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Feedback zur Nilkreuzfahrt auf der M/S TuYa*****

vom 20.12. bis 27.12.2010

Über das Schiff

Die M/S TuYa ist, verglichen mit dem einen oder anderen Nilschiff vielleicht schon etwas betagt und gewinnt, rein äußerlich betrachtet, keinen Preis für Schönheit. Sie wurde aber vor ein paar Jahren renoviert und bietet - im Gegensatz zu den meisten anderen Nilschiffen, auch den "modernen", die wir auf unserer Reise von innen gesehen haben - ein angenehmes Ambiente, was durch die Holztäfelungen und Messingbeschläge, die bei der Innenausstattung des Schiffs verwendet wurden, noch verstärkt wird. Neuere Schiffe verbreiten im Inneren aufgrund der oft im Überfluss verwendeten Materialien Glas und Chrom sowie weißer Fliesen dagegen mehr eine Kühlschrankatmosphäre. Obendrein gibt es auf der TuYa das höflichste und zuvorkommendste Personal, das wir seit Jahren erlebt haben.

Tagsüber hält man sich in der Regel nur dann auf dem Schiff auf, wenn es unterwegs ist und verbringt die meiste Zeit auf dem Sonnendeck, von wo aus man eine schöne Rundumsicht auf die vorbeiziehende Landschaft, auf Städte, Dörfer sowie das Leben und Treiben am Ufer des Nils genießen kann. Eine Vielzahl von Liegen, teils unter freiem Himmel oder unter Pavillons, teils unter einem dauerhaften Dach, Sitzgruppen, Tische und Stühle und ein kleiner Pool im Bugbereich lassen zusammen mit der Kaffeebar im Heck kaum noch Wünsche für den Aufenthalt auf dem Sonnendeck offen.

In den etwa 60 Kabinen und drei Suiten der TuYa finden kaum mehr als 120 bis 130 Passagiere Platz, weswegen man mit einem überschaubaren Personenkreis unterwegs ist, der sich zudem meistens noch über das gesamte Schiff verteilt. Auf die beiden kleinen Boutiquen an Bord mit einem aus Platzmangel begrenzten Angebot an Textilien, Souvenirs und Schmuck könnte man getrost verzichten, zumal es dort nichts gibt, was man nicht auch an Land kaufen könnte, und dort mit Sicherheit auch noch zu niedrigeren Preisen. Wer mag, kann den Wellnessbereich auf dem Oberdeck nutzen, sich massieren lassen, einer Schönheitsbehandlung unterziehen, oder in der Bibliothek schmökern und sich vom Bordfotografen vor den unterschiedlichsten Kulissen portraitieren oder auf Video aufnehmen lassen. Für Notfälle gibt es eine bordeigene Klinik.

Die Gäste waren während unserer Reise bunt gemischt und stammten aus verschiedenen europäischen Ländern und dem Nahen Osten (allerdings mit den deutlichen Schwerpunkten Spanien und Deutschland). Von kleineren Kindern bis zu Senioren im fortgeschrittenen Alter waren alle Altersgruppen vertreten und es reisten sowohl Singles und Paare als auch Familien oder größere Gruppen mit. Für behinderte Menschen (Rollstuhlfahrer) ist die M/S TuYa wegen der relativen Enge in den Kabinen und der Treppen zwischen den Decks eher nicht geeignet.

Bargeld braucht man während des gesamten Aufenthalts auf dem Schiff nicht. Alles was man über die vorab gebuchten und bezahlten Leistungen hinaus in Anspruch nimmt oder konsumiert, wird auf die Kabinenrechnung geschrieben und erst am Ende der Reise an der Rezeption bezahlt - auch das pauschal berechnete Trinkgeld! Bezahlt werden kann in ägyptischer Währung ebenso, wie in US $ oder €.

Die Kabine

Die Kabinen und Suiten (2 Zimmer) - alle mit einem Fenster (es hat getönte Scheiben zum Schutz gegen die Sonne), das fast so groß ist, wie die gesamte Außenwand der Kabine - sind hell und verfügen über eine gut regelbare Klimaanlage und leicht zu reinigenden Laminatboden. (Teppichböden gibt es nur in den Fluren, dem Restaurant und der Bar. Die auch als Durchgang zu den Nachbarschiffen (an den Anlegestellen) benutzten Eingangshallen haben durchweg einen Fliesen- oder Steinboden.). Die Einrichtung einer Zweibettkabine bestehend aus 2 getrennt stehenden Betten, die man aber problemlos zusammenschieben kann, Nachttisch, Schreibtisch, 2 Sessel am Fenster mit einem runden Glastisch dazwischen, Stehlampe, Telefon und TV ist sowohl funktional als auch bequem. Internetzugang (wireless) gibt es gegen Bezahlung (5 US $ für 30 Minuten), der Safe im Schrank kann kostenlos genutzt werden.

Der Kleiderschrank könnte sowohl etwas tiefer als auch breiter sein. Das benachbarte Regal mit Glasplatten für Gläser, Vasen und anderen Schnickschnack ist durchaus entbehrlich und die Minibar darunter hätte problemlos auch im Schreibtisch Platz gefunden. Dafür könnte dann der Kleiderschrank etwas breiter sein und würde mehr als 6 Kleiderbügeln Platz bieten. 220 V-Steckdosen wie in Deutschland üblich, sind ausreichend vorhanden, auch eine im Bad.

Der Platz im Bad reicht auch aus, selbst wenn 2 Personen es gleichzeitig benützen. Die Ausstattung mit Wanne, Waschbecken und WC sowie Fön, Bademantel und Badepantoffeln entspricht deutschem ****- Standard, ebenso wie Duschhaube, Seife, und Duschgel etc. Die Handtücher werden täglich gewechselt. Man findet sie mit viel Phantasie und Liebe zum Detail meist auf dem Bett dekoriert, wenn man abends in die Kabine kommt.

Gastronomie

Das Essen (täglich 3 große und reichhaltige Buffets mit warmen und kalten Gerichten), wird im großen Restaurant im Unterdeck eingenommen. Man sitzt unterhalb der Wasserlinie, wobei der Kopf diese etwas überragt. Das ist zunächst eine etwas ungewohnte Perspektive, stört aber auf Dauer nicht. Daneben gibt es eine große Bar neben der Eingangshalle, in der auch Disco- oder Showveranstaltungen stattfinden, und eine Kaffeebar auf dem Sonnendeck.

Alle Gäste saßen während der Reise an festen Tischen, was sehr angenehm ist, weil man sich nicht ständig einen neuen Tisch suchen muss. Am Tag zuvor nicht geleerte Flaschen z.B. mit Wasser (umsonst) oder Wein (gegen Bezahlung) standen am nächsten Mittag oder Abend in einem mit Eis gefüllten Kühler wieder neben dem gewohnten Tisch.

Gedränge gab es - wie leider überall an Buffets - immer nur unmittelbar nach deren Öffnung - und das, obwohl auch nach über einer Stunde noch die komplette Speiseauswahl zur Verfügung stand, weil die Küche für alle Passagiere mehr als reichliche Mengen zubereitet hatte. Die Verpflegung war durchweg sehr gut, immer frisch und abwechslungsreich und entsprach offensichtlich sowohl dem europäischem, als auch dem orientalischem Geschmack der Reisenden.

Von dem "Schlachtfest" abgesehen, das manche Gäste auf den Buffets oder ihren Tischen veranstalteten (Benehmen ist selbst in luxuriösem Ambiente oft Glücksache), konnte man auch im Restaurant nicht über mangelnde Sauberkeit klagen. Kellner, Köche und alle übrigen dienstbaren Geister auf dem Schiff waren stets bemüht, sofort für Sauberkeit zu sorgen, leere Tische neu einzudecken und möglichst alle Wünsche der Gäste zu erfüllen. Wer zu spät aufstand oder von einem Ausflug kam, erhielt sein Frühstück oder Essen in der Lobbybar serviert.

Außer am Weihnachtsabend, wo seitens des Managements verständlicherweise auf festlichere Kleidung Wert gelegt wurde, konnte man sich im Restaurant, der Lobbybar oder überall auf dem Schiff problemlos in legerer oder zweckmäßiger Kleidung bewegen, wie man sie auch sonst trug, z.B. zu den Ausflügen. Frack oder Smoking können auf TuYa-Reisen getrost zu Hause bleiben.

Das Weihnachtsbuffet im festlich dekorierten und leicht abgedunkelten Restaurant war optisch wie qualitativ absolut überragend und man hatte fast Hemmungen es „zu zerstören“. Auch die Weihnachtsdekoration auf dem Schiff war recht ansprechend und wirkte nicht so übertrieben, wie man es z.B. aus den USA kennt. Selbst in der Kabine fanden wir zweimal einen Teller mit nett arrangierten Früchten und ägyptischem „Weihnachtsgebäck“ vor.

Wenn man tagsüber mit dem Schiff unterwegs ist, wird auf dem Sonnendeck gegessen, wo dann ebenfalls ein Buffet zur Verfügung steht, und man kann dort selbstverständlich auch mit einem T-Shirt oder einer Bluse über der Badekleidung zum Essen gehen.

Der Service des Schiffes

Der Service auf der TuYa ist, wie schon erwähnt, exzellent und das gesamte aufmerksame Personal immer bemüht, möglichst keinen Wunsch unerfüllt zu lassen und kleinere Mängel, wie z.B. durchgebrannte Glühbirnen etc. sofort zu beheben. Beim Check-In wurde man mit warmen, feuchten Tüchern begrüßt und zunächst in die Lobbybar gebeten. Die Koffer standen dann trotz der Anreise sehr früh am Morgen bereits nach etwa 20 Minuten in der Kabine. Die Kabinen und das gesamte Schiff werden täglich sauber gemacht. Auf Wunsch (und gegen Aufpreis) wird auch die eigene Wäsche zum Waschen abgeholt und später gebügelt wieder in die Kabine gebracht. Man spricht auf dem Schiff Deutsch, Englisch, Spanisch und natürlich Arabisch. Die Verständigung war daher durchweg problemlos.

Sport, Unterhaltung … auf dem Schiff

Aufgrund des relativ begrenzten Platzangebots auf einem Nilschiff, kann man nicht erwarten, die Freizeitangebote und -einrichtungen von Kreuzfahrtschiffen auf dem Mittelmeer oder dem Atlantik vorzufinden. Abgesehen davon ist man nach den meist mehrere Stunden dauernden Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten - bei Tageshöchsttemperaturen zwischen 25 °C und 29 °C - ziemlich geschafft und kaum noch willens oder in der Lage, größere sportliche Anstrengungen zu unternehmen. Shows, Discoveranstaltungen und die Bar waren daher auch nur mäßig besucht und selbst der Spa-Bereich wurde eher ausnahmsweise als häufig genutzt.

Die Besichtigungsprogramme stehen bei dieser Reise eindeutig im Vordergrund. Das sonst in Urlaubshotels übliche Animationsprogramm entfällt. Aufgrund der teilweise recht langen Fußwege auf nicht immer ebenem Terrain haben wir eine Animation auch nie vermisst.

Landausflüge

Wir hatten das unerwartete Glück, einen Führer (Neudeutsch: Guide) für uns allein zu haben, den unser Reisebüro, Stern-Tours in Berlin, vorab für unsere Kreuzfahrt gebucht hatte. Er ist ursprünglich Archäologe von Beruf und erklärte daher manches viel detaillierter, als es viele seiner Kollegen taten, die sich – auch wegen der Größe der Reisegruppen – auf das wesentliche beschränkten.

Da wir auf den Transfers zu den Sehenswürdigkeiten, zum Airport und zurück zum Schiff mit dem Guide und dem Fahrer allein in einem Taxi oder Minibus unterwegs waren, gab uns das die Möglichkeit, nach den Massenaufläufen an oder in den Tempeln oder dem Tal der Könige (Weihnachten liegt in der Hauptreisezeit für Ägypten) etwas auszuspannen, bevor man einen neuen Programmpunkt in Angriff nahm. Lediglich auf dem Flug nach Abu Simbel und zurück saßen wir für jeweils etwas mehr als eine halbe Stunde mit anderen Reisenden in einer voll besetzten Maschine.

Alle Ausflüge waren minutiös geplant und bestens vorbereitet. Auch die Durchführung war einwandfrei und wir hatten sogar am Ende der Besichtigungen immer noch ca. 30 bis 45 Minuten zur freien Verfügung, bevor wir uns wieder beim Taxi oder Bus mit unserem Guide trafen.

Den bei den meisten Veranstaltern extra zu buchenden Trip nach Abu Simbel sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Ob das Ziel mit dem Flugzeug oder mit dem Taxi bzw. Bus angesteuert wird, muss jeder selbst entscheiden. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass die Fahrt durch die Wüste um 3:00 Uhr morgens beginnt und hin und zurück jeweils ca. 4 Stunden dauert.

Unsere Tipps

Wer ein paar Euro mehr für eine Oberdeckkabine ausgibt, ist sehr gut beraten und wenn diese dann auch noch möglichst weit im vorderen Bereich des Schiffes liegt, bekommt man von den Dieselmotoren (jeweils 3 im Heck jedes Schiffes) so gut wie nichts mit. An den Anlegestellen haben wir bis zu 9 Schiffe gezählt, die unmittelbar nebeneinander lagen und da alle Schiffe 4 Decks hoch sind (plus dem offenen Sonnendeck), kann man während der Liegezeiten in den unteren Decks auch tagsüber nur künstliches Licht und „Frischluft“ aus der Klimaanlage erwarten. Die Fenster sollte man, sofern sie sich überhaupt öffnen lassen, generell nur unterwegs öffnen, da sonst nicht nur in den unteren Decks Diesellärm und –qualm ziemlich störend sein können.

Interessenten sollten möglichst die 7-Tage-Reise buchen. Da die Schiffe sowohl am Tag als auch (überwiegend) nachts fahren, in der Regel aber Stellen an Land, die auf der Hinfahrt nachts passiert wurden, auf der Rückfahrt tagsüber passiert werden, hat man am Ende das Gefühl nichts von der Schönheit des Niltals verpasst zu haben. Abgesehen davon, trafen wir Passagiere, die vorzeitig an Land gegangen waren, anlässlich von Besichtigungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder, weil deren Programm trotz der „gesparten“ Reisekosten letztlich auch nicht anders aussah und sie obendrein noch alles selbst organisieren mussten, was offensichtlich Nerven und Zeit kostete.

Den oben unter „Landausflüge“ bereits angedeuteten VIP-Service, haben wir sehr genossen. Er ist jedem wärmstens zu empfehlen. Sämtliche Eintrittsgelder und Fahrtkosten waren bereits im Reisepreis enthalten, sodass wir uns um nichts zu kümmern brauchte. Zeitweilig waren bis zu 5 Personen damit beschäftigt uns rechtzeitig vom Schiff abzuholen, zum Ziel oder zum Flughafen zu bringen und dafür zu sorgen, dass wir am Ende des Ausflugs oder des Tages wieder pünktlich und wohlbehalten auf dem Schiff landeten.

„Unser Guide“ fuhr auf „unserem Schiff“ mit, weswegen wir oft Gelegenheit hatten, mit ihm über die besuchten Sehenswürdigkeiten und Details zu deren Entstehungsgeschichte, über Land und Leute oder auch nur über das Programm des nächsten Tages zu sprechen. Egal ob es um die Buchung eines Fluges oder die Herstellung von Papyrus (kann man in einem speziellen Museum besichtigen) ging, um eine Foto-DVD mit Aufnahmen der Reliefs im Inneren der Tempel (dort dürfen keine Fotos oder Videoaufnahmen gemacht werden), eine Fahrt durch die Altstadt, einen Besuch im Bazar der Einheimischen, um ein Abendessen in einem ägyptischen Restaurant oder um Broschüren der besuchten Sehenswürdigkeiten ging, „Aladin“ machte alles möglich.

Darüber hinaus hatte die Agentur uns schon vorab genügend Tipps und Hinweise zu Ägypten allgemein und zur Kreuzfahrt mit allem Drumherum (bis hin zu den Trinkgeldregelungen) zugesendet, sodass keine Frage offen blieb. Flugausfälle und ein obendrein noch 9 Stunden verspäteter Abflug der Ersatzmaschine in Frankfurt, bedingt durch schlechtes Wetter (der Winter und Weihnachten kommen dort schon seit Jahren immer „plötzlich, unerwartet und nicht vorhersehbar heftig“, so die Verantwortlichen des Fraport), führten dazu, dass die Maschinen aller von uns selbst gebuchten Anschlussflüge weg waren, bevor die bewusst ausgewählten Zwischenstationen in Istanbul, Kairo oder Luxor erreicht wurden.

Nach einigen kurzen Gesprächen an den Schaltern der zuständigen Airline, einem Telefonat mit Stern-Tours in Berlin und einer SMS an den Guide in Luxor war aber alles bestens geregelt und die Reise ging schließlich ohne Stress weiter.

Vielleicht erscheinen dem einen oder anderen Leser dieser Zeilen die Kosten in Höhe von ca. 1.900 € pro Person für sieben Tage Kreuzfahrt trotzdem immer noch zu hoch, auch vor dem Hintergrund der fast schon überwiegend negativen Beschreibungen, die andere Urlauber nach ihrer Rückkehr von einer Nilkreuzfahrt ins Netz gestellt haben. Mit Sicherheit zahlt sich aber der heute allgemein salonfähig gewordene Geiz bei einer Reise, die jeder höchst wahrscheinlich nur einmal im Leben macht, und die zumindest uns für immer unvergesslich bleiben wird, nicht aus.

Hubertus von Szadkowski, Mannheim