light-Shows errichtet wurde. Wie der Luxor-Tempel, ist auch Karnak abends beleuchtet. Mit musikalischer Untermalung wird auf diese Weise den Besuchern die Monumentalität der Anlage näher gebracht.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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