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Assuan – Steinbrüche und unvollendeter Obelisk

Die Obelisken des alten Ägypten beeindrucken noch heute. In vielen europäischen Hauptstädten hat man altägyptische Obelisken aufgestellt, so etwa auf dem Place de la Concorde in Paris. Wie die Obelisken hergestellt wurden und dass sie aus einem Stück gefertigt wurden, lässt sich in einem alten Steinbruch bei Assuan bewundern. Dort hat man nämlich einen unfertigen Obelisken gefunden, der, wenn er aufgerichtet worden wäre, der größte überhaupt gewesen wäre.

Die meisten Häuser im alten Ägypten wurden aus Lehmziegeln errichtet. Die großen Tempel und Kultbauten aus Kalkstein und Sandstein. Für besondere Bauten, Denkmäler, Statuen, Bauwerk-Verkleidungen und Obelisken verwendete man Granit. Der beste Granit Ägyptens wird seit Jahrtausenden – und noch heute – in Assuan gebrochen. Er hat einen leicht rötlich schimmernden Farbton und ist von besonderer Qualität.

Schon in der Pyramidenzeit hat man für spezielle Bauprojekte den Granit aus Assuan bevorzugt. So etwa beim Abschluss der Grabkammer in der großen Pyramide von Giza. Die Decke der Grabkammer und die Decken der fünf Entlastungskammern darüber waren aus Assuan-Granit gefertigt.

Eine besondere Herausforderung war die Herstellung der Obelisken. Diese nadelartigen Baudenkmäler schmückten die Toren vieler Tempel. Die Schwierigkeit lag darin, dass die Obelisken aus einem Stück gefertigt werden mussten. Von Generation zu Generation versuchten sich die Baumeister und Steinmetzen an immer größeren Projekten.

Im alten Steinbruch von Assuan hat man nun bestes Anschauungsmaterial: Der dortige unfertige Obelisk wäre der größte Obelisk des alten Ägypten geworden. 42 Meter wäre er lang geworden und hätte ein Gewicht von 1000 bis 1200 Tonnen gehabt. Doch anscheinend hatten sich die Baumeister und Steinmetzen übernommen. So brach er. Das Projekt musste eingestellt werden. Man hatte die Grenze des Erreichbaren kennengelernt und ausgeschöpft.

Wer der Auftraggeber des Obelisken war, ist unbekannt. Doch man vermutet, dass er während der 18. Dynastie, vermutlich von der Pharaonen Hatschepsut (15. Jahrhundert v. Chr.) in Auftrag gegeben worden war. Die Pharaonin hatte eine Vorliebe für Obelisken und versuchte, mehr und höhere bauen zu lassen, als alle ihre Vorgänger. Ihre Inschriften erzählen mit Stolz von ihren Bauprojekten und Obelisken.

Eine große logistische Herausforderung war der Transport der Obelisken und Monumentalblöcke. Denn die Objekte wurden zumeist im Steinbruch selber weitestgehend in die gewünscht Form gebracht. Dann musste allerdings der gewaltige Block, der Obelisk oder die Monumentalstatue zum gewünschten Ort gebracht werden, beispielsweise nach Luxor oder Giza, ohne unterwegs zu zerbrechen. Allein der Transport auf den Nilschiffen über Hunderte von Kilometern war schon eine Meisterleistung. Ebenso der Transport zu Lande und die Aufrichtung der Obelisken.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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