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Edfu - Tempel des Horus

Der Tempel des Horus in Edfu gehört zu schönsten und am besten erhaltenen Tempeln Ägyptens. Das antike Bauwerk stammt aus der Zeit der Ptolemäer und ist ein Spätwerk der altägyptischen Religion und Kultur. Der einzigartige Erhaltungszustand mit seiner kompletten Überdachung macht ihn zu einem beliebten Besichtigungsziel für Touristen.

Edfu mit dem Horus Tempel
Der Tempel des Horus in Edfu gehört zu schönsten und am besten erhaltenen Tempeln Ägyptens - Quelle: STERN TOURS

Freunde der Pharaonenzeit sehen in Ägypten das Land der Tempel und Pyramiden. Doch die meisten der zahlreichen Tempel sind lediglich in Form ihrer Ruinen erhalten. Selten stehen alle Säulen aufrecht, und noch seltener ist das komplette Dach erhalten. Eine wunderschöne und prächtige Ausnahme ist der Tempel des falkengestaltigen Gottes Horus in Edfu.

Edfu ist eine uralte Stadt in Oberägypten. Sie existiert seit mindestens viereinhalbtausend Jahren. Heute hat die mittelgroße Stadt etwa 130.000 Einwohner. Auf dem Weg von Assuan (Entfernung von Edfu etwa 100 km) nach Luxor (Entfernung von Edfu etwa 80 km) halten in Edfu viele Nilkreuzfahrtschiffe und Reisebusse, denn die Besichtigung des dortigen Horus-Tempels ist nicht nur fester Bestandteil vieler Rundreisen und Nilkreuzfahrten, sondern eines der Highlights jeder Ägyptenreise.

Mitten im heutigen Ort, direkt neben dem Siedlungshügel der alten Stadt aus der Pharaonenzeit, steht er: der Horus-Tempel. Was der Besucher hier zu Gesicht bekommt, ist die Endstufe, das vollendete Gesamtwerk, der späte Schwanengesang einer uralten Kultur und Religion, die in der Epoche der klassischen Antike vor rund zweitausend Jahren ihre letzte Blütezeit erlebte. Dies war die Zeit der Ptolemäer, die als makedonisch-hellenistische Herrscher das Land am Nil regierten, einerseits in Alexandria griechische Kultur pflegten und andererseits für die tiefreligiöse ägyptische Urbevölkerung im Niltal die Traditionen der Pharaonenzeit pflegten, ja sich sogar in die Nachfolge der Pharaonen stellten.

Begonnen wurde das Bauprojekt im Jahre 237 v. Chr. unter Ptolemäus IV., vollendet wurde es im Jahre 57 v. Chr. unter Ptolemäus XII. Der Tempel entstand an der Stelle älterer Vorgängerbauten, von denen nur Relikte erhalten sind, wie zum Beispiel die Überreste eines Pylon-Torbaus aus dem Neuen Reich. Die Reliefs und Hieroglypheninschriften an den Wänden der einzelnen Gebäudeabschnitte verraten die Namen vielen einzelnen Herrscher, die sich in rund zwei Jahrhunderten als Bauherren in Edfu betätigten. Der Tempel ist gleichsam ein bauliches Gebilde, das von seinem inneren Kern bis zu seinem äußersten Pylon und zu seiner äußersten Mauer schalenartig gewachsen ist. Von innen nach außen lesen sich die Datierungen der Bauherren wie ein chronologisches Buch, von außen nach innen umgekehrt weiter zurück in die Vergangenheit.

Besichtigung des Horus-Tempels

Vom Busparkplatz mit seinen Souvenirshops kommend, betritt man zunächst die modernen Empfangsbauten. Dann sieht man weiter hinten zur Linken einen Hügel aufragen. Dies sind Reste des alten Siedlungshügels vom alten Edfu. Ein Bau der ebenfalls zur Linken auffällt, ist ein kleiner kapellenartiger Tempel. Bei diesem Gebäude handelt es sich um das Mammisi, dem Geburtshaus des Götterkindes. Solche kleinen Annextempel waren typisch für jene Zeit. Sie standen im Zusammenhang mit bestimmten Ritualen zur Geburt des Götterkindes. Denn jeder Gottheit war ein andersgeschlechtliches Pendant zugeordnet, so dass sich ein Paar ergab, das ein Götterkind zeugen konnte. So erklärte sich die mythologische Genealogie der Götterwelt.

Bevor man den eigentlichen Horus-Tempel betritt, steht man zunächst auf den Tempelvorplatz. Der Blick fällt auf den gewaltigen Pylon mit seinen monumentalen Tortürmen von Ptolemäus XII. Die Reliefs zeigen den König beim kultischen Erschlagen der Feinde Ägyptens. Der Pylon ist insgesamt etwa 36 m hoch. Er ist übrigens nicht massiv. Das Innere der Tortürme mit ihren Gängen und Treppen kann begangen werden. Am Durchgang zwischen den Türmen stehen zwei steinerne Horusfalken als Wächter.

Hinter dem Pylon folgt der offene Kolonnadenhof des Tempels. Die Säulen und Wände der Kolonnaden sind mit Reliefbildern und Hieroglyphentexten dekoriert. Thematisiert werden hauptsächlich Kultthemen und Ritualszenen, meistens die Opferkulthandlungen des Königs vor der Gottheit. Kriegsszenen oder historische Ereignisberichte wie in den Tempeln von Karnak oder Medinet Habu sucht man hier vergeblich.

Folgt man den Weg der geraden Tempelachse über den offenen Hof, steht man vor der Front des Tempelgebäudes. Erneut bewachen zwei Horusfalken den Eingang. Durch ihn geht es in die Säulenvorhalle, dem sogenannten Pronaos, mit seinen zwölf gigantischen und wunderbar reliefierten Pflanzensäulen, die das gewaltige Dach und die mit astronomischen Darstellungen und Texten verzierte Decke tragen.

Der schwarze Ruß an der Decke stammt aus dem Mittelalter, als in dem halb vom Sande zugewehten Tempel Menschen gewohnt hatten. Übrigens stand noch im frühen 19. Jahrhundert ein ganzes Dorf, bestehend aus vielen Lehmziegelhütten, auf dem Dach des Tempels. Der halb zugewehte Tempel war den mittelalterlichen Bewohnern gleichsam ein Hügel mit Höhle, wie eine Naturkulisse.

Auf die Vorhalle folgt eine weitere Säulenhalle. Wiederum tragen zwölf Pflanzensäulen die Decke. Man merkt, wie es von Tempelabschnitt zu Tempelabschnitt auf dem Weg ins Innere immer dunkler wird und das Deckenniveau sich absenkt. In den Säulensaal fällt das Licht hauptsächlich durch Lichtschlitze in den Wänden. Türen an den seitlichen Wänden führen zum Tempelumgang.

Lohnenswert ist es, einen Abstecher via Treppe auf das Tempeldach zu machen. Zwar ist das Dach selbst größtenteils nicht zugänglich. Aber es ist ein kleines Abenteuer, die dunklen, engen Gänge und Treppen nach oben zu steigen.

Folgt man weiter der Tempelachse, d.h. dem eigentlichen Prozessionsweg, so gelangt man hinter dem Säulensaal in eine Querhalle. Wieder erhöht sich leicht das Fußbodenniveau und wird die Decke tiefer. Auf die Querhalle folgt ein großer Raum, in dem wie ein Haus im Haus der Naos steht, das Allerheiligste. Hierbei handelt es sich um das Sanktuarium, in dem auf einem Sockel einst die Kultbarke mit der goldenen Statue des Gottes Horus stand. Heute ist eine Replika zu sehen. Umgeben ist das Sanktuarium von einem kleinen Umgang mit seitlich abzweigenden kleinen Kapellen und Kulträumen.

Nachdem man den Tempel entlang seiner Hauptachse vom äußeren Eingangspylon zum Allerheiligsten in seinem Innern abgeschritten hat, lohnt es sich, den Umgang zu besichtigen, der zwischen dem Tempelbau und seiner Schutzmauer entlang führt. Hier sind es besonders die Reliefbilder, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Handelt es sich bei den Darstellungen innerhalb der bisher betrachteten Räume hauptsächlich um Kult- und Ritualdarstellungen, so sind im Umgang auch einige interessante Darstellungen aus der altägyptischen Mythologie erhalten.

Eines der wichtigsten Mythen, die um den Gott Horus kreisen, ist der Kampf des Horus gegen seinen Bruder und Widersacher Seth. Dieser Kampf wurde als Streit zischen Gut und Böse stilisiert. Während Horus beispielsweise für das Königtum Ägyptens steht, war dem Seth die Rolle des Chaosstifters zugedacht worden. Beispielhaft für diesen Kampf ist ein großes Reliefbild auf der Westwand. Die Bildfolge zeigt den Gott Horus und den Pharao, der auch als Verkörperung des Horus galt, auf der Nilpferdjagd. Beide attackieren mit ihren Speeren das Nilpferd, das als Verkörperung des Seth und des Chaos verstanden wurde. In der folgenden Szene wird schließlich dargestellt, wie Horus das Nilpferd bezwungen und gefangen hat. Das Gute hat über das Böse gesiegt und die Ordnung ist wieder hergestellt.

 

Autor dieses Artikels: Mirco Hüneburg

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