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Tempel von Abu Simbel

Der legendäre Felsentempel von Abu Simbel am Assuan-Stausee gehört zu den berühmtesten Bauwerken Ägyptens. Pharao Ramses II. hatte vor dreitausend Jahren die gigantische Anlage für sich und die altägyptischen Gottheiten Re-Harachte, Amun-Re und Ptah in den Fels schlagen lassen. Ein kleinerer Felsentempel war seiner Gemahlin Nofretari gewidmet. Als die Tempel Gefahr liefen, im Stausee unterzugehen, wurden sie in einer beispiellosen Aktion abgebaut und an höherer Stelle wieder aufgerichtet – ein doppeltes Weltwunder, anerkannt als UNESCO-Weltkulturerbe.

Video zu Abu Simbel Ramses II Felsentempel


Abu Simbel Ramses II Felsentempel - © STERN TOURS

Tief im Süden des Landes, ca. 280 km südlich von Assuan und nur wenige Kilometer von der Grenze zum Sudan entfernt, thronen die vier kolossalen Sitzstatuten des Pharao Ramses (19. Dynastie, ca. 1250 v. Chr.) mit Blick auf den Stausee. Sie dominieren die monumentale Eingangsfassade des größten ägyptischen Felsenheiligtums.

Die im Tempel verehrten Götter waren die drei großen Reichsgötter der Ramessidenzeit: Amun-Re von Theben, Ptah von Memphis und Re-Harachte von Heliopolis. Es war typisch für jene Epoche, neue Tempel – insbesondere in Nubien – dieser Göttertriade mitsamt dem vergöttlichten Pharao zu weihen.

Über viele Jahrhunderte waren die Felsentempel von Abu Simbel vergessen und zur Hälfte von Sanddünen bedeckt. Lange Zeit waren keine Europäer bis nach Nubien vorgedrungen. Erst im Jahre 1813 wurde Abu Simbel wiederentdeckt. Der schweizerische Orientreisende Johann Ludwig Burckhardt hatte bereits eine jahrelange Reise hinter sich, als er den Nil heraufkam und die beiden Tempel entdeckte. Seine Aufzeichnungen machten Abu Simbel in Europa berühmt. Doch es dauerte noch hundert weitere Jahre, bis Archäologen und Ägyptologen die beiden Felsentempel komplett ausgegraben, erforscht, ihre Inschriften übersetzt und gedeutet hatten.

Abu Simbel
Der Haupttempel König Ramses II von Abu Simbel - Fotografiert vom Schiff auf dem Nassersee

Heute sind die Anlagen von Abu Simbel ein wichtiger Touristenmagnet. Man hat sogar eigens einen Flughafen angelegt, um die Reisegäste direkt aus Luxor und Assuan nach Abu Simbel zu fliegen. Die Anreise ist natürlich auch per Bus und Taxi möglich. Hinter den Tempelanlagen ist ein moderner kleiner Ort entstanden, der von der Tourismuswirtschaft lebt.

Wie die Felsentempel von Abu Simbel versetzt wurden

Der gewaltige Stausee, den der Hochdamm von Assuan aufgestaut hat, bedeckt das Niltal auf eine Länge von fast 500 km. Ganze Landschaften mitsamt ihrer nubischen Städte und Dörfer sind heute überflutet. Darunter auch zahlreiche archäologische und historische Stätten.

Es war dem Einsatz der UNESCO zu verdanken, dass einige wichtige Baudenkmäler vor der Überflutung gerettet wurden. Dazu gehörten vor allem die beiden Felsentempel von Abu Simbel. 1963 begannen mehrere Firmen unter der Leitung des deutschen Unternehmens Hochtief mit der Zerlegung der Felsentempel in Einzelteile. Diese wurden buchstäblich aus dem Fels herausgeschnitten. Dann wurden diese teils tonnenschweren Steinblöcke zu einem 180 m entfernten und 65 m höher gelegenen neuen Standort gebracht. An diesem Standort wurden sie schließlich wieder zusammengefügt. Da man nicht den ganzen Berg abtragen konnte, in den der große Felsentempel einst geschlagen worden war, hat man eine riesige Betonkuppel gebaut, die den Tempel nach hinten abschließt, und dann mit Naturfelsen verkleidet.

Besichtigung des Haupttempels von Abu Simbel

Markant sind die vier, zum östlichen Horizont starrenden, Monumentalstatuen des Königs Ramses II, an der Frontfassade des Felsenheiligtums. Dargestellt ist jeweils der Pharao mit königlichem Kopftuch und der Doppelkrone für die Landesteile Ober- und Unterägypten. Die Figuren sind rund 20 m hoch. Wesentlich kleiner und unauffälliger sind die kleineren Figuren der königlichen Familienmitglieder, die sich zwischen den Beinen der riesigen Monumentalfiguren zu verstecken scheinen.

Oberhalb der Figuren zieht sich entlang der Frontfassade ein Fries mit Paviandarstellungen. In der altägyptischen Mythologie begrüßten diese Tiere die aufgehende Sonne am Horizont. In einer Nische oberhalb des Eingangs ist eine Götterfigur herausgearbeitet. Der Falkenkopf und die Sonnenscheibe identifizieren diese Figur als Darstellung des Sonnengottes Re-Harachte. Harachte bedeutet soviel wie "Horus vom Horizont".

Die Sockel der Throne dieser Monumentalstatuen sind mit Reliefs bedeckt. Sie zeigen die Flussgötter, die symbolisch für den Nil, die Nilschwemme und die Erträge der dank des Nils ertragreichen Landwirtschaft stehen. Außerdem sind die fremden Völker dargestellt, die der König bei seinen Feldzügen in den benachbarten Ländern unterworfen hatte.

Durchschreitet man das Eingangsportal, gelangt man zunächst in die große Eingangshalle. Sie ist fast 18 m lang und 16 m breit. Die Decke wird scheinbar von 8 großen Pfeilern getragen. Jeder dieser rund 10 m hohen Pfeiler hat die Gestalt des Totengottes Osiris, mit mumienförmigen Körper, gekreuzten Armen und hoher weißer Krone. Die Pfeilerreihen teilen die Eingangshalle in eine dreigliedrige Räumlichkeit. Die Malereien an der Decke des Mittelschiffes zeigen Geier, die am Himmel kreisen. Wie bei den Deckenmalereien, so sind bei vielen Wanddarstellungen innerhalb des Tempels noch die Farben relativ gut erhalten.

Die Wände der Seitenflügel sind mit Hieroglyphentexten und Reliefbildern verziert. Thematisiert werden unter anderem die militärischen Sieges des Pharao Ramses. Am nördlichen Abschnitt des Nordflügels handeln die Texte und Darstellungen von der berühmten Schlacht von Kadesch. In der Nähe dieser syrischen Stadt trafen einst die Heere des Ramses auf die Streitmacht der Hethiter. Es war mit rund 50.000 beteiligten Soldaten eine der größten Schlachten der Bronzezeit und eine der ersten Schlachten, die bis ins Detail überliefert ist. Die Bilder und Texte erzählen uns von den Truppenformationen, von den Feldlagern, den Waffengattungen und Streitwagenabteilungen und vom Schlachtverlauf sowie von dem anschließenden Friedensabkommen. Eigentlich hatten die Ägypter die Schlacht gegen die Hethiter verloren. Doch dank der Diplomatie konnte ein einverständliches Unentschieden herausgehandelt werden, das in der ägyptischen Heimat, wie hier in den Darstellungen von Abu Simbel, propagandistisch als Sieg verkauft wurde. Wie nach jedem Feldzug, gab es am Ende einen Triumphzug des Königs, dem die Gefangenen vorgeführt wurden.

Es sind allerdings nicht nur die Geschehnisse rund um die Schlacht von Kadesch geschildert. Die Bilder und Beitexte der Südwand und die anderen Abschnitte der Nordwand erzählen auch von den anderen Schlachten und Kriegen in Syrien und von Feldzügen gegen die berberischen Libyer der Westwüste und Nubier des Sudan.

Die von der Eingangshalle seitlich abzweigenden Kammern waren Magazinräume, in denen die Opfergaben gelagert wurden. Der eigentliche Kultweg führt auf gerader Achse durch die Eingangshalle zu einer großen Zwischenhalle mit vier Pfeilern und weiter zum Allerheiligsten. Beeindruckend in der Zwischenhalle sind vor allem die herrlichen Wandreliefbilder zum Kultgeschehen. Dargstellt ist die Barke des Gottes Amun-Re von Karnak in Theben. Hinter der Zwischenhalle durchschreitet man eine kleine Querhalle und kommt anschließend zum Allerheiligsten. Dort thront eine Statuengruppe. Die vier Statuten zeigen die Kultempfänger der ganzen Anlage, denen der Tempel geweiht ist: Ptah von Memphis, Amun-Re von Theben bzw. Karnak, Pharao Ramses als Gottkönig und der Sonnengott Re-Harachte von Heliopolis. Zweimal im Jahr, am 21. Februar und am 21. Oktober, dringt der Sonnenlichtstrahl durch die Hallen bis in das Allerheiligste und beleuchtet die Götterfiguren.

Besichtigung des kleinen Tempels der Königin Nofretari

Rund 150 m näher zum Ufer des Nasserstausees steht der kleinere Felsentempel der Hauptgemahlin des Ramses. Ebenso wie der große Haupttempel war auch der kleine Tempel versetzt worden. Verehrt wurden in ihm die Königin Nofretari und die Göttin Hathor.

Sechs aufrecht stehende Monumentalfiguren zieren die 12 x 28 m hohe, geböschte Frontfassade des Felsentempels. Die Figuren stellen Ramses II. sowie Nofretari in Gestalt der Göttin Hathor dar. Zwischen den Beinen stehen kleine Figuren der Prinzen und Prinzessinnen.

Das Eingangsportal führt wie beim großen Haupttempel zunächst in eine dreischiffige Eingangshalle mit Pfeilern. Die Dekorationen sind hauptsächlich religiöser Natur. Kriegsdarstellungen sind auf die kultische Form des Niederschlagens der Feinde durch den Pharao reduziert. Im Mittelpunkt stehen die Opferriten des Götterkultes.

Das Kultziel am Ende der Tempelachse ist das Allerheiligste. Hier sind in einer Kultnische noch Reste der alten Kultstatue erkennbar. Es handelt sich um eine Hathor-Kuh, die aus der Wand herauszutreten scheint. Sie beschützt symbolisch eine kleine Figur des Pharao Ramses. Die Reliefs und religiösen Beischriften thematisieren den Opferkult, den die Königin und der König vor den Gottheiten zelebrierten.

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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